Mainromantik mit kleinen Gegenströmungen
Zwischen Flussromantik und Realität
Da sitzen wir nun und hoffen auf eine entspannte Fahrt mit schöner Aussicht. Links von uns erhebt sich die mächtige Maintalbrücke Veitshöchheim. Da drunter müsste irgendwo unser „Katzabärle“ stehen.
- Es fängt so romantisch an.
- Die ICE-Maintalbrücke Veitshöchheim
Aber zu früh gefreut! Das Schicksal – oder vielleicht der Fährtle-Gott – hat offenbar doch noch eine kleine Überraschung für uns parat. Direkt neben uns fläzen sich nun ein paar „Pubertiere“ hin, die sich diebisch darüber freuen, dass sie mit einem selbst mitgebrachten Aschenbecher das Rauchverbot auf dem Schiff umgehen. Und natürlich sagt niemand was. Ich übrigens auch nicht – ich bin ja nicht lebensmüde. Schließlich möchten wir eine gemütliche Schifffahrt genießen und keinen Erziehungsauftrag übernehmen.
Zwischen Weinbergen und Werksruinen – Fluss der Gegensätze
Wir versuchen, die Rebellen einfach zu ignorieren – sie wollen ja nur, dass wir etwas sagen – und machen unsere Fotos.
- Weinhänge bei Veitshöchheim
- Rüdiger fotografiert.
Ich von den Weinbergen und dem markanten Muschelkalkhang oberhalb des Mains, Susanne von uns.
- Main in der Höhe von Zell
- Selfie
Noch vor Zell – den Kirchturm sehn wir nun schon seit einiger Zeit – kommt links die ehemalige Südzucker-Verladeanlage bei Erlabrunn/Zell. Die Anlage ist seit vielen Jahren außer Betrieb. Das Förderband und die Schiffsverladung wurden nach der Schließung des Werks nicht mehr genutzt. Heute ist das Bauwerk ein markanter Industrierest („Lost Place“), der zwar noch steht, aber keinerlei Funktion mehr erfüllt.
- Getreide-Verladestation in Zell am Main
- Schwimmende Bunkerstation
Auch eine schwimmende Bunkerstation – eine Tankstelle für Binnenschiffe – ist jetzt nicht unbedingt das, was ich mir unter einer romantischen Ausflugsfahrt auf dem Main vorgestellt habe. Dann kommt eine Lautsprecherdurchsage: „Rechts sehen Sie die katholische Pfarrkirche St. Laurentius Zell am Main. In der Kirche befindet sich unter anderem eine wertvolle Pietà von Tilman Riemenschneider aus der Zeit um 1520.“ Aha. Wieder etwas gelernt und auch gleich wieder vergessen.
- Pfarrkirche St. Laurentius Zell
- Raiffeisen Silo- und Lagergebäude
Nach etwas einer halben Stunde Fahrt kommt links das Raiffeisen Silo- und Lagergebäude. Es war eines der markantesten Industriebauwerke am Main und prägte jahrzehntelang die Silhouette des Neuen Hafens Würzburg. Doch „prägte“ steht in der Vergangenheit – und so reiht sich auch dieses Bauwerk ein in die Liste der Industrie-Ruinen, die vom Wandel der Hafenlandschaft erzählen. Fast zeitgleich kommen auf der rechten Seite – als starker Kontrast zur Industrie – die markanten Doppeltürme des Klosters Oberzell. Es soll – so die Erklärung – 1126 von Prämonstratensern (von denen habe ich noch nie was gehört) gegründet worden sein. Im 19. Jahrhundert haben es dann Franziskanerinnen übernommen. Heute wird es von den Oberzeller Franziskanerinnen genutzt und dient auch als Tagungs- und Gästehaus.
- Die markanten Doppeltürme des Klosters Oberzell
- Reichsnährstandssilos aus der NS-Zeit
Und links dann wieder Silos, Es sind die historischen Reichsnährstandssilos aus der Zeit des Nationalsozialismus. Nach Umbauten und Modernisierungen teilweise weiterhin als Getreidespeicher genutzt. Sie sind also kein reines Industriedenkmal. Der neuere Metallsilo rechts trägt die orangefarbene Aufschrift der Firma SLP (Schwäbische Landprodukte), die hier eine große Anlage zur Dinkel- und Getreideverarbeitung betreibt.
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