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Frühlingsfährtle ins Remstal und nach Stuttgart



Donnerstag, 12.3.2026

Stuttgart

Wilhelma

Tiere 2


Nachdem sich unsere Augen an das Licht draußen angepasst haben, gehen wir links den Weg hinauf, der in den oberen Teil der Wilhelma führt. Nach etwa 5 Minuten erreichen wir eine große, künstliche Felsenlandschaft. Dort lebt eine Gruppe Dscheladas, äthiopische Paviane.

Dscheladas (Theropithecus gelada)

Die Wilhelma-Gruppe der Blutbrust-Paviane, wie sie auch heißen, soll weltweit zu den größten Zoo-Dschelada-Gruppen gehören.

Ausnahmslos alle Dscheladas hocken dicht gedrängt ganz unten im Gehege, dort wo Boden und Wand aufeinandertreffen und die Sonne am besten hinfällt. Sie wirken völlig entspannt, während sie einander lausen: Einer beugt sich konzentriert über den Rücken des anderen und sucht sorgfältig im Fell, während der Gelauste geduldig stillhält. Dann wird gewechselt. Ab und zu streckt sich einer, gähnt herzhaft und reckt die Arme in die Luft, als wolle er sagen: „Alles entspannt hier!“ Ein Jungtier huscht neugierig zwischen den Erwachsenen hindurch, nur um sich kurz darauf wieder an die wärmenden Artgenossen zu kuscheln. Die Szenerie wirkt fast meditativ – ein kleines, lebendiges Puzzle aus Fell, Sonnenstrahlen und Ruhe.

Neben uns hält eine Frau ihren kleinen Wirbelwind über das Geländer, damit er auch etwas sehen kann. Der Junge quiekt, lacht und zappelt so wild, dass sie ihn kaum festhalten kann. „Pass auf, sonst wirst du gefressen!“, ruft sie in gespielt panischer Sorge. Völlig unnötig – Dscheladas stehen nämlich nur auf Blätter, Gras und Kräuter, nicht auf Kinder. Wahrscheinlich hat sie beim Anblick der Paviane aber an Enchiladas gedacht und befürchtet, die Affen würden den Filius in einen Wrap rollen, wenn er runterfällt. Zum Glück wird der kleine Zappelphilipp schnell wieder hochgezogen, während die Dscheladas völlig unbeeindruckt weitermachen.

Eichhörnchen

Was mir immer besonders gefällt, sind die wild lebenden Wildtiere im Zoo, nicht die, die man extra einsperren musste. Dieses Eichhörnchen z.B., das frei zwischen den Bäumen herumhuscht und die Umgebung erkundet, ist so flink, dass ich es trotz Reihenaufnahmen nur dann richtig erwische, wenn es mal sitzen bleibt.

Susanne, Sonja und Bernd haben es sicher nicht gesehen, denn sie sind oben am Affengehege geblieben. Dort war das Licht zum Fotografieren für mich aber so schlecht, dass ich es aus einem anderen Blickwinkel versuchen wollte und nochmal nach unten ging. Dort war das Licht aber noch schlechter, wie man an den Spiegelungen im Foto von meinen Begleitern sieht. Ein Foto zum Wegschmeißen, aber Susanne wollte es unbedingt im Bericht mit drin haben.

Klippschliefer

Vergesellschaftet mit den Dscheladas leben in deren Gehege auch Klippschliefer. Sofort muss ich an Afrika denken, wo ich 2009 wie ein wagemutiger Forscher auf allen Vieren auf die steilen Kopjes krabbelte und in der Seronera-Region in der Serengeti freilebende Klippschliefer fotografierte. Erst aus 8 Metern Entfernung, dann aus 5 Metern, schließlich direkt ins Gesicht. Auch dort leben die Klippschliefer Seite an Seite mit Pavianen. Man muss also schon etwas aufpassen, denn nicht alle Paviane sind reine Pflanzenfresser und in freier Natur steht ja kein Schild dran, das einem verrät, welcher Pavian Veganer und welcher Omnivor ist. Eine unbedachte Geste, ein zu hastiges Hinbeugen oder das Greifen nach Futter und du hast das Nachsehen. Paviane sind stark, flink und neugierig; sie haben kräftige Zähne und können zupacken. Deshalb galt dort: Respektvoll Abstand halten, keine hastigen Bewegungen und niemals provozieren – dann lebt man auch in Afrika sicher.

