Frühlingsfährtle ins Remstal und nach Stuttgart
Donnerstag, 12.3.2026
Stuttgart
Wilhelma
Bistro (Bandipur) – oder wenn Zeit plötzlich „verschwindet“
Inzwischen sind wir sagenhafte 600 Meter weit gelaufen und haben 34 Höhenmeter hinter uns gebracht. Wir stehen vorm Bistro Bandipur, das seinen Namen vom Bandipur National Park im indischen Bundesstaat Karnataka hat, einem bekannten Reservat für Tiger, Elefanten und andere Wildtiere. Da passt der Name natürlich hervorragend zu den asiatischen Löwen und Elefanten, die in der Wilhelma gleich nebenan zu sehen sind. Wir ziehen uns für 3,50 € – he, he – am Automaten ein Wasser und setzen uns auf die Klappstühle vor dem Haus. Mit der Sonne im Rücken (oder auch im Gesicht) genießen wir die kleine Pause zwischen den Tiergehegen. Es ist ruhig und angenehm, ein Moment zum Verschnaufen, zum Beobachten der vorbeigehenden Besucher und der Trampeltiere im Gehege schräg gegenüber.
„Nur ein Wasser“, dachten wir. Und dann der Schock! Während wir bei den Tieren vermutlich jeweils nur zehn Minuten stehen blieben und glauben, auch hier nur höchstens zehn Minuten gesessen zu haben, belehrt uns ein Blick auf die Uhr jedoch eines Besseren: In Wirklichkeit sitzen wir bereits eine ganze Stunde hier!
Erkenntnis: Wenn man einen Zoo besucht, sollte man besser die Finger von Bistros und Restaurants lassen. Nicht nur wegen der oft stattlichen Preise – sondern auch wegen der Zeitfalle!
Tiere 4
Trampeltiere
Neben uns jetzt Trampeltiere, die zweihöckrigen Kamele aus Zentralasien. Das dicke Fell der Tiere und die zwei Höcker machen sie unverkennbar. Ruhig und gelassen stehen sie im Gehege und beobachten die Besucher, während wir im Vorbeigehen ihre langsamen, bedächtigen Bewegungen bewundern. Es ist faszinierend, wie gut sie an karge Landschaften angepasst sind – wahre Überlebenskünstler aus der Steppe.
Nachsatz: Während ich diese Zeilen schreibe, ruft Susanne vom Nebenzimmer: „Wir waren einen Tag zu früh!“, denn wie man in dieser Mitteilung lesen kann, wurde am 13. März ein Jungtier geboren.
Serval
Gleich nebenan treffen wir auf einen Serval, eine schlanke, mittelgroße Wildkatze aus Afrika. Auffällig sind deren langen Beine, die im Verhältnis zum Körper sehr hoch wirken, sowie die großen, spitzen Ohren, mit denen das Tier selbst leiseste Geräusche aufspürt. Das goldgelbe Fell mit den schwarzen Flecken und Streifen macht sie unglaublich elegant. Man kann beobachten, wie flink und aufmerksam sie ist – eine perfekte Jägerin, die lautlos durch ihr Gehege schleicht.
- Serval
- Der Serval kann leiseste Geräusche wahrnehmen
Menschenaffen
Um 12:34 Uhr sind wir dann im 2013 eröffneten Affenhaus. Auf den ersten Blick fällt mir der viele Beton, der viele Stahl und das viele Glas auf – alles zusammen kühl, steril und völlig unnahbar. Sicher gut geplant, aber ganz ehrlich: Mir persönlich ist das zu viel Beton.
Man hat fast den Eindruck, jemand wollte jeden Funken Gemütlichkeit im Keim ersticken und hat dafür einfach alles mit Beton und Glas ummantelt. Dabei soll das Gebäude doch ein Zuhause für Menschenaffen sein, die lieber klettern, toben und sich in gemütlichen Verstecken zurückziehen. Dieser offensichtliche Widerspruch ist für mich geradezu absurd: Ein Ort, der Leben beherbergen soll, wirkt wie ein Hochsicherheitsbunker für Sammlung von Daten statt für das Wohlbefinden der Tiere. Stahl und Glas schaffen keine Wohlfühl-Atmosphäre.
Bonobos
Die Affen selbst sind natürlich faszinierend zu beobachten. Vor allem die Bonobos, vor denen ich lange stehen bleibe.
Als Erstes fällt mir ein Affe auf, der immer wieder seine innere Handfläche leckt. Seine leuchtend rote Zunge gleitet beharrlich über die Haut. Ich weiß nicht, ob er sich verletzt hat oder sich einfach nur wäscht. Vielleicht dient es ja auch zur Beruhigung, aber warum? Auf jeden Fall ist es bemerkenswert zu beobachten, wie detailverliebt und ausdauernd er dabei ist.
- Bonobo
- Der Bonobo ist ganz begeistert
Ein anderer Bonobo spielt „stundenlang“ mit einem Beutel. Ich kann nicht genau erkennen, ob es ein Stoffbeutel ist oder eine Papiertasche, die er zerreißt. Alles, was ich sehe, ist das Bild eines Graupapageis auf dem Beutel, das der Affe immer wieder interessiert begutachtet. In seinen Augen spiegelt sich etwas Vertrautes, fast Menschliches – Neugier, Konzentration, vielleicht sogar Freude. Gleichzeitig werde ich aus seinem Verhalten aber nicht schlau: Dieses endlose Spielen wirkt nicht zielgerichtet und doch so verspielt, dass es mir Rätsel aufgibt.
