Freitag, 27. Juni 2025
Dolceacqua
Um zehn nach halb sechs kommen wir in Dolceacqua an und parken auf dem Parkplatz an der Piazza Giardino. Der ist zwar gebührenpflichtig, aber nicht weit weg von der Altstadt. Ich werf‘ 3 € ein, damit könnten wir – theoretisch – bis morgen früh 8:39 Uhr hier stehen bleiben.
Terra
Auf einem kleinen Fußweg gelangen wir zum Restaurant „I Gumbo“ und von dort – über eine Brücke, welche das Flüsschen Peitavino überspannt, zuerst auf die Via San Biagio und dann in den direkt unterhalb der Doria-Burg liegenden Stadtteil Terra.
Nachtrag Inzwischen habe ich herausgefunden, was es mit dem Namen „I Gumbo“ auf sich hat:„Gumbo“ ist ein Wort aus einem ligurischen Dialekt, wie er hier in der Gegend rund um Imperia gesprochen wird. Gemeint sind damit alte Ölmühlen – genauer gesagt die traditionellen Steinpressen, mit denen früher Oliven zu Öl verarbeitet wurden.Die meisten davon sind längst stillgelegt, aber viele Agriturismi – wie eben auch Giampaolo – nutzen noch die alten Gebäude, und der Name ist geblieben. „I Gumbo“, was im ersten Moment wie ein karibischer Tanz anhört, heißt wörtlich: „die Mühlen“ und ist eine Hommage an die Geschichte und das Handwerk dieser Region. |
Spaziergang durch Terra
- Spaziergang durch Dolceaqua
- Typische ligurische Bauweise
Die Stelle, an der die Via San Biagio die Via Doria kreuzt und dann in die Treppen der schmalen Vicolo Cassini übergeht, kennt vermutlich jeder, der schon einmal in Dolceacqua war. Diese Stelle zählt – neben der Ponte Vecchio und dem Castello dei Doria – wohl zu den bekanntesten Motiven des Ortes. Die enge, mittelalterliche Treppen-Gasse, die gemauerten Rundbögen, welche die gegenüberliegenden Gebäude der Gasse miteinander verbinden, und die scheinbar endlosen Treppen sind typisch für die ligurische Bauweise.
Das hat mehrere praktische und historische Gründe:
- Enge Gassen machten es Angreifern schwer, schnell vorzurücken oder mit vielen Kriegern gleichzeitig anzugreifen.
- Die Häuser werfen gegenseitig Schatten aufeinander, sodass die Straßen auch im Hochsommer relativ kühl bleiben.
- Zwischen Berg und Fluss war nicht viel Platz, so baute man eben in die Höhe
Ich hab mir schon oft vorgenommen, endlich mal die Stufen bis zur Via Castello hoch zu gehen und sie zu zählen – so richtig mit Anlauf und Ehrgeiz, wie es sich für einen Roadtrip-Chronisten gehört, aber heute ist wieder nicht der Tag dazu. Zu heiß, zu steil, zu faul. Vielleicht beim nächsten Trip nach Ligurien – vielleicht …
- Schmale Gassen, dicke Gemäuer
- Die enge Bauweise liefert viel Schatten.
Was es mit den chinesischen Flaggen am unteren Ende der Vicolo Cassini auf sich hat, konnte ich bisher nicht herausfinden, ebenso nicht, warum in der Via Doria seit Jahren unzählige Plakate hängen, die auf Vorträge über ferne Länder hinweisen. Ich hab das Fremdenverkehrsamt in Dolceacqua zwar angeschrieben, aber – auch einen Monat nach der Anfrage – keine Antwort.
Über die Via Doria kommen wir auf die Piazza Padre G. Mauro …
- Dunkel und mystisch
- Es wird wieder heller.
… und dann über die Via Monsignore Laura nordwärts am Fluss entlang zu dem Wahrzeichen Dolceacqua schlechthin, zur Ponte Vecchio. Da ist sie nun: Filigran und kühn über die Nervia gespannt, mit dem Castello dei Doria wie ein Wächter auf dem Hügel dahinter.