Klippschliefer sind etwa so groß wie Kaninchen, sollen aber die nächsten Verwandten der Elefanten sein. Lustigerweise haben beide – Elefant und Klippschliefer – vier Nägel an den Vorder- und drei an den Hinterfüßen. Das Gesäuge der Weibchen sitzt wie bei Elefanten zwischen den Vorderbeinen, und die Hoden der Männchen sind innen im Körper verborgen.

Noch was: Mein Klippschliefer damals war nicht so fett wie der hier (okay, ich hab seit damals auch zugelegt), er war aber genauso verschlafen und gemütlich. Einen Unterschied gab es dennoch: Der Afrika-Schliefer seinerzeit hat viel mehr gegrinst. Wahrscheinlich, weil ich auf allen Vieren kriechend wohl selten dämlich ausgesehen habe.

Löwen (Panthera leo persica)

Kaum hundert Meter weiter erreichen wir die Löwen, asiatische Löwen, eine Unterart, die in freier Wildbahn nur noch in Indien vorkommt und als stark bedroht gilt. Zoos wie die Wilhelma engagieren sich daher aktiv in Erhaltungs- und Zuchtprogrammen, um diese majestätischen Tiere zu schützen.

Asiatische Löwen unterscheiden sich von afrikanischen Löwen vor allem durch ihre dünnere Mähne und ihren schlankeren, kleineren Körperbau. Auffällig ist auch die markante Hautfalte entlang des Bauches, die afrikanische Löwen nicht haben. Es war also sehr spannend, diese feinen Unterschiede aus nächster Nähe sehen zu können und zu merken, wie unterschiedlich Tiere selbst innerhalb einer Art sein können.

Elefanten (Elephas maximus)

Seit „Australien“ sind wir jetzt schon über eine Stunde unterwegs und – man glaubt es kaum – 350 Meter weit und 23 Meter hochgelaufen – das ist so schnell wie eine Landschildkröte auf dem Weg zum Mittagsschlaf oder, noch besser, wie eine Schnecke beim Sonntags-Spaziergang.

Wir sind jetzt bei den Elefanten. Die Elefanten in Stuttgart sind – wie die Löwen – ebenfalls Asiaten. Sie haben den lateinischen Namen „Elephas maximus“. „Maximus“ ? Da wird man als interessierter Tierfreund doch gleich stutzig, wo doch die afrikanischen Elefanten viel größer sind.

Die Erklärung ist einfach: Der Name „Elephas maximus“ stammt von Carl von Linné, der diesen Elefanten 1758 beschrieb. Er fand die Tiere einfach besonders beeindruckend. Der Afrikanische Elefant wurde erst knapp 40 Jahre später beschrieben, nämlich 1797, vom deutschen Naturforscher Johann Friedrich Blumenbach. Er nannte „seinen“ Elefanten „Elephas africanus“, bevor die Art später dann in „Loxodonta africana“ umbenannt wurde.

Besonders auffällig bei Asiatischen Elefanten ist deren – im Vergleich zu Afrikanischen Elefanten – viel glattere, graue Haut und die kleineren, abgerundeten Ohren, die sie so anders aussehen lassen als Afrikanische Elefanten. Ihre Stoßzähne sind bei den Weibchen oft sehr klein oder fehlen sogar, was ihnen ein sanftes, freundliches Aussehen verleiht.

Es ist faszinierend, wie sanftmütig diese Tiere wirken, obwohl sie so riesig sind, und wie geschickt sie ihren Rüssel für alles Mögliche benutzen – zum Fressen, Trinken oder sogar zum Spielen. Diese Begegnung hat mir erneut gezeigt, wie einzigartig und besonders Tiere sind.

