Grachtenrundfahrt in Amsterdam – Teil 1
Stationsplein, Open Havenfront und Oosterdok
Vom Bruna aus geht’s dann durch den ganzen Bahnhof – jetzt aber quer – hindurch auf die Backsteinseite des Bahnhofs und dann über die Stationspleinbrug Richtung historische Innenstadt – dorthin, wo Amsterdam tatsächlich mit seinen Grachten beginnt. Hier ist rechts nach der Brücke auch gleich ein Grachten-Rundfahrt-Anbieter: LOVERS Canal Cruises:
- Auf der anderen Seite des Bahnhofs
- Hier kann man eine Grachtenfahrt buchen.
Wir gehen hin und haben – heute scheint wirklich unser Tag zu sein – schon wieder Glück. Um 14:45 Uhr startet eine einstündige Audioguide Canal Cruise Tour. Wir gehen gleich ganz durch das Glasdachboot durch zum offenen Heck. Dort bekommt man zwar keine Erklärungen (Audioguide gibt’s nur innen), dafür hat man aber zum Fotografieren auch keine Glasfester vor der Linse. Das weiß ich noch von 2013. Damals habe ich trotz des Glasdachs nur relativ wenig gesehen.
Pünktlich um 14:45 Uhr werden die Motoren angeworfen, die Propeller beginnen zu arbeiten. Das zuvor glatte Wasser hinter dem Boot reißt auf, es kräuselt sich, wird unruhig – dann schäumt es richtig auf, weiß und lebendig – die Fahrt geht los. Susanne macht ein Erinnerungs-Selfie.
- Eine Grachtenfahrt, die ist lustig …
- Aufwirbelndes Wasser
Wir sind noch nicht richtig losgefahren, da sieht man vom Boot aus schon die lange Backsteinfassade des Amsterdam Central Bahnhofs, die von hier unten wie die Fassade eines Palastes wirkt: symmetrisch aufgebaut, mit Türmen, Ornamenten und einer reich verzierten Mitte. Ich als Modellbahner, der seit 40 Jahren den Anhalter Bahnhof baut, bin natürlich fasziniert. Das muss schon eine geile Zeit gewesen sein, damals Ende des 19. Jahrhunderts. 1880, acht Jahre, nachdem Phileas Fogg (fiktiv) in „80 Tagen um die Welt“ reiste, wurde in Berlin Franz Schwechtens „Tor nach Süd- und Südosteuropa“, der Anhalter Bahnhof eröffnet und neun Jahre später (alles drei innerhalb einer Generation!) präsentiert hier in Amsterdam Pierre Cuyper das „Stadttor zur Wasserfront“.
- Bahnhof vom Wasser aus
- Basilika des Heiligen Nikolaus
Nur wenige Meter hinterm Bahnhof liegt rechts die Basilika des Heiligen Nikolaus (offiziell: Basiliek van de Heilige Nicolaas): zwei schlanke Türme, eine helle, neo-barocke Fassade und eine zentrale Kuppel, die sich zwischen moderner Stadtbebauung und Bahninfrastruktur erstaunlich elegant behauptet.
- Sint-Nicolaaskerk
- Sea Palace
Nachdem wir unter der Kamperbrug durch und in der Open Havenfront sind, sieht man die Kirche nochmal von hinten – die Kuppel jetzt viel deutlicher – und links vor uns dann das chinesische Restaurant Sea Palace, Europas größtes schwimmende Restaurant mit drei Etagen und rund 600 Sitzplätzen. Wenn man jetzt denkt, nur was für Protze, muss ich euch berichtigen. Die Gäste sind hauptsächlich Touristen, Familien oder Geschäftsleute. Mit 15-30 € pro Gericht ist das Preisniveau also noch normal. Sea Palace ist also auf keinen Fall ein Luxusrestaurant im Michelin-Sterne-Himmel. Kurz hinter dem Sea Palace fällt links eine riesige Glasfassade ins Auge, sie gehört zur Openbare Bibliotheek Amsterdam (OBA). Von außen wirkt das Gebäude eher wie ein großer Kultur- oder Bürokomplex als wie eine Bibliothek. Gleich dahinter liegt das Conservatorium van Amsterdam am Oosterdokskade. Hier studieren Leute, die professionelle Musiker werden wollen. Geradeaus vor uns ragt das von Renzo Piano entworfene NEMO Science Museum aus dem Wasser, das mit seiner außergewöhnlichen Form und der kupferoxidgrünen Farbe irgendwie aussieht wie der Bug eines Schiffes. Das Museum ist das größte Wissenschaftsmuseum der Niederlande – vielleicht vergleichbar mit dem Deutschen Museum in München. Durch die Kikkerbilssluis sind wir jetzt in die Oudeschans gefahren. Hinter uns liegt noch immer die Basiliek van de Heilige Nicolaas, und neben uns im Kanal ein klassisches niederländisches Plattboden-Binnenschiff, das wohl später zum Wohn- oder Freizeitschiff umgebaut wurde.
- Bibliothek
- NEMO Science Museum
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