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Montag, 16. Mai 2016 – Heimreise

I wanna be in Amerika


Für das Maskottchen der Kinderseite derkleinedelfin.de FINN war es natürlich ein Muss, nach Amerika zu gehen, schließlich war er mit seinem Freund Leo ja auch schon in Las Vegas. Den Gefallen wollten wir ihm dann natürlich schon machen.

Blühende Landschaften in Sachsen

FINN am Ortsschild von Amerika

75 Minuten später sind wir da, aber nicht weil mein Fiat nun Überschall fliegen kann, sondern weil unser Amerika in Sachsen liegt. Sollte jemand auch so verrückt sein und tatsächlich auch nach Amerika wollen, das Ortsschild steht bei 50.934087, 12.732673. Hier gibt es natürlich keine Wolkenkratzer und auch keine Highways, keine Cowboys und noch weniger Indianer. Auch mit Englisch kommt man hier nicht weit: Amerika liegt nämlich in Sachsen, 20 km nordwestlich von Chemnitz.

Aber wie kommt es dann zu dieser Bezeichnung mitten in Sachsen? Das hängt mit einer Spinnerei zusammen, aber nicht im Sinne von Laune, Kapriole oder Mucke, sondern im Sinne Spinnerei aus dem Bereich Textil-Industrie. Die wurde nämlich hier an der Zwickauer Mulde 1858 errichtet. Die Mulde ist hier etwa 30 m breit und wenn sie Hochwasser führte, mussten die Arbeiterinnen, um zur Firma zu kommen, über im Bach liegende Trittsteine balancieren. Später hat man dann einen Kahn eingesetzt, sodass man sich an einem Seil entlang hangelnd über den Fluss ziehen konnte. Der Legende nach sollen die Arbeiterinnen bei der Überfahrt das Lied „Ri-ra-rutschika, wir fahren nach Amerika“ gesungen haben. So entstand eben 09322 Amerika.

Restaurant Waldgaststätte Höllmühle


Genug des Spaßes. Über endlose Straßen (wir hatten leider etliche Umleitungen, sahen dafür aber auch blühende Landschaften und imposante Baumalleen) erreichen wir zur Mittagszeit schließlich den Höllteich mit dem Bootshaus und dem Bootsverleih.

Allee

Bootshaus bei der Waldgaststätte Höllmühle

Wir sind aber nicht zum Bootfahren hergekommen, nein unser Interesse gilt der gegenüberliegenden Waldgaststätte Höllmühle. Die Mühle steht hier schon seit 1538. Seit dem vorigen Jahrhundert wurde sie dann eine Gaststätte, und die wollen wir jetzt besuchen.

Wir betreten das Haus und die niedrige, mit Nut- und Federbrettern verkleidete Diele. Links geht es zur Gaststube. Tür auf und Schock: Das winzig kleine Zimmerchen mit gerade mal vier Tischen platzt aus allen Nähten. Da hätten wir wohl eher auch reservieren müssen. Aber wir haben Glück: Genau in dem Augenblick als wir kommen, wird das Vierertischchen gleich links hinter der Tür frei. Alle die nach uns kommen, und es sind viele, müssen unverrichteter Dinge wieder gehen (später erfahren wir, dass es noch mehr Gasträume gibt, aber keine davon ist so urig wie diese Stube).

Tür zur Gaststube (Waldgaststätte Höllmühle)

Gemütlich

Die Karte bietet (nachdem, was wir bisher kannten) schon sehr Spezielles: „Rinderzunge mit Pilzen und Salzkartoffeln“, „Hammelbraten mit Bohnen und Klößen“, „Pferderoulade mit Schwarzwurzeln und Klößen“ sowie „Kaninchenkeule“ oder „Wildschweinbraten mit Preiselbeeren, Pilzen und Rotkohl“ (natürlich aus eigener Jagd). Wir entscheiden uns für einen „Galloway-Rinderbraten“ sowie eine „Galloway-Rinderroulade“.

Galloway-Rinderbraten

Galloway-Rinderroulade

Ich glaube, ich brauche nicht erwähnen, dass das Essen hier ein Gedicht ist. Bei schönem Wetter könnte man draußen (neben Boot fahren) auch noch wandern oder Tiere beobachten, wir machen uns aber auf den Heimweg. Über Land sind das noch weit über vier Stunden.

Abschlusskaffee


Eigentlich wollten wir in Fletchenreuth bei Schwarzenbach an der Saale in einem dortigen Ausflugslokal noch Kaffee trinken, aber die angeheiterten Gäste und ein aggressiver Hund mit aufgestellten Nackenhaaren haben uns das gründlich verleitet. Direkt unter der Tür machen wir kehrt und fahren – auch in Hinblick darauf, dass wir eine Tankstelle suchen – weiter bis ins 11 km entfernte Münchberg.

Gleich gegenüber der Tankstelle am Kreisverkehr sticht uns ein rotes Haus ins Auge, das Hotel „Münchberger Stüble“. Ob die auf haben und ob’s da Kaffee gibt? Einen Versuch wert ist es allemal. Wir sind zwar die einzigen Gäste, aber es gibt lecker Kaffee sowie köstlichen warmen Apfelstrudel mit Sahne.

Warmer Apfelstrudel mit Sahne

Kaffee

Gut gestärkt können wir jetzt die Heimreise antreten. Wegen Pfingsten ist aber überall gewaltig viel Verkehr, sodass wir nicht sicher sind, ob wir über die A9, über A9 und B2 oder über die A93 fahren sollen. Von allen Strecken werden Unfälle und kilometerlange Staus gemeldet. Wir entscheiden uns zunächst mal für die A9 Richtung Nürnberg. Doch mit jeder Verkehrsmeldung kommen andere, grauenvollere Staumeldungen rein. Wird wohl überall gleich schlimm sein, so entscheiden wir uns schließlich auf der A9 zu bleiben. Und es geht besser, als wir uns erhofft haben. Zur Tagesschau – und das ist immer unsere Vorgabe bei Tagesausflügen – sind wir wieder zu Hause. Bei einem kühlen Weißbier (Rüdiger) und einem leckeren Weinchen (Susanne) lassen wir die wundervollen Tage in Leipzig und den Abend ausklingen.

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2½ TAGE IN LEIPZIG
REISEBERICHTE AUS DEUTSCHLAND

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