Ponte Vecchio
Kein Wunder, dass Monet die Brücke einst auf Leinwand malte (81 x 65 cm groß in Öl). Was sollte er anderes auch tun? Digitalkamera – wie ich – hatte er 1884 schließlich nicht. Heute gehört Monets Bild übrigens dem Clark Art Institute in Williamstown, Massachusetts.
- Die Ponte Vecchio (= alte Brücke)
- Sie scheinen die Touristen nicht zu stören.
Seitdem wird Monet in Dolceacqua mordsmäßig gehypt. Dabei gehört das Bild – meiner Meinung nach – sicher nicht zu seinen besten. Immerhin aber ist es aber stark genug, um auch noch 140 Jahre später Touristenströme in das kleine ligurischen Dorf zu locken. Schließlich gilt auch hier: Mit Monet macht man Moneten.
Terrakotta und Tierschutz
Am Nordende der Bücke – ich hab die kleine Kapelle San Filippo fast übersehen – kommen wir zum Souvenir-Laden „Bricci e Cocci“, wo es u.a. Terrakottafiguren gibt.
Vorm Laden gruschtelt Susanne drei Göckele (Gugeler, haha), einen Fisch und einen Löwen (passende Sternzeichen) aus einer Kiste. Die Figuren will sie beim Treffen anlässlich ihres Geburtstags an ihre Gäste verteilen. Mit den Figuren in der Hand geht sie in den Laden, ich hinterher.
Als die Ladenbesitzerin erkennt, dass wir aus Deutschland kommen, holt sie ihre ganzen Deutschkenntnisse heraus, die offenbar jeder Souvenirverkäufer unbedingt beherrschen muss. Da fallen dann Worte wie „preiswert“, Qualität“, „Handarbeit“, „Garantie“ oder „Rückgaberecht – und bei Terrakotta-Artikeln natürlich ganz wichtig – „winterhart“ und „glasurversiegelt“.
Während die Verkäuferin die Terrakotta-Figuren in Luftpolsterfolie einwickelt, erzählt sie von ihrer Hündin – ich glaube, Stella heißt sie. „Stella ist ein Straßenhündin aus Kalabrien. Stella ist noch sehr sensibel. Aber ich habe sie gerettet. Ich sage Ihnen, Die Zustände in Süditalien … Tierschutz ist dort 50 Jahre zurück. Stella hat viel durchgemacht. aber ich habe ihr ein gutes Zuhause gegeben.“
Neben Stella hat sie noch einen Hund und sieben Katzen aufgenommen.
Ich krieg die Motten. Ist die bald fertig mit Einpacken? Die letzte Figur, der Löwe, ist verpackt und zu den anderen in die Papiertüte gestopft. „Cinque cifre? Dieci Juro, zehn Euro“. Das ist wirklich preisgünstig. Susanne zahlt und wir gehen raus Richtung Via Roma, mal sehen, ob wir irgendwo was zu essen bekommen. So was wie gestern in Cervo gibt es hier aber sicher nicht. Alles hier ist ganz schön teuer – wohl mit Monet–Touristenzuschlag. In der „Gelateria Monet“ gehen die Preise dann einigermaßen.
Gelateria Monet
Wir essen Bruschetta. Susannes Bruschetta ist mit Thunfisch belegt, ich entscheide mich für ein „Bruschetta Monet“. Belegt ist das mit „Bresaola“, einem leicht gesalzenem, gepfefferten und luftgetrockneten Rindfleisch. Auch wenn „Bresaola“ was ganz Besonders sein soll, mir hat es überhaupt nicht geschmeckt; Trocken, blechern, seltsam.
- Bruschetta mit Thunfisch
- Bruschetta in der Monet-Version
Aber wie heißt’s bei uns in Schwaben so schön? „Lieber da Maga verrenkt, als em Wirt was g’schenkt!“ Und wenn das schon so teuer ist, dann wird’s auch gegessen. Dazu trinken wir Cola und Spremuta. Ich nehm‘ zum Naschtisch noch ein Eis. Relativ lieblos angerichtet in einer Waffel-Muschel. Trotzdem legen wir für alles zusammen 30,50 Monet(en) hin.
- Erdbeereis
- Turm von Sant’Antonio Abate
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