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Der Anhalter Bahnhof in Spur N-8

Der Glaser kommt


Als Nächstes mussten die Fenster hinein. Die Fenster wurden auf Folie gedruckt und laminiert. Das klingt einfach, war es aber nicht. Beim Drucken verzog sich die Folie minimal, sodass die Fenster anschließend nicht mehr exakt in die Rahmen passten. Also musste ich die Zeichnungen am Computer so verändern, dass sie nach dem Ausdruck genau passten. Irgendwann war auch das geschafft.

Natürlich sind bei genauer Betrachtung Fehler zu erkennen. Manche Teile sitzen etwas schief, manches ist nicht perfekt. Aber wenn ich vor der Anlage sitze und das gesamte Gebäude betrachte, verschwinden diese kleinen Fehler. Ich wollte keine perfekte Architekturminiatur bauen. Ich wollte eine Illusion des Anhalter Bahnhofs schaffen. Und die ist für mich gelungen.

Die Eisenbahn muss warten


Das Bahnhofsgebäude war inzwischen weitgehend gediehen, aber ansonsten ging es nur langsam weiter. Meine Prioritäten hatten sich verändert. Nach einer enttäuschenden Kenia-/Tansania-Reise wollte ich unbedingt noch einmal in die Serengeti – diesmal mit Schlafsack und Zelt. Auf diesen Lebenstraum wollte ich alles ausrichten. Die Eisenbahn konnte warten. Außerdem merkte ich, dass mir das Basteln im kalten Keller körperlich und psychisch nicht mehr besonders guttat.

Eine preußische P8 in Augsburg


Ganz von der Eisenbahn los kam ich natürlich trotzdem nicht. 2009 kam eine originale preußische P8 nach Augsburg. Für mich war das etwas Besonderes, denn drei Exemplare dieser Lokomotivfamilie sollten später auch auf meiner Anlage fahren. Die Lok „Posen 2455“ gehörte zum „Zug der Erinnerung“, einer Ausstellung, die an die Deportation von Kindern während der nationalsozialistischen Herrschaft erinnerte.

Das brachte mich zunächst ins Grübeln: Hatte ausgerechnet „meine“ P8 an solchen Deportationen mitgewirkt? Eine Recherche brachte schließlich Entwarnung. Die Lok war 1919 bei den Linke-Hofmann-Werken in Breslau gebaut und bereits 1926 an die rumänische Staatsbahn verkauft worden. Während des Zweiten Weltkriegs war sie also gar nicht in Deutschland. Manchmal steckt hinter einem Modellbahnfahrzeug eben doch eine Geschichte, die weit über die Eisenbahn hinausgeht.

Und dann kam die Serengeti


Im August 2009 reiste ich tatsächlich nach Afrika. Am 20. August stand ich nach einer anstrengenden Wanderung am Egare-Sero-Wasserfall am Rand des Großen Grabenbruchs. Das Wasser war weich, leicht sodahaltig und unglaublich erfrischend. Irgendetwas veränderte sich an diesem Tag in mir.

Als ich später zu meinem Begleiter zurückkam, fragte der mich sogar scherzhaft: „Sag mal, gab’s da hinten Drogen?“ Nein, die gab es nicht. Aber ich fühlte mich plötzlich unglaublich frei und hatte das Gefühl, alles erreichen zu können. Die Serengeti und Sansibar wurden für mich zu einem weiteren großen Lebenstraum.

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