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Andalusien – 22. August 2018

Castillo de Castellar de la Frontera


Die aus dem 13. Jahrhundert stammende maurische Burg El Castillo liegt auf einem Pass 5 km nordwestlich des Dorfes Castellar de la Frontera, das selbst an der Fernstraße A405 zwischen Algeciras nach Ronda liegt. Da es oben auf der Passhöhe, also knapp unterhalb der Burg, für uns keinerlei Parkmöglichkeiten gibt (die vorhandenen sind alle voll) fahren wir wieder 500 m auf der CA-P 5131 zurück und parken neben dem Häuschen bei der Bushaltestelle.

Zu Fuß zu gehen hat dann auch was Gutes: So sehe ich erst jetzt, was sich da hinten auftut. Blickt man nämlich Richtung Süden, erkennt man in ca. 20 bis 25 km Entfernung ganz deutlich den Felsen von Gibraltar.

Direkt unterhalb der Burg gibt es einen Souvenirshop, wo man auch etwas zu trinken bekommt. Das bauchen wir jetzt dringend. Hernach gehen wir die Burg besichtigen. Die Außenanlagen und die zum Teil bewohnte Medina kann man kostenlos besichtigen.

Nun zur Burg selbst: Als Mitte des letzten Jahrhunderts der Fluss Guadaranque zu einem Stausee angestaut wurde, mussten die ehemaligen Bewohner Castellar de Fronteras weichen. Felder, Äcker, Wiesen – alles mussten sie aufgeben – wegen des Stausees. Und in genau dieser Zeit plante Ruíz Mateos, der Chef der spanischen Holding RUMASA, in der denkmalgeschützten Burg eine Nobelherberge zu bauen, in Form eines sogenannten stattlichen Paradors. Doch daraus wurde nichts, denn nach wie vor war eben nicht der Staat der Besitzer der Burg, sondern viel mehr die ehemaligen Bewohnern der Medina (des mittelalterlichen Festungsdorfes) und die ließen sich ihr Zuhause nicht so einfach wegnehmen.

Dennoch zogen die Einwohner weg und überließen das Gemäuer irgendwelchen „Künstlern“, „Hippies“, „Aussteigern“ und „Zivilisationsmüden“. Die „neuen Bewohner“ machten aus dem Festungsdorf eine Künstlerkolonie, die mich mit ihren engen, steilen und blumenumrankten Pflastersteingassen irgendwie an das ligurische Cervo erinnern.

 

Auch wenn es heute das von Ruíz Mateos avisierte stattliche Parador im Dorf nicht gibt, gibt es hier sehr wohl aber ein Hotel. Dieses wird von der Provinz Cádiz betrieben. Dazu gibt es ein Restaurant, Geschäfte für Kunsthandwerk und eine Falknerei. Einige der alten Gebäude der Medina sind sogar zu Ferienwohnungen umgebaut worden. Dennoch habe ich den Eindruck, dass man Touristen – insbesondere solchen, die nur fotografieren und keine Bilder kaufen (also uns) nicht gerade freundlich gegenüber gestimmt ist. Wenn immer wir irgendwo auftauchten und was fotografieren wollten (Menschen fotografiere ich sowieso nicht ungefragt) verschwanden die „Künstler“ ruck zuck in ihren Ateliers.

Über der Burg kreisen – wie am Samstag in El Torcal – wieder frei fliegende Gänsegeier.

Bevor wir wieder zum Auto runter gehen, nehme ich mir die Zeit, nun mit allen möglichen Objektiven zwischen 10 mm und 400 mm nochmal den Felsen von Gibraltar aufzunehmen. schließlich wollen wir, nachdem wir bereits am Sonntag und gestern in Gibraltar waren, heute zum dritten Mal dorthin. Ihr wisst schon: In Gibraltar kann man Delfin-Ausfahrten machen und das ist – zumindest kommt es bei mir so an –  Susannes Hauptgrund für jede Art von Urlaub!

