Der Anhalter Bahnhof in Spur N-15
Ein neuer Anfang
Seit 13 Jahren arbeite ich nun schon als Lehrer an einer Privatschule – sechs Tage die Woche. Eigentlich bleibt nur der Sonntag frei. Doch 2017 ändert sich mein Stundenplan. Bei gleicher Stundenzahl wird aus der Sechs- plötzlich eine Vier-Tage-Woche. Dienstag und Freitag sind nun frei. Damit ist die Ausrede „keine Zeit“ erledigt. Mindestens einer der freien Tage wird ab sofort zum Eisenbahn-Tag. Und es macht unglaublich viel Spaß, wenn man weiß, dass man an diesem Tag ohne schlechtes Gewissen stundenlang an der Anlage bauen darf.
Eine Lösung für die Hochbahnbrücke habe ich weiterhin nicht. Also widme ich mich erst einmal anderen Baustellen, meinem Bahnhofsgebäude zum Beispiel. Daran habe ich auch schon jahrelang nichts mehr gemacht. Jetzt kommt der Winter. Das Gebäude braucht dringend ein Dach.
Das Tonnendach
Die Dachkonstruktion soll freitragend und abnehmbar werden. Natürlich ist auch das nicht einfach. Ich muss zunächst berechnen, welche Länge die gewölbte Dachfläche überhaupt haben muss. Das lichte Innenmaß des Bahnhofs beträgt im Modell 380 mm, die Dachhöhe liegt 93 mm über den Seitenwänden. Mit der entsprechenden Kreisbogengeometrie komme ich zunächst auf eine Dachbreite von ungefähr 447 mm.
Ganz traue ich der Rechnung allerdings nicht. Also mache ich das, was sich bei meiner Modellbahn inzwischen bewährt hat: Ich baue einen Teststreifen. 30 mm breit, zunächst 460 mm lang. Einsetzen, messen, kürzen, wieder einsetzen, wieder messen …
- Das tonnenförmige Dach wird eingepasst
- Mein Anhalter Bahnhof im Rohbau
Millimeter für Millimeter nähere ich mich der richtigen Form. Was mit dem Teststreifen funktioniert, lässt sich schließlich auch auf das 600 mm lange eigentliche Dach übertragen. Und damit bekommt mein Anhalter Bahnhof endlich das, was ihm seit Jahren fehlt: ein Dach.
Das gesamte Bahnhofsgebäude
Wie lange baue ich nun schon am „Anhalter Bahnhof“? 30 Jahre? 35? Egal. Nachdem das Bahnhofsgebäude endlich auch sein Tonnendach bekommen hat, habe ich zum ersten Mal seit langer Zeit wieder das Gefühl: Es geht voran. Was dabei zählt, sind nicht die vergangenen Jahrzehnte, sondern das Ergebnis. Mein Bahnhof ist etwas Eigenes. Genau diesen Anhalter Bahnhof gibt es auf der ganzen Welt kein zweites Mal. Natürlich sieht man Fehler. Manche Teile sind etwas schief, vieles besteht lediglich aus Sperrholz und Farbe. Aber wenn ich vor der Anlage sitze und das Ganze als das betrachte, was es sein soll – eine Illusion –, dann funktioniert es. Und genau darum geht es mir.

Bahnhofs-Süd-Portal und Bahnhofs-Vorfeld
Das Bahnhofsgebäude mit seinem Gleisvorfeld macht inzwischen richtig etwas her. Selbst ohne die noch fehlende Hochbahnbrücke bin ich damit zufrieden. Und so denke ich mir: Also los – vierter Versuch!
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