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Freitag, 27. Juni 2025



Hanbury-Gärten – Teil 2

Den blauen Pfeilen nach in Serpentinen nach oben


Der mit den blauen Pfeilen markierte Fußweg über den Serpentinenweg zum Haupteingang hoch überbrückt zwar auch 100 Höhenmeter, ist mit 1,5 Kilometer aber deutlich länger als der 460 Meter lange Weg die Treppe runter. 7 % Steigung hört sich dann auch gleich ganz anders an als 22 %. Dabei ist es mir persönlich egal, ob rauf oder runter. Außerdem war die Stufenhöhe alles andere als bequem zu gehen.

Zwischen Pinien und Afrikanische Schmucklilien


Der Weg geht zunächst an unbekannten Büschen vorbei und dann durch einen Pinienwald Richtung venezianischer Brunnen. Hier im Pinienwald ist es angenehm schattig.

An der Ostküste der Capo-Mortola-Halbinsel wachsen unheimlich viele Afrikanische Schmucklilien.

Die „Afrikaner“ sind – im Kontrast zum satten Grün der Landschaft – ein echter Hingucker. Wir können kaum glauben, wie viel Schönheit hier auf so engem Raum zusammenkommt. Egal, wo wir gehen, nur noch blau, blau, blau. Jetzt wissen wir auch, warum der Weg hoch mit blauen Pfeilen gekennzeichnet ist.

Es gibt aber auch andere „Afrikaner“ hier: Karroo-Akazien zum Beispiel. Diese Akazienart stammt, wie der Name sagt, aus der Karroo-Region, einem Halbwüsten- und Dornbuschgebiet zwischen Kapstadt und Durban in Südafrika.

Oryxantilopen und Springböcke knabbern gern an den Blättern, anderen Antilopen, wie Kudus dienen sie als Nahrungsquelle. Viele Insekten, darunter Ameisen, leben oft in Symbiose mit den Akazien: Die Ameisen nutzen die Dornen als Schutz und helfen im Gegenzug, die Pflanze vor Fressfeinden zu verteidigen.

Durch Pergolen zum Venezianischen Brunnen


Durch Pergolen geht es weiter hinauf bis zur Backsteinpergola. Dort gibt es ein hübsches rundes Marmorbassin mit gotisch-venezianischen Ornamenten, weswegen das Becken auch „Venezianischer Brunnen“ genannt wird. Er stammt aus dem 14. Jahrhundert, wer sein Erbauer ist, ist nicht bekannt.

Hoch und immer höher


Dann heißt es – auch am Serpentinenweg – Treppen steigen …

… an karibischen Kiefern vorbei, die man vor allem an deren Borke erkennt. Diese ist rötlich-braun bis orange-braun, bei älteren Bäumen dunkelbraun bis schwarzgrau. Die Borke ist stark längsrissig, grob schuppig und bildet oft dicke, abstehende Platten. Zudem zeigen sich häufig Harztränen oder Harzblasen, da diese Art sehr viel davon hat.

Weiter oben säumen etliche Blühpflanzen den Weg, Schmucklilien links, Chinesische Klettertrompeten rechts, während direkt vor uns Nolinas den Weg versperren. Nolinas sind eng mit unserem Spargel verwandt.

Das Wichtigste nicht vergessen: Uns!


Wie unschwer zu erkennen ist, gehören Acacia – das stand auf dem Schild – zu den Hülsenfrüchtlern – wie Bohnen. In Australien sind sie oft unter dem Namen Wattle bekannt (bei uns wird z. B. Acacia dealbata, also mit dem Zusatz dealbata, auch Silberakazie genannt).

Jetzt haben wir so viele Pflanzen gesehen – hohe Palmen, Kakteen in allen Formen, Lavendel, Eukalyptus, sogar Agaven, die wie Skulpturen in der Sonne stehen. Und dabei hätten wir fast – während wir durch den Garten gewandert sind und den Blick immer auf alles andere gerichtet haben – wohl das Wichtigste vergessen – uns. Also schnell noch ein Selfie, bevor wir draußen sind. Ein Moment zwischen Oleander und Abendsonne, nur wir zwei, ein bisschen müde, aber mit diesem ganz eigenen Glanz im Gesicht, den nur Tage wie dieser hinterlassen.

Eine kurze Pause noch in der Pergola, 150 Meter unterhalb vom Haupteingangs, bevor wir endgültig rausgehen.

Was bleibt


Gegen fünf sind wir wieder oben am Haupteingang – zufrieden, leicht erschöpft und mit einem Kopf voller Eindrücke. Die Hanbury-Gärten haben uns überrascht, und zwar im besten Sinne. Schon der erste Blick durch das Eingangstor wirkte wie ein Versprechen, das die Gärten dann mit jedem Schritt eingelöst haben.

Die Wege schlängelten sich durch üppige Vegetation, vorbei an Palmen, uralten Zypressen und exotischen Pflanzen, die wir nur aus fernen Ländern kennen. Immer wieder öffnete sich der Blick aufs Meer – ein Anblick, der auch beim dritten oder vierten Mal noch tief beeindruckt. Es ist diese besondere Mischung aus wilder Natur und sorgfältig gestalteter Gartenkunst, welche die Hanbury-Gärten so einzigartig machen.

Wir haben zwei Stunden hier verbracht, mal irgendwo gesessen, mal einen der kleinen Pfade erkundet, immer wieder mit einem Gefühl von Ruhe und Staunen. Der Duft der mediterranen Kräuter, das sanfte Zirpen der Zikaden, die alten Mauern und Terrassen – alles zusammen wirkt zusammen wie eine kleine Weltreise.

Einziger Wermutstropfen: die Snack Bar. Nach so einem Spaziergang hätten wir uns über einen einfachen, guten Kaffee oder etwas Frisches wirklich gefreut. Leider war das Angebot enttäuschend – lieblos und überteuert. Das Personal schien auch eher unmotiviert als gastfreundlich.

Aber: Das schmälert den Gesamteindruck kaum. Wer sich für Gärten, Natur oder einfach schöne Orte interessiert, der sollte die Hanbury-Gärten unbedingt einplanen. Für uns war es ein echtes Highlight.

Von den Hanbury-Gärten nach Dolceacqua


Kurz nach fünf sind wir wieder raus. Okay, wir hätten noch bis sieben bleiben können in den Hanbury-Gärten, aber das wussten wir vorher nicht. Wenn in vier Stunden erst die Sonne untergeht, haben wir noch genug Zeit, jetzt nach Dolceacqua zu fahren.

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Kopfstein, Kaffee, große Klappe – die ligurische n Morgen-Lektion
Durchs Ligurische Hinterland bis Triora
Über den Pass nach Ventimiglia
Hanbury-Gärten – Teil 1
Hanbury Gärten – Teil 2
Dolceacqua
Fahrt zurück nach Cervo

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