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Alles deutet auf Frust hin – aber wir haben Glück



Ja geht’s denn jetzt schon wieder los?


Kurz nach halb zwölf sind wir in Würzburg durch und schon fast am Ziel. Es wäre aber kein „Fährtle“, wenn uns – trotz sorgfältiger Planung – nicht auch heute wieder Steine in den Weg gelegt würden. In Veitshöchheim ist nämlich die Zufahrt zur Schiffsanlegestelle gesperrt. Klasse! Sofort fühlen wir uns an unser „Fährtle“ vor fünf Wochen nach Holland erinnert: Harderwijk und Anna Paulowna lassen grüßen. Auch dort ging kurz vor dem Ziel plötzlich gar nichts mehr. Das war damals echt totaler Käse. Und heute? Es scheint, als sollte das „Fährtle“ auch diesmal wieder Käse werden, oder warum heißt die gesperrte Straße ausgerechnet nach einem – diesmal französischen – Käse „Pont-l’Évêque-Allee“? Wenn das mal kein Wink des Schicksals ist.

Kurz und gut, es geht einfach nicht mehr weiter. Unter der mächtigen „Maintalbrücke Veitshöchheim“ der ICE-Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg – das ist genau gegenüber vom Rewe – stellen wir „Katzabärle“ auf einen geschotterten Parkplatz ab. Ein kurzer Blick auf das Parkschild sorgt allerdings für leichte Nervosität: „max. 2 to“. Zwei Tonnen – soweit alles klar. Aber bei der deutschen Schilderkunst weiß man ja nie ganz sicher, ob nicht doch zwei Stunden gemeint sind oder der Schilderpresser einfach einen Schreibfehler gemacht hat. Zwei Stunden wären für unsere geplante Schifffahrt nämlich ziemlich knapp bemessen – und ein Knöllchen als Reiseandenken wollen wir eigentlich nicht haben.

Wir laufen unter der Brücke die Allee mit dem französischen Käsenamen entlang und kommen nach etwa fünf Minuten zum Fluss. Da müsste die Schiffsanlegestelle dann irgendwo sein. Wir gehen weiter. Nach weiteren fünf Minuten – vorbei an Tiergarten- und Parkstraße – erreichen wir dann die Mainfrankensäle. Hier hat Söder – als Shrek, Marylin Monroe oder Elvis schon so manchen Spruch abgelassen. Ich sag nur: „The King is back“. Wir lassen keine Sprüche, sondern ganz was anderes ab, und das ganz unpolitisch. Zu unserem Erstaunen haben die Toiletten auf und kosten sogar noch nicht mal was.

Glück gehabt


Dann geht’s weiter, 200 Meter noch. Trotz der Widrigkeit mit der gesperrten Straße haben wir heute mal Glück: Wir erreichen die Anlegestelle so früh, dass wir sogar das 12:30-Uhr-Schiff noch erwischen. Damit gewinnen wir völlig ungeplant zwei zusätzliche Stunden in Würzburg – ein schöner Bonus, mit dem wir so nicht gerechnet hatten. Manchmal meint es der „Fährtles-Gott“ – auch wenn ich das oft nicht so sehe – eben doch gut mit uns!

MS Astoria


Jetzt kann der entspannte Teil unseres „Fährtle“ beginnen. Wir freuen uns auf eine ruhige Fahrt, auf  Landschaft, Städte, Burgen und Sehenswürdigkeiten entlang des Ufers. Vielleicht erfahren wir ja auch die eine oder andere interessante Geschichte zu den Orten, an denen wir vorbeikommen. Und vor allem freuen wir uns auf die besondere Atmosphäre: einfach dasitzen, den Main an uns vorbeiziehen lassen, Fotos machen und den Alltag hinter uns lassen. Nach dem ganzen Käse mit gesperrten Straßen und Umwegen haben wir uns diese entspannte Fahrt redlich verdient. Aber zu früh gefreut! Denn neben uns und den anderen Rentnern gibt es da noch drei oder vier Schulklassen mit etwa zwölfjährigen Schülerinnen und Schülern, die heute auf Ausflug sind. Dass es dabei lebhaft zugeht, ist völlig normal: Lachen, Erzählen und ein gewisser Geräuschpegel gehören zu einem solchen Tag einfach dazu. Aber die Lautstärke erreicht zeitweise eine Dimension, bei der selbst meine Ohren nach einer Auszeit verlangen.

Es scheint so, als ob wir tatsächlich wieder Glück haben. Die MS Astoria ist dermaßen riesig, dass sich die Klassen total verteilen, sodass wir – direkt hinterm Steuerhaus – am Sonnendeck unsere Ruhe haben.


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