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Bummel durch den Freizeitpark



Esel hautnah


Es ist drückend heiß und schwül heute und im Rund der Karl-May-Bühne steht der „Dampf“ regelrecht. Wir brauchen dringend ein schattiges Plätzchen und – wenn möglich – auch noch ein alkoholfreies Bier. Da das Scarlett in der Mainstreet komplett überlaufen ist, probieren wir’s eben woanders. Also gehen wir von der Karl-May-Bühne aus an den Bison- und Eselgehegen vorbei Richtung Südosten. Bei den Eseln ist’s wenigsten etwas schattig.

Fasziniert von den Tieren, bleibt Susanne stehen und versucht, sie mit schmusiger Stimme und entgegengestreckter Hand zu sich zu locken. Aber die Tiere zeigen keinerlei Interesse an ihr und bleiben stoisch auf Abstand. Als ich ans Gatter herantrete passiert dagegen etwas Überraschendes. Ein Esel hebt den Kopf, spitzt die Ohren und trottet neugierig auf mich zu. Es scheint, als hätte er in mir einen Artgenossen erkannt.

Als ich den Rücken des Esels tätschel, steigt eine gewaltige Staubwolke auf, als hätte ich einen antiken Teppich ausgeklopft. Mit jedem Streicheln und jedem weiteren Handkontakt wirbelt noch mehr Staub in die Luft.

Teures Vergnügen: Oktoberfestpreise im Freizeitpark


Ein Paar Meter weiter kommen wir zum Ale-House, einer Trapper-Hütte, die man ganz offensichtlich nach dem Pullman-City-Brand hier neu hingestellt hat. Ich jedenfalls kenne sie bisher nicht. Aber das Wichtigste: Vorm Ale-House gibt es eine schattige Terrasse, wo wir uns hinsetzen und ein Bier trinken können, ein alkoholfreies, versteht sich.

Obwohl wir die Atmosphäre genießen und das Bier superlecker ist, bleibt ein bitterer Nachgeschmack zurück – aber nicht wegen des Bieres, sondern wegen des sündhaft teuren Preises, der mich unweigerlich an die des Münchner Oktoberfests erinnert. Entsprechend begeistert auch mein Gesichtsausdruck auf den Fotos.

Ich „blätter“ in meiner Canon. Die bisherigen Bilder von Niederkaltenkirchen, von der Fahrt, vom Hotel und von der Best-of-West-Show sind klasse. Das wiegt vieles wieder auf. Wir warten noch kurz den heftigen Schauer ab, der eben über Pullman City hinwegzieht, dann gehen wir noch etwas durch den Freizeitpark schlendern.

Ein Gemütlicher Bummel durch die Westernstadt


Am Wasserspielplatz können Kinder es den Goldsuchern des Klondike nachmachen und das „Flussbett“ akribisch nach Nuggets durchforsten. Und wenn ich es richtig verstanden habe, soll es im Pullman-City-Klondike auch tatsächlich Gold geben. Pyrit nämlich – oder wie man umgangssprachlich sagt: Katzengold.

Die Toilette am „Hudson Bay“ spiegelt perfekt den Charme des Wilden Westens wider. Eine emaillierte Waschschüssel sitzt auf einem robusten, handgefertigten Holzwaschtisch, ausgestattet mit modernen Wasserhähnen, welche das nostalgische Design hervorragend ergänzen.

Der Boden besteht aus glatten, leicht zu reinigenden Fliesen in warmen Erdtönen, die an die staubigen Straßen des Wilden Westens erinnern, aber den hygienischen Standards von heute entsprechen. Eine barrierefreie, breite Tür ermöglicht den bequemen Zugang auch für Rollstuhlfahrer.

In Pullman City kann man auch übernachten: Im Palace Hotel, im Hotel La Hazienda, in Country Houses oder Tipis. Wer aber so ein richtiger Trapper oder Cowboy ist und Wildwest-Feeling pur will, der wählt natürlich eine urige Blockhütte.

Unterwegs gibt es dann auch ein paar Hinweistafeln, auf denen über die Karl-May-Festspiele informiert wird.