Gibraltar


Die Fahrt Richtung Gibraltar verläuft zügig, zumindest bis San Roque und sogar noch ein Stückchen weiter. Aber was dann kommt, ist erschreckend: Stau! Stau! Stau! Deshalb mein ganz ernst gemeinter Tipp: „Wenn ihr wirklich nach Gibraltar wollt, niemals mittags um Eins!“

Um 13.04 Uhr sind wir – so das Navi – nur noch 850 m vom Parkplatz vor der Grenze zwischen Spanien und Gibraltar entfernt, aber wir stehen und die Start-Stopp-Automatik des Seat stellt immer wieder den Motor ab. Ich habe Sorge, dass die Batterie das irgendwann nicht mehr packt. Ob und wo man die Start-Stopp-Automatik ausschalten kann, darüber hat der Autoverleiher nichts gesagt und ich selbst weiß es nicht. Um 13:28 Uhr sind´s nur noch 364 m. Das heißt, dass wir in 24 Minuten 486 m weit gefahren sind. Das sind umgerechnet 1,2 km/h. Zu Fuß wären wir 4 Mal schneller! Um 13:40 Uhr sind´s noch 196 m bis zum Parkplatz und um 13:58 Uhr habe ich – nach endloser Suche – dann endlich einen freien Platz, aber nur, weil grad eben jemand weggefahren ist. Ansonsten ist der Parkplatz gerammelt voll.

Der Weg zu Fuß über die Grenze und am Victoria Stadium vorbei ins Ocean Village ist inzwischen Routine. Da die „Gelben“ einfach häufiger und zuverlässiger ausfahren als die anderen, buchen wir für 17.00 Uhr wieder eine Ausfahrt bei Dolphin Adventure. Inzwischen kennt man uns und wir bekommen den „Einheimischen-Preis“.

Bis zur Ausfahrt sind es noch rund 2½ Stunden, genug Zeit also, noch was essen zu gehen. Schon wieder Pizza in der Pizzeria Plaza? Ach ne, heute suchen wir was anderes. Am „Grand Casemates Square“ – bis dort hin sind es von Dolphin Adventure aus gerade mal 7 Minuten – gibt es etliche Lokale, aber am meisten macht uns das „Lord Nelson“ an, ganz versteckt links hinten in der Ecke.

Hier gibt es  – was man in einem englischen Restaurant niemals erwarten würde – super leckere Speisen. Der Salat ist spitze und auch der Kaffee, den wir hinterher noch zum Abschluss nehmen, einfach klasse! Für uns wird „Lord Nelson“ zu dem Tipp.

Schon während wir Kaffee getrunken haben, hörten wir von links aus dem Fußgängertunnel fantastische Gitarrenmusik. Da muss ich hin. Auf einem Stuhl sitzend intoniert der Künstler Stücke, die mir nicht mehr aus dem Kopf gehen, deren Titel ich aber bis heute nicht gefunden habe. Trotzdem, das war so richtig klasse!

1½ Stunden haben wir noch Zeit, bis das Schiff ausfährt und da dieses nur 7 Minuten weg ist, haben wir noch genügend Zeit zu bummeln. Susanne interessiert sich ja furchtbar gern für irgendwelchen Nippes (Kühlschrankmagneten, Souvenirs usw. usw). Das ist nicht so mein Ding. Deshalb trennen wir uns. „Also dann in einer Stunde, genau wieder hier.“ Gesagt getan. Kurze Zeit später habe ich Susanne schon aus den Augen verloren.