Totenkopfäffchen

Bernd ist ja immer für einen Witz zu haben. Er ist ein paar Meter vorausgestürmt, steht jetzt am Nordende des neuen Menschenaffenhauses und winkt wild mit den Armen. Dabei ruft er: „Kommt her, hier gibt’s Totenko-Pfäffchen!“ Wir gucken uns an, blinzeln ein-, zweimal und  fragen uns: „Hä? Pfäffchen? Was soll das denn sein?“, während Bernd grinst, als hätte er gerade die zoologische Sensation des Jahrhunderts entdeckt.

Dann sehn wir’s auch: Totenkopfäffchen, solche wie einst „Herr Nilson“ in „Pippi Langstrumpf“. „Aber“, werden jetzt sicher manche sagen, das war doch ein Kapuziner-Affe!“ Ja im Film! Da musste man einen Kapuziner nehmen, weil man Totenkopfäffchen damals – und wahrscheinlich heute auch noch nicht – trainieren konnte.

Normalerweise sind die winzigen Totenkopfäffchen flink, neugierig und lebendig. Ich kenne sie eigentlich nur so, die Wilhelma-Affen aber dösen nur rum.

 Tiger

200 Meter weiter kommen wir zu den Tigern, es sind Amur-Tiger. Sie sind die größten Tiger der Welt und stammen aus dem äußersten Osten Russlands sowie den angrenzenden Gebieten in China und Nordkorea. Ihr Fell wirkt etwas heller und dichter als das anderer Tiger – eine Anpassung an die kalten Winter ihrer Heimat.

Die Tiger-Anlage ist relativ neu (sie wurde am 16. Juli 2025 eingeweiht). Hier haben Männchen Amazar (aus den Niederlanden) und Weibchen Noïa (aus Frankreich) – beide 2023 geboren – Höhlen, Verstecke, Bademöglichkeiten und zudem Bäume, Sträucher und Stauden aus ihrer Heimat. Trotzdem kann ich dem Gehege nichts abgewinnen.

Im Tigerhaus liegt ein großer Tiger-Schädel ausgestellt. FINN, der Protagonist der Kinderseite „Der kleine Delfin“ ist völlig fasziniert von den riesigen Zähnen. Sie wirken unglaublich massiv und scharf – fast so, als könnte der Tiger damit alles zerreißen. FINN vergleicht sie mit den Zähnen eines Orcas, die ebenso lang und spitz sind, und kann kaum fassen, wie viel Kraft in einem solchen Gebiss steckt. Er ist beeindruckt, so ein Detail aus nächster Nähe zu sehen.

Bernd – immer zu einem Späßchen aufgelegt – rezitiert. Natürlich habe ich den Limerick selbst nicht mehr zustande gebracht, daher Dank an Sonja und Bernd für die Richtigstellung. Ich habe das „Opus“ heute ausgetauscht.

There was a young lady from Riga.
She smiled as she rode on a tiger.
They returned from the ride
with the lady inside
and the smile on the face of the tiger.
Da war eine Dame aus Riga,
die ritt lächelnd stolz auf ’nem Tiger.
Doch nach wilder Tour
war vom Lächeln keine Spur –
das trug nun der Tiger viel lieber.

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2 Reaktionen zu “Frühlingsfährtle ins Remstal und nach Stuttgart”

  1. Sonja

    Das hast du sehr schön geschrieben und gestaltet, lieber Rüdiger. Das sind schöne Erinnerungen für euch, wenn ihr mal ganz alt seid und keine Fährtle mehr machen könnt (vielleicht).
    Der Limerick geht übrigens so:

    There was a young lady from Riga.
    She smiled as she rode on an tiger.
    They returned from the ride
    with the lady inside
    and the smile on the face of the tiger.

    Liebe Grüße von Sonja und Bernd

  2. Rüdiger

    Hallo Sonja, hallo Bernd,

    Danke für euren Eintrag.

    Ich werde – sofern ihr einverstanden seid – den Limerick natürlich austauschen. Ich hatte den nicht mehr so richtig in Erinnerung und hatte gedacht: „So ähnlich könnte er gewesen sein.“ Danke für die Richtigstellung.

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