So erfährt man u.a., dass ein Großteil der Karl-May-Bühne vom hauseigenen Bauhofteam und die Requisiten in aufwendiger Handarbeit von Hobby-Handwerkern gefertigt werden, dass ein Textbuch so um die 100 Seiten stark ist und im Mittel 18 Szenen beschreibt und dass an den knapp 50 Vorstellungen einer Spielzeit immer so um die 80 Leute beteiligt sind.

Nicht zuletzt erfährt man auch, dass die Kostüme vor allem wegen der verwendeten Materialien (z.B. Hirschleder) extrem teuer sind. So werden für Old Shatterhands Kostüm rund 1000 € genannt und für Winnetous Kostüm – wohl wegen der aufwendigen Perlenstickerei – Herstellungskosten von  rund 1300 €.

Dass die Hauptdarsteller für ein einzelnes Stück 300 Stunden proben müssen und die Nebendarsteller immerhin auch noch 95 Stunden, erscheint mir recht heftig.

Das mag ja alles sein. Die „Sensationsmeldung“ aber steht auf der zweiten Tafel, wo zu lesen ist: Karl May, geboren am 25.2.1842 in Hohenstein-Ernstthal, gestorben am 30.3.1912 in Radebeul – an einer Bleivergiftung!

Das klingt natürlich spektakulär und passt auch gut in eine Westernstadt, wo jeder beim Lesen gleich an Colts und „bleihaltige Luft“ denkt. Bewiesen ist diese Behauptung aber durch nichts. Sicher, man hat in Mays Haaren Blei nachgewiesen, aber ob das eindeutig die Todesursache war, wenn als Todesursache offiziell Herzversagen angegeben wurde? Für mich ist das irgendwie so, wie wenn ein Verschwörungstheoretiker sagt, ein von einem Zug überfahrener Corona-Geimpfter sei am Impfstoff gestorben.

Apropos gestorben: Auch daran hat man in Pullman City gedacht und unweit der „End-of-the-Trail-Lodge“ (welch passender Name) einen Friedhof nachgestaltet.

An einem Totempfahl vorbei gehen wir hoch zum Indianer-Tipi, das heute aber leider geschlossen ist.

Fehlbelichtet?


Unweit des Tipis ist ein Erdhaus der Mandan nachgebaut. Für alle, die es nicht wissen, das Volk der Mandan gehört zu den Plains-Indianern. Im Innern des Hauses erzählt ein Referent über indianische Ureinwohner und wie sie im Einklang mit der Natur lebten. Dabei holt er voll aus. Im Einklang mit der Natur zu leben, bedeute nicht nur ein Zustand, sondern ein tiefes, spirituelles Abenteuer, das alle Seelen mit den ewigen Rhythmen des Lebens verbinde und ihnen so den Zugang zu den unendlichen Geheimnissen des Universums gewähre.

Die Luft, die wir einatmen, sei nicht nur frisch, sondern auch durchzogen von den heilenden Schwingungen des Kosmos. Jeder Atemzug sei ein Akt der Verehrung und Dankbarkeit für das unermessliche Geschenk des Lebens, das uns täglich in seiner reinsten und ursprünglichsten Form begegnet. – Oder so ähnlich.

Als ich im Haus fotografieren will – ohne Blitz versteht sich -, werde ich vom Referenten „respektvoll darauf aufmerksam gemacht, das zu unterlassen“. Da brauchte ich dann schon einen Moment, das zu verdauen.

Ich kann ja verstehen, wenn manche Kulturen und deren Vertreter Wert darauf legen, dass – um ihre Integrität und Spiritualität zu bewahren – während eines mystischen Vortrags nicht fotografiert wird. Aber Pullman City ist ein Freizeitpark, keine Kultstätte (!) und das Mandan-Erdhaus ist – wie alles andere hier ein Replik. Wenn man dort nicht fotografieren darf, warum steht das dann nirgends angeschrieben? Ich war von der Reaktion des Referenten also schon … na sagen wir: beeindruckt.


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