Frühlingsfährtle ins Remstal und nach Stuttgart
Mittwoch, 11.3.2026
Weinstadt
Weiterfahrt in die Weinberge
Wie gesagt, Uwe muss noch arbeiten (aber nicht mehr lange, im Juni geht auch er in Rente), weswegen wir uns um kurz nach halb drei verabschieden. Das Parkhaus hat für die drei Stunden 3 € gekostet.
Mit 74263 auf dem Kilometerzähler geht’s wieder los: Über die B 29 nach Beutelsbach, das sei 1975 nicht mehr eigenständig ist, sondern zusammen mit Endersbach, Großheppach und Schnait zur neu gebildeten Stadt Weinstadt zusammengelegt wurde.
Unter der „Sprinterfalle“ in Beutelsbach
Da kommen wir also von der B29, der Schorndorfer- und der Cannon-Straße her gemütlich mit unserem Panda angefahren, als es plötzlich heikel wird. Schon beim Anblick der legendären Unterführung unter dem S‑Bahnhof Beutelsbach hindurch ziehen wir automatisch die Köpfe ein. Die ist nämlich lediglich 2 m hoch. Schon in den frühen 2000er-Jahren blieben hier – trotz Warnschildern und Blinklichtern – regelmäßig Wohnmobile oder Lieferwagen stecken. Da solche Unfälle immer wieder passieren, tauften die Einheimischen die Unterführung „Sprinterfalle“.
Vorsichtig passiert der kleine Panda die Unterführung, während wir über die kuriosen Geschichten der Vergangenheit schmunzeln – eine Begegnung mit lokaler Verkehrskultur, die man so schnell nicht vergisst.
Nebenbei bemerkt: Die Cannon-Straße (mit 2 „n“) hat nichts mit meiner Kamera (mit einem „n“) zu tun. Das habe ich schon früher und bis heute immer verwechselt.
Burgruine Kappelberg
Einen Kilometer weiter sind wir um dreiviertel drei an der Burgruine Kappelberg. Da ist nichts gesperrt, man darf also hochfahren und man kann dort auch gut parken. Susanne ist total begeistert, weil hier schon überall die Forsythien blühen.
Die Ruine gilt als Wiege des Hauses Württemberg, der Familie, die später die Region prägte. Man kann sich richtig vorstellen, wie hier vor Jahrhunderten die Vorfahren der Herzöge lebten.
Spannend sind auch die Geschichten vom Aufstand des Armen Konrad 1514. Angeblich läutete ein Mann vom Kappelberg aus die Glocke, um die Bauern zum Protest zu rufen. Ob das genau so passiert ist, weiß niemand – aber allein die Vorstellung macht die Ruine lebendig.
Die Ruine selbst ist eher klein und schon früh zerfallen. Einige Mauerreste wurden in den 1960ern rekonstruiert, aber man merkt sofort, dass das Ganze eher eine romantische Vorstellung ist als echte Geschichte. Heute nutzen Spaziergänger oder Wanderer die Ruine als Aussichts- und Jugendliche als Treffpunkt. Zwischen den alten Steinen erzählt man sich Geschichten über verborgene Keller, Geheimgänge oder „nächtliche Geisterlichter“. Ob alles stimmt oder nicht – es macht den Besuch irgendwie magisch.
Alles in allem: Ein Ort, der Geschichte, Legenden und moderne Geschichten auf ganz eigene Weise verbindet. Man steht zwischen Mauerresten, schaut auf die Weinberge und spürt: Hier hat Geschichte Wurzeln geschlagen – oder hätte zumindest können.
- Burgruine Kappelberg
- Ein Ort der Geschichten und Legenden
Blickt man nach Westen, sieht man in 650 m Entfernung das auffallend grüne Dach der Beutelsbacher Stiftskirche. Dreht man sich nur ein bisschen nach rechts, kann man in etwa 6 Kilometer Entfernung die weißen Häuser auf der Korber Höhe sehen.
- Beutelsbach mit der Stiftskirche
- Blick auf die Korber Höhe
Auf der Suche nach den „Drei Riesen“
Um fünf vor drei geht‘s dann auch schon wieder weiter. Wir versuchen die „Drei Riesen“ zu finden, was auch immer das sein mag. Wir fahren also von der Ruine Kappelberg aus noch weitere 1½ km die Schönbühlstraße hoch, bis es dann nicht mehr weitergeht. Eigentlich wollten wir am „Remstalkino-Parkplatz“ parken, aber dort war mit Baumaschinen, Raupen und Muldenkippern alles zugestellt. Also haben wir umgedreht und das Auto am Rand des Weinbergwegs abgestellt.
Dann sind wir marschiert, oberhalb der Weinberge. Hier ist Landschaft pur.
- Ein blühendes Bäumchen inmitten der Weinberge
- Weinberge in Weinstadt
Der Weg fällt langsam ab, und zwischen den Zeilen der Weinstöcke tauchen immer wieder kleine Mauern, Wege und Aussichtspunkte auf.
Überall blüht es. Hier stehen die Kirschpflaumen bereits in voller Blüte, und auch die Forsythien beginnen schon zu leuchten. Bei uns zu Hause dauert das noch ein wenig. Dort öffnen die Kirschpflaumen ihre Blüten meist erst in ein bis zwei Wochen, und die Forsythie folgt noch später. Vermutlich liegt es daran, dass der Frühling hier einfach ein paar Wochen früher einsetzt.
- Die Kirschpflaumen blühen schon …
- … und die Forsythien auch
Die „Drei Riesen“
Wir gehen weiter und weiter, an einer Art „Osterhasenhaus“ vorbei und von dem aus sind es dann nur noch 100 Meter. Dann stehen sie plötzlich da, auf einer Insel innerhalb einer Drei-Wege-Kreuzung: Drei gewaltige, grobe und unregelmäßige Felsstücke aus Stubensandstein, rau und verwittert sehen sie so aus, als hätten sie schon immer hier gestanden.
- Die drei Riesen
- Markanter Punkt im Weinberg
Tatsächlich kamen sie aber erst in den 1970er-Jahren hierher. Als die Weinberge rund um Beutelsbach im Zuge der Reb-Flurbereinigung neu angelegt wurden, stießen die Arbeiter im Boden auf mehrere große Sandsteinblöcke. Solche Felsen lagen früher oft tief unter den Rebflächen verborgen und mussten beim Umgestalten der Hänge herausgeholt werden.
Die drei größten Stücke stellte man schließlich hier zusammen auf – nicht als Kunstwerk, sondern eher als markanten Punkt im Weinberg. Seitdem stehen die „Drei Riesen“ nebeneinander, ein wenig wie zufällige Monumente aus einer längst vergangenen Zeit.
Und tatsächlich sind sie das auch: Der Stubensandstein, aus dem sie bestehen, entstand nämlich vor rund 200 Millionen Jahren, lange bevor es hier Weinberge, Dörfer oder Wege gab. Wir bleiben einen Moment stehen und betrachten die raue Oberfläche der Steine.
Dann geht’s zurück zum Auto. Und obwohl der Weg relativ eben ist, bin ich doch mächtig am Schnaufen. Susanne dagegen lässt sich davon kaum beeindrucken. Schritt für Schritt geht sie ruhig weiter, aufmerksam und ganz bei sich. Ihr Blick bleibt auf das gerichtet, was für sie wirklich zählt: die Natur, die gerade wieder zum Leben erwacht. „Es ist so schön, wenn alles blüht. Da fängt das Leben wieder an nach so ’nem toten Winter.“
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