Über Parkidylle und Plackerei
Montag, 27.4.2026
Ganz entspannt geht’s los
Unser Rundweg beginnt ganz entspannt am wasserlinsen-übersäten und dadurch leuchtend grünen Enten-Teich, wo Pommernenten gemächlich treiben und Europäische Sumpfschildkröten sich in der Sonne räkeln.
- Der Ententeich in Hundshaupten …
- … gefällt nicht nur dem Federvieh.
Die Pommernenten sind eine alte, robuste Hausentenrasse aus Norddeutschland, die für ihre Ruhe und Anpassungsfähigkeit bekannt ist.
- Team Quak …
- … auf Watscheltour
Die Europäische Sumpfschildkröte ist die einzige ursprünglich in Mitteleuropa heimische Schildkrötenart und nutzt sonnige Plätze am Ufer, um ihre Körpertemperatur zu regulieren.
- Gelassenheit mit Panzer
- Ich überwache die Lage.
Sowohl Enten als auch Schildkröten fühlen sich in naturnahen, ruhigen Gewässern besonders wohl und tragen zur lebendigen Atmosphäre des Teichs bei.
Jeder hat so seine Prämissen
Während ich auf einer Sitzbank meine beiden Kameras aus meinem Equipment-Trolley heraushole, die 600D mit dem 24-105-Universal-Objektiv und die 750D mit dem 100 bis 400er, dessen Funktion am Meerschweinchen-Gehege gleich mal ausprobiert wird, muss Susanne noch unbedingt nach links in den Artenschutz-Pavillon.
- Nur gucken, nicht anfassen
- Aufgabe gelöst
Als ehemalige Autorin einer Zeitungs-Kinderseite und heutige Betreiberin der Internet-Kinderseiten derkleinedelfin.de und Wutzels.de ist sie an Kinder-Mitmach-Sachen natürlich besonders interessiert. Finn, die Hauptfigur auf derkleinedelfin.de hat das dortige Zylinderpuzzle natürlich auch gleich ausprobieren müssen und die dort angebrachten einzelnen Segmente so lange verdreht, bis er schließlich alle Infos über den Feuersalamander zusammen hatte.
So, jetzt aber los. Westlich des Ententeichs vorbei geht es zunächst mal rund 200 Meter moderat auf einem asphaltierten Weg den Wald hoch.
- Hier beginnt der Waldweg
- Jetzt wird’s ernst – aber nur leicht
Dann kommt links das Stachelschweingehege, wo wir aber keine Tiere sehen. Die hätten uns jedoch sowieso weniger interessiert. Unser, vor allem aber Susannes Ziel, sind die Wölfe. Sie ist von diesen Tieren einfach fasziniert. Um dorthin zu kommen, müssen wir nach dem Stachelschweingehege, vor der Voliere für den Waldkauz links hoch. Zuvor „jage“ ich aber noch einen Kleiber, was mir aber nur mäßig gelingt.
- Einfach weiter. Jetzt mal eben
- Eben war er noch da
Wenn Rentner steil gehen
Dann eben nicht. Also, links hoch. Aber warte mal, was sollen denn die Schilder da? „Achtung, Steiler Weg, für Rollstühle nicht geeignet“ und „Boller- und Kinderwagen auf eigene Gefahr“.
Ist ja klar, das müssen die wohl machen, falls mal Amerikaner hier sind, die klagen doch gleich, wenn mal was nicht so hinhaut. Die müssen ja auch drauf hingewiesen werden, dass die Katze nicht in die Mikrowelle darf. Insofern wird jetzt eben auch in Deutschland alles beschildert, was irgendwie schiefgehen könnte. Fehlt nur noch ein Schild: „Achtung: Gehen kann müde machen“.
- Du willst da rauf? Na dann, viel Glück!
- Ich glaub, die Warnung war gerechtfertigt.
Also los geht’s Die ersten Meter sind noch so: „Ja, es geht halt a bissle bergauf, die übertreiben hier aber komplett.“ Dann wird es deutlich steiler, nach weiteren 50 Metern sehr steil, nach 75 Metern extrem steil und nach 100 Metern „granada-mäßig“ steil.
Das ist inzwischen kein Wanderweg mehr, das ist lebensbedrohlich. Meine Schritte werden schwer und mein Foto-Wägele, das ich dabei habe, weil ich die schweren Kameras nicht immer am Hals hängen haben will, ist hier keine Hilfe mehr, sondern ein sturer Begleiter mit einem eigenem Schwerkraft-Profil. Der Karren sträubt sich, als hätte es partout was gegen Höhe.
Ich spüre sein Gewicht nicht nur in meinen Händen, sondern im ganzen Körper und ganz besonders in meiner linken Schulter. Der linke Arm wird immer länger, und die Haltung angespannter und verkrampfter. Ich greife fester zu, weil ich merke, dass ich sonst den Kontakt verliere. Jeder Schritt nach vorne ist gleichzeitig ein kleines Ziehen nach hinten, ein ständiges Ausgleichen zwischen Vorwärtsgehen und Zurückrutschen. Und genau das macht es so zäh: Ich gehe ja nicht alleine den Berg hoch, ich habe ein Gewicht hinter mir, das mich bei jedem Meter daran erinnert, dass „einfach gehen“ hier nicht möglich ist.
Der Weg wird steiler und steiler und die Laune schwächer und schwächer. „Des isch koi Weg me, des isch a Schnapsidee. Ganz ehrlich. Wer hod des eigentlich vorgschlaga, des mit de Wölf? I war’s net“. In den Oberschenkeln spüre ich jetzt dieses brennende Ziehen. Susanne meint: „Wir können ja auch umdrehen!“ Das bringt das Fass zum Überlaufen. Meine Aggression richtet sich jetzt gegen alles: „Noi! Jetz senn mr scho mol do, dann geh’n wir au weiter!“
„Do vorna kommt a Kurv, do wird’s flacher.“ Aber Pustekuchen, es geht grad so weiter. Aber beide wissen wir: Umkehren ist keine Option. Runter ist sicher auch anstrengend. Vielleicht sogar noch anstrengender. Also gehen wir einfach weiter. Nicht schnell, nicht elegant aber konsequent. So haben wir das gelernt. Was man beginnt, muss man auch zu Ende bringen.
Ich keuch wie das Halb-Achte-Zügle. Trotzdem gehe ich weiter, weil Stehenbleiben sich auch nicht wirklich besser anfühlt.
Nach endlosen 300 Metern – im mittleren Drittel mit 22% Steigung – erreichen wir in Höhe der Walschafe ein Bänkle, aber das steht prall in der Sonne. 30 Meter weiter ist dann noch eins. Da plotze ich hin. „I muss erst mal was trinken!“ Aber Susanne bekommt den Verschluss der PET-Flasche nicht aufgedreht.
- Wer hat bloß diese Schnapidee gehabt?
- D‘ Flasch got net uff.
Sie kommt her, weil Aufstehen für mich gerade keine realistische Option mehr ist. Ich sitze da, irgendwo zwischen „Pause“ und „Endstation Waden“. Aber immerhin: Der rechte Arm funktioniert noch halbwegs. PET-Flaschen aufmachen geht noch.
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