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Frühlingsfährtle ins Remstal und nach Stuttgart



Donnerstag, 12.3.2026

Stuttgart

Wilhelma

Der Maurische Garten


Nachdem wir eine halbe Stunde später die Gewächshäuser verlassen, spazieren wir im sogenannten Wandelgang (auch Laubengang genannt) rund um den Maurischen Garten. Alles erinnert mich stark an die Alhambra, wo ich 2016 war. Mein Gott ist das wirklich schon zehn Jahre her?

Diesen im Stil der Mauren gestalteten „Garten“ hat König Wilhelm I. von Württemberg Mitte des 19. Jahrhunderts erbauen lassen. In dieser Zeit war Europa vom sogenannten Historismus geprägt – das heißt, man orientierte sich gerne an historischen Baustilen vergangener Kulturen. Besonders beliebt waren exotische und orientalische Stile, weil sie dekorativ und luxuriös waren und „ferne Welten“ symbolisierten. Für einen König war das genau das richtige Statussymbol.

Wenn ich’s mit der Alhambra vergleiche, muss ich sagen, dass Karl Ludwig von Zanth, der von König Wilhelm beauftragte Baumeister, den maurischen Stil perfekt nachgebildet hat: Filigrane Rundbögen, verspielte Stuckornamente und fantasievolle Mosaike, die im Sonnenlicht glitzern.

Im Zentrum des Maurischen Gartens befindet sich der 700 m² große, kreisrunde Seerosenteich.

Der Teich bildet zusammen mit den Pavillons, Terrassen und dem Wandelgang das klassische Zentrum des Maurischen Gartens, der einst ausschließlich für die Präsentation exotischer Pflanzen und als Erholungsbereich des Königs angelegt wurde.

Um den Teich herum führt ein Weg mit zahlreichen Sitzbänken und Tierskulpturen des Stuttgarter Bildhauers Albert Güldenstein. Nur eine einzige Skulptur bildet eine Ausnahme: die um 1817 entstandene Gruppe „Stier, von einem Löwen angegriffen“. Sie stand ursprünglich links vor dem Maurischen Landhaus und soll von einem unbekannten italienischen Bildhauer stammen – vermutlich aus der Sammlung von König Friedrich I., dem Vater von Wilhelm I. Heute ist diese Skulptur komischerweise verschwunden.

Etliche Güldenstein-Skulpturen aber sind noch da. Die Skulptur unten links beispielsweise zeigt eine Szene voller Dramatik: Eine Hyäne hat gerade ein Lamm erbeutet. Das junge Schaf liegt kraftlos und ausgestreckt am Boden – als wäre es im letzten Todeskampf erschöpft. Die Hyäne steht darüber, den muskulösen Körper über die Beute gespannt, beinahe wie ein dunkler „Dom“, der alles überragt. Die Mähne der Hyäne ist wild gesträubt, die Ohren gespitzt, und der weit aufgerissene Rachen scheint einen unsichtbaren Rivalen anzubrüllen. Das Material der Figur soll – auch wenn ich das nicht erkennen kann – Carrara‑Marmor sein.

Bei dem Löwen (im Bild rechts) sieht man es schon eher, dass er aus Carrara‑Marmor gefertigt ist. Diese Skulptur zeigt den König der Tiere, wie er kraftvoll auf seinen kräftigen Pranken voranschreitet, während seine charakteristische Mähne hinter ihm her zu gleiten scheint. Der Kopf ist leicht seitlich gedreht und richtet einen drohenden Blick auf den Betrachter – mit aufgerissenem Maul und sichtbaren Zähnen, als wolle er jeden Gegner warnen. Sein langer, majestätischer Schwanz berührt den Boden wie ein zusätzliches Stützelement.

Überall blüht es, im Wasser spiegelt sich das Licht, die Vögel zwitschern, und die historischen Gebäude rahmen den Garten ein wie kleine Kunstwerke. Eines diese Gebäude ist die historische Gewächshauszeile nordwestlich des Seerosenteichs.

Historische Gewächshauszeile


Ursprünglich war die vom Architekten Karl Ludwig von Zanth entworfene Wilhelma ja keine Zoo- bzw. Gartenanlage im heutigen Sinn, sondern ein königlicher Park mit Bade- und Wohnhaus. Zum Park gehörten neben dem Landhaus auch mehrere Gewächshäuser, die als Wintergärten und Tropenhäuser dienten. Es war damals einfach „in“, wenn man sich für Botanik interessierte.

Eine der wichtigsten historischen Bauten ist die sogenannte historische Gewächshauszeile: Das Maurische Landhaus im Zentrum und die gusseisernen Flügel und Glasbauten an den Seiten verleihen dem historischen Bauwerk einen exotischen Charakter und zeigen, wie Architektur und Gartenkunst in einer romantischen, orientalischen Vorstellung verknüpft wurden.

Tiere 1


In einer halben Stunde wollen Sonja und Bernd hier sein. Bis dahin haben wir noch etwas Zeit. Also gehen wir links um das Gebäude herum, das früher mal den Maurischen Festsaal und heute die Aquarien beherbergt. Wir wollen auf der anderen Seite nach den Seelöwen gucken. Die sind aber leider nicht da.

Wombat

Stattdessen haben wir einen Wombat gesehen. Der soll ja – einzigartig im Tierreich – Würfelchen kacken. Solche „Klötzchen“ haben wir im Gehege aber nicht entdecken können.

Der Grund für den würfelförmigen Kot soll in der besonderen Beschaffenheit von deren Enddarm liegen: Die Darmwand sei ungleichmäßig dehnbar, sodass der Kot in unterschiedlichen Abschnitten unterschiedlich komprimiert wird. So entstehen quasi „Ecken und Kanten“. Das hat den Vorteil, dass die Reviermarkierungen der Wombats auf Felsen und Erdhügeln liegen bleiben, ohne wegzurollen.


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