Homepage / Suche / Gästebuch / Impressum

Vom Rentier bis zum Parkausgang


Montag, 27.4.2026

Rentiergehege und „Schwedenhaus“


Etwa einen Viertelkilometer nach dem Abzweig erreichen wir ein Haus im typisch rot-skandinavischen Holzhausstil. Es hat keine besondere Funktion, wurde aber offenbar bewusst so gestaltet, weil es gut zu den Rentieren passt, deren Gehege sich hier befindet. Im kleinen Anbau rechts vom Haus ist ein Info-Center untergebracht.

Eine dortige Infotafel mit der etwas irreführenden Überschrift „Augenfarbe wechsel dich“ behauptet, Rentiere könnten sich an die Lichtverhältnisse – in Skandinavien sind die Sommer sehr hell und die Winter sehr dunkel – anpassen, indem sich ihre „Augenfarbe“ von goldgelb zu dunkelblau verändern.

Diese Darstellung ist aus meiner Sicht zwar anschaulich, aber wissenschaftlich stark verkürzt und dadurch auch sehr missverständlich. Die Formulierung, die Augen würden im Winter ihre Farbe ändern, um besser im Dunkeln sehen zu können, ist also nicht korrekt. Es ist also keineswegs so, dass die Schlittenzieher des Nikolaus sich verschieden farbige Kontaktlinsen einsetzen. Die Farbe der Iris bleibt nämlich unverändert.

Tatsächlich steckt ein anderer Mechanismus dahinter: Rentiere besitzen – ähnlich wie Hauskatzen – hinter der Netzhaut nämlich das sogenannte Tapetum lucidum, eine reflektierende Schicht, die einfallendes Licht zurück wirft, sodass dieses die Netzhaut ein zweites Mal durchläuft. Eine Art „Doppelbelichtung“ also. Auf diese Weise wird die visuelle Wahrnehmung bei schlechten Lichtverhältnissen deutlich verbessert. Bei Katzen wurden z.B. 44% Verbesserung gemessen.

Wissenschaftlich korrekter wäre daher folgender Hinweis: Die Augenfarbe der Rentiere bleibt das ganze Jahr über gleich; lediglich die Lichtreflexion im Auge verändert sich je nach Jahreszeit. Dadurch können sie sowohl im hellen Sommer als auch im dunklen Winter ausreichend gut sehen.

Ausklang


Es ist schon fast drei – Zeit für einen Kaffee. Vielleicht gibt es im Restaurant ja auch Kuchen. Zum Abschluss wählen wir den 2022 angelegten barrierefreien Pfad, der sich mit nur geringem Gefälle – und damit auch gut für Rollstuhlfahrende geeignet – vom Rentiergehege in Richtung Restaurant hinunterschlängelt. Dieser Abschnitt ist 911 Meter lang, während die direkte Strecke lediglich 410 Meter misst.

Nach unserer „Wildpark-Schinderei“ gönnen wir uns im Restaurant schließlich Erdbeerkuchen und Cappuccino. Das kostet zwar auch 14 Euro, aber die Kuchenstücke sind wirklich großzügig bemessen.

Endgültiger Abschluss


Mit vollem Bauch fährt sich‘s nicht gut, also machen wir noch einen kleinen Verdauungsspaziergang entlang des unteren Gelben Wegs – etwa 300 Meter weit, fast völlig eben.

Wir freunden uns mit Thüringer Waldziegen an, mit Minischweinen, mit Hängebauchschweinen …


< zurück umblättern >
Weil Entzug gefährlich ist Ohne Mampf kein Kampf  Über Parkidylle und Plackerei Von Wolle und Wölfen Vom Rentier bis zum Parkausgang Von Wildpark ins Waldhotel
Handy vs. Profi-Technik
Laut, lauschend und langbeinig Löwen, Leichtsinn, Lebensgefahr Bio, Bäume, Bauchgefühl Vom Aquarium zum Tropenhaus Manatis, Dolphins, Home
Mehrtägige Fahrten in Deutschland
Reiseberichte aus Deutschland

Einen Kommentar schreiben