Ich bin mal wieder in der Main-Street. Hier findest Du alles. Neben Läden, gegenüber die deutschen 1-€-Läden Nobel-Schuppen sind, gibt es aber auch Einrichtungen, in die man sich mit Jeans und T-Shirt als Tourist gar nicht reintraut, so abgehoben und snobistisch erscheinen die. Ein solches Beispiel ist für mich das Rauchwaren-Geschäft „Lewis Stagnetto“. Hier kannst Du nicht mal kurz rein, um für Opa zum Achtzigsten ein „Zigärrle“ zu kaufen. Für die preisgünstigeren Zigarren, z. B. die Cuaba Exclusivos musst Du nämlich auch schon 5½ £ (6,30€) hinlegen – für eine! Einzeln kannst Du die aber gar nicht kaufen, da musst Du dann schon eine 25-er-Schachtel nehmen. Es geht aber auch exklusiver: z. B. 25 Cohiba Esplendidos für 632,70£ (705€). Wenn dir das nicht genügt, kannst Du aber auch einzelne Zigarren kaufen, z. B. eine Gurkha HMR Churchill. Ich empfehle allerdings den Kauf einer 20-er-Kiste. Damit erhält man immerhin 3% Kistenrabatt – knapp 700€, die auch nicht zu verachten sind. Na, wenn das mal kein Schnäppchen ist.

Vielleicht bin ich ein Banause, aber ich kann mir nicht vorstellen, was einen derartigen Preis für eine Zigarre rechtfertigen sollte. Ich geh weiter – ins andere extrem. Im „Angry Friar“ gibt es Bier zu einem bezahlbaren Preis. Das war´s dann aber auch schon. Abgeschreckt von den Bewertungen auf Trip-Advisor habe ich der Versuchung, dort etwas zu essen oder dort gar auf die Toilette zu gehen, dann aber widerstanden.

Die Stunde ging vorbei wie im Flug. Gegen halb fünf treffen Susanne und ich uns bei der Statue unterhalb des I.C.C. Shopping-Centers und Car-Parks wieder, von wo aus wir gemeinsam zu „Dolphin Adventure“ weitergehen.


Delfin-Ausfahrt


Keine 10 Minuten später sind wir am Anlegeplatz der „Dolphin Adventure“ und warten. Ein bisschen wehmütig, denn heute wird definitiv unsere letzte Delfin-Ausfahrt sein. 15 Minuten später legt sie an. An Bord lauter glückliche Gesichter. Die letzte Fahrt war offensichtlich erfolgreich. Werden wir auch was sehen? Egal! Allein die Tatsache auf dem Meer zu sein ist schon was besonders.

Punkt fünf geht´s los. Nachdem wir aus dem Hafen raus sind, geht´s zunächst nach Süden am Cruise Liner Terminal vorbei. Dort liegt derzeit das ziemlich genau vor einem Jahr in Betrieb genommene „Mein Schiff 6“ der „TUI Cruises“. Mit 295 Metern Länge und Platz für 2534 Passagiere nicht ohne, aber bei weitem nicht so groß wie vor zwei Jahren die Independence of the Sea, bei der mir wirklich der Mund offen stehen blieb. Damals war Susanne nicht dabei, aber ich habe ihr so lange von Gibraltar vorgeschwärmt, dass sie dieses Jahr auch mitgekommen ist und nun ist sie bereits zum 6. oder 8. Mal in diesem Urlaub auf einem Whalewatching-Boot. Susanne in ihrem Element! Ich gönn´s ihr!

Wir fahren zunächst rund 2½ Meilen südwärts an der Westküste Gibraltars entlang bis zum Europa-Point, aber nichts! Und dann – vielleicht ½ Meile weiter südlich – insgesamt sind etwa 30 Minuten vergangen, seit wir gestartet sind – sind sie plötzlich da – überall!

Sie begleiten uns bis fast wieder zurück. Noch ein letzter Blick seitens eines Delfins zu „Mein Schiff 6“ und dann sind sie weg.

Mann, war das eine Ausfahrt! Da ist der Stau, den wir heute Mittag auf der Herfahrt hatten, doch glatt wieder vergessen.

Fahrt zurück nach Tarifa


Mann, war das ein Urlaub! Mehr kann man in nur einer Woche nun wirklich nicht mehr erleben. Morgen noch nach Jerez de la Frontera und dann sind wir morgen Abend – man kann´s kaum glauben – schon wieder zu Hause. Glücklich gehen wir zu Fuß zurück zu unserem Auto, das unmittelbar hinter der Grenze in Spanien parkt.

