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Mittwoch, 25. Juni 2025



Eine verfahrene Sache – auf Landstraßen nach Acqui Terme

Frühstück mit Big Brother – Du bist nicht allein


Wir haben gut geschlafen. Um 7:00 Uhr gibt es Frühstück im ersten Stock. Zimmerkarte vorzeigen, kurzer Scannerblick vom Personal, dann dürfen wir rein ins Buffet-Paradies. Alles ist ordentlich, sauber, aufgeräumt. Eigentlich genau das, was man will – eigentlich. Was mich aber stört, sind die schwarz gekleideten Angestellten, die sich im Raum verteilen wie Bodyguards beim Staatsempfang. Fehlt nur noch der Security-Ohrstöpsel mit dem im Hemdkragen verschwindenden Spiralkabel. Wir jedenfalls haben das Gefühl, dass jede Bewegung von uns mit Argusaugen verfolgt wird. Greift der eventuell schon zum dritten Stück Käse? Bricht der sein Croissant auseinander, statt es stilvoll aufzuschneiden? Tunkt er es gar in den Cappuccino?

Ich trau mich gar nicht, mal eben kurz ein Scheibchen Wurst mit der Hand in den Mund zu stecken – da schaut garantiert jemand so entsetzt, als hätte ich eine Fingerwasserschale ausgetrunken. Alles , was ich mache, ist steif und vorsichtig: Das Obst wird gestelzt mathematisch mit Messer und Gabel in exakt gleiche Viertel aufgeteilt, die Semmel bestreiche ich in Zeitlupe. Nur nicht auffallen. Nur nicht der sein, über den später in der Personalküche gelästert wird. Wir frühstücken trotzdem gut.

Alle Wege führen ans Meer, aber welcher ist der beste?


Da es bis zu unserem Urlaubsquartier in Cervo nur knapp 300 Kilometer sind, und ich italienische Autobahnen hasse, wollen wir heute über Land fahren.

  • Auf der Autobahn kommt man zwar schneller ans Ziel – zack, in 3½ bis 4 Stunden – und das Navi sagt einem, wo’s langgeht. Das ist praktisch, aber auch stressig: Maut, Lärm, Lkw, Tunnel, Beton-Tristesse. Irgendwie Schnellspulen – ohne Urlaubs-Feeling.
  • Auf der Landstraße ist es einfach viel schöner. Man sieht so viel mehr von Italien. Statt grauer Leitplanken und endloser Tunnel gibt’s überall kleine Dörfer, Olivenhaine, alte Kirchen und immer wieder eine Gelegenheit für einen Cappuccino. Außerdem sparen wir uns die Maut – auf 300 Kilometern kommt da schon was zusammen. Klar dauert es ein bisschen länger, aber dafür rollen wir entspannt durchs Land, ohne den stressigen Verkehr auf der Autobahn. Gut, die Fahrt ist kurviger und das Navi hat alle Hände voll zu tun. Aber genau das ist für uns Urlaub!

Etappe 1: Como – Vigevano


Unser erstes Etappenziel heