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Der Anhalter Bahnhof in Spur N-14

Die Hochbahnbrücke – endlich ein Durchbruch?


Mit Bahnhof, Fernbahnbrücke, Möckernstraße und Tempelhofer Ufer bin ich inzwischen ziemlich zufrieden. Nur die große Hochbahnbrücke über den Landwehrkanal treibt mich weiterhin in den Wahnsinn. Mehr als zwei Jahre habe ich mich damit nicht beschäftigt. Dann kommt in den Weihnachtsferien plötzlich wieder die Erkenntnis:

Vielleicht war nicht die Brücke das Problem, sondern mein Lösungsweg. Die ursprünglich gelaserte Kasten-Gitterbrücke ist zu kurz. Außerdem müssen die Winkel zwischen Kanal, Fernbahn und Hochbahn anders gewählt werden. Eine erneute Laserkonstruktion kann ich mir finanziell nicht leisten.

Also kommt das zum Einsatz, was im Modellbau Kitbashing heißt: Ich nehme eine kommerzielle Vollmer-Kastenbrücke und baue sie so um, dass sie zu meinem Vorbild und meinen Platzverhältnissen passt. Die ersten Stellproben sehen tatsächlich vielversprechend aus. Endlich kollidiert die Brücke weder mit dem Kanal noch mit den Straßen oder der darunterliegenden Fernbahn. Ich beginne deshalb, die gesamte 1,25 Meter lange Hochbahntrasse Stück für Stück aufzubauen. Und dann kommt der Schock.

Ein Grad zu viel


Die Brückenpfeiler stehen plötzlich mitten auf der Straße und mitten im Kanal! Ich habe mich tatsächlich beim Winkel vertan. Und bei einer 1,25 Meter langen Brücke haben schon ein oder zwei Grad Abweichung dramatische Folgen.

Die Mathematik liefert die Erklärung: Schon bei einem Grad entsteht bei dieser Länge ein seitlicher Versatz von rund 22 mm – im Vorbild also mehrere Meter. Außerdem entdecke ich noch einen weiteren Fehler: Meine Kastenbrücke ist symmetrisch, das Original aber nicht. Eine Seite besitzt sieben, die andere acht Felder. Also: Abreißen und neu machen.

Versuch Nummer drei


Die Kasten-Gitterbrücke wird asymmetrisch verlängert. Danach konstruiere ich die s-förmige Hochbahntrasse ein drittes Mal. Diesmal arbeite ich mit einem Hilfsbrett, auf dem die gesamte Brücke während des Baus fixiert bleibt. So kann ich sie beliebig oft einsetzen und herausnehmen, ohne dass sich die Konstruktion verzieht.

Auch beim Lichtraumprofil gehe ich bewusst an die Grenze. Nach zahlreichen Versuchen reduziere ich die ursprünglich geplanten 80 mm Breite auf 68 mm. Mehr wäre optisch einfach nicht vertretbar. Mit dem ETA 177/180 Wittfeld funktioniert es. Auch die preußischen Abteilwagen kommen aneinander vorbei. Millimeter für Millimeter wird die Position der Brücke überprüft. Dann ist sie endlich fertig.

Die Hochbahnbrücke steht!


Nach drei Anläufen steht die gesamte Hochbahnbrücke zwischen Halleschem Ufer und Landwehrkanal. Sie sieht großartig aus. Niemand würde noch erkennen, dass sie aus mehreren Vollmer-Brücken und einer Unzahl weißer Polystyrolprofile zusammengesetzt ist. Ich setze einen ETA 177/178 auf das Gleis und drehe langsam den Trafo auf. Der Triebwagen fährt los. Das nördliche Widerlager wird problemlos passiert. Die Kasten-Gitterbrücke kommt näher. Das Lichtraumprofil passt. Und dann Schock! Der Triebwagen bleibt an der südlichen Ecke der Brücke hängen. Ich kann es nicht glauben. Ich habe doch alles überprüft!

Murphy hat schon wieder zugeschlagen


Dann erkenne ich den eigentlichen Fehler: Das Original besitzt eine asymmetrische Verlängerung der Brücke. Die historischen Bilder und Gemälde, die ich immer wieder betrachtet habe, zeigen die Brücke aber aus östlicher Richtung. Ich schaue auf meiner Anlage von Westen.

Dadurch liegt die Verlängerung bei mir genau auf der falschen Seite – am inneren Kurvenradius. Und dort reicht der Platz wegen der engen Radien und des bewusst eingeschränkten Lichtraumprofils einfach nicht. Der dritte Versuch droht damit dasselbe Schicksal zu erleiden wie die beiden vorherigen: Abriss. Bevor es soweit kommt, nehme ich die Brücke aber erst mal von der Anlage und lege sie weit, weit weg, wo sie keiner mehr sieht.

Ich habe jetzt erst mal genug von der Modellbahn. Nach all den Rückschlägen fehlt mir schlicht die Lust. Ich mach jetzt erst mal Sommerferien.

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