Westliche Flachlandgorillas
Die westlichen Flachlandgorillas, die ebenfalls im Gebäude untergebracht sind, habe ich dann gar nicht mehr angesehen. Ihre Gehege mit den harten Betonböden und -wänden haben mich einfach nur traurig gemacht. Ich konnte mich nicht richtig freuen, die Tiere zu beobachten, so trostlos wirkte alles. Was mich besonders nachdenklich gemacht hat, war das Verhalten der Affen. Während die meisten Gorillas sehr ruhig waren, teilweise sogar lethargisch, waren andere – vor allem einige Bonobos – total überdreht.
Später habe ich im Netz nachgelesen und festgestellt, dass ich mit meinem Eindruck nicht alleine bin. Im Internet ist viel über Baumängel zu lesen, über Probleme mit der Lüftung und den Bodenbelägen, die den Affen angeblich geschadet haben. Das macht mich schon sehr nachdenklich, wenn hier Technik und Architektur in den Vordergrund rücken, während das Tierwohl offenbar – zumindest aus meiner Sicht – nachrangig behandelt wird. Etliche Kritiker sagen, dass die Gorillas manchmal gestresst oder lustlos wirken, und einige Gehege zu klein oder zu kahl seien.
Offiziell betont die Wilhelma, dass die Innen- und Außenanlagen modern gestaltet sind. Ich selbst konnte diese „Modernität“ nicht spüren. Es hat mich ein bisschen nachdenklich zurückgelassen, wie sich die Tiere hier wohl fühlen – in einem Zoo, der doch eigentlich alles richtig machen will.
Fazit: Insgesamt hinterlässt das Affenhaus bei mir daher einen eher traurigen Eindruck. Ich würde mir wünschen, dass solche Anlagen stärker auf natürliche Materialien, mehr Grün und abwechslungsreiche Strukturen setzen, damit sowohl für die Tiere als auch für die Besucher eine lebendigere und angenehmere Umgebung entsteht.
Tiere 5 – oder doch keine Tiere mehr?
Eigentlich wollten wir noch weiter „Tiere angucken“, aber Sonja verspürt plötzlich Riesenhunger. Es ist ja auch schon eins – Essenszeit – und so gehen wir am Giraffenhaus vorbei und am Okapi-Gehege schnurstracks hinunter zum „Belvedere“, einem kleinen Aussichtspavillon im maurischen Stil aus dem Jahr 1851. Der Name „Belvedere“ kommt übrigens aus dem Italienischen und bedeutet „schöne Aussicht“ – und tatsächlich liegt das Gebäude auf einer kleinen Anhöhe über den Subtropenterrassen der Wilhelma. Der Pavillon steht oben am Rosensteinhang und bildet den Abschluss der sogenannten Subtropenterrassen.
Vom Pavillon aus führt der Weg dann – schon von Weitem hört man das Krächzen und Rufen der verschiedenen Vögel – vorbei an den Volieren. Marschrichtung südwärts Richtung Restaurant.
In den Volieren neben uns sitzen unterschiedlichste Tiere, die ich – offenbar stimmen die Beschriftungen an den Käfigen nicht – nur schwer zuordnen kann. Okay, den Hyazinth-Ara (Anodorhynchus hyacinthinus) kenne ich natürlich aus dem Karlsruher Zoo. Zoodirektor Reinschmidt postet darüber ja immer wieder in Facebook.
Hyazinth-Ara (Anodorhynchus hyacinthinus)
Hyazinth-Aras sind ohnehin kaum zu übersehen. Mit ihrem tiefblauen Gefieder, den leuchtend gelben Hautringen um Augen und Schnabel und einer Länge von fast einem Meter gelten sie als die größten flugfähigen Papageien der Welt. Ihre Heimat liegt in Südamerika, vor allem in Brasilien, Bolivien und Paraguay. Dort leben sie in offenen Waldlandschaften und Savannen.
Auffällig ist ihr gewaltiger Schnabel, der nicht nur beeindruckend aussieht, sondern auch erstaunlich kräftig ist. Damit knacken sie auch steinharte Palmennüsse, an die viele andere Tiere gar nicht rankommen. Ein Großteil ihrer Nahrung besteht also genau aus solchen Nüssen, weshalb die Vögel stark von bestimmten Palmenarten abhängig sind.
Hyazinth-Aras leben meist paarweise oder in kleinen Gruppen und gehen sehr enge Partnerschaften ein, die oft ein Leben lang halten. Wenn ein Paar zusammen auf einem Ast sitzt und sich gegenseitig das Gefieder pflegt, wirkt das fast ein wenig zärtlich.
- Hyazinth-Ara
- Schwarzkopf-Steinhuhn
Schwarzkopf-Steinhuhn (Alectoris melanocephala)
Vom Schwarzkopf-Steinhuhn habe ich bisher noch nie etwas gehört – da musste ich erst zu Hause googeln. Der Name klingt zunächst ein bisschen unscheinbar, aber der Vogel ist durchaus interessant.
Diese fasanenartigen „Hühner“, die von der Arabischen Halbinsel (Saudi-Arabien, Jemen) stammen, gehören zu den bodenbewohnenden Vögeln. Ihr Name kommt vom dunklen Kopfgefieder, das sich deutlich vom übrigen, eher sandfarbenen Körper absetzt.
Ehrlich gesagt hätte ich diesen Vogel im Vorbeigehen wahrscheinlich einfach für irgendein „Huhn“ gehalten – wieder so ein Moment im Zoo, in dem man merkt, wie viele Tierarten es gibt, von denen man vorher noch nie gehört hat.
Gänsegeier, am Ende des Wegs kennen wir dann alle wieder, aber Sonja scheint mächtig Hunger zu haben, sodass ich nicht mehr zum Fotografieren komme.
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