Mirador Estrecho und Straße von Gibraltar


Auf der Rückfahrt – eigentlich wollten wir am letzten Abend des Urlaubs ja nochmal  zur Düne von Valdevaqueros,  aber ein gottgegebener Sinneswandel bringt uns von diesem Plan ab. Auf dem Weg nach Tarifa sind wir eben an unserem Hotel vorbei, so 3 oder 4 Kilometer, als sich links ein grandioser Blick eröffnet. So nahe wie jetzt habe ich den rund 20 km entfernten Jbel Musa noch nie gesehen! Im besten Licht! Wenn das kein Geschenk ist!

Leider darf man auf der N-340 nicht links abbiegen und auch nicht wenden, so müssen wir eben noch 6 km bis zum Kreisverkehr beim Lidl in Tarifa und dann den ganzen Weg wieder zurück bis zum Mirador Estrecho. Das dauert etwa ´ne Viertelstunde – ich hoffe nur, dass das Licht und die Sicht noch so lange bleibt. Immerhin ist es ja auch schon 20:00 Uhr und in einer Dreiviertel Stunde geht die Sonne unter.

Der Wind weht heftig als wir gewendet haben und wieder Richtung Osten sind. Mist, es ist schon so dunkel, dass an den Hängen unter den Windrädern sind fast keine Konturen mehr zu erkennen sind. Schaffen wir´s dennoch rechtzeitig? Das mit dem 12-km-Umweg, wenn man von Osten kommend zum Mirador Estrecho will, ist schon echt blöd. Da könnten sich die Spanier auch was anderes einfallen lassen.

20:17 Uhr. Wir sind da am Mirador Estrecho und der Jbel Musa auch noch da. Das Licht ist nach wie vor fantastisch., aber der Wind ist mörderisch. Gottseidank gibt es am Mirador Estrecho eine kleine Bar, wo man drinnen sitzen kann. Der Wind draußen würde dich wegpusten! Wir gehen rein und holen uns jeder ein Bocadillo und ein alkoholfreis Bier. Aber darum geht´s nicht!

Worum es geht ist, dass wir einen Platz am Fenster haben mit einem Blick über das ganze Panorama. Es ist überwältigend. Auch wenn die Straße von Gibraltar an dieser Stelle etwa 15 km breit ist, hat man den Eindruck, man könnte rüberspucken. Die mächtigen Frachtschiffe auf der viel befahrenen Wasserstraße von Tanger nach Barcelona, Genua und Marseille (oder zurück) sehen aus wie Spielzeuge. Dass es hier Delfine gibt – unglaublich!

Zehn vor neun. Die Sonne ist am Untergehen und taucht Nordafrika in ein diffuses rötliches Licht.

Zurück im Hotel


Zehn nach neun sind wir zurück im Hotel. das Meson de Sancho ist eines der schönsten Hotels, die wir jemals hatten, exklusiv und doch nicht überkandidelt sondern familiär. Ich kann dieses Hotel – obwohl es nicht gerade zentral liegt – für Andalusien-Urlauber mit PKW (egal ob Leihwagen oder eigenes Auto) nur empfehlen.

Irgendwie ist es uns jetzt aber zu spät, noch rüber in die Bar zu gehen, außerdem haben wir noch zwei Dosen Bier übrig, die wir Anfang der Woche für kleines Geld beim Lidl in Tarifa gekauft haben. Die können wir ja auch nicht mit nach Hause nehmen. Noch kurz geduscht und dann im Schlafanzug auf der Terrasse unseres Bungalows den wunderschönen, lauen Abend bei einem Feierabend-Bierchen genießen. Ist das nicht herrlich?

Morgen früh werden wir dann starten, rauf ins 111 km entfernte Jerez de la Frontera, wo morgen Nachmittag unser Flieger zurück nach Deutschland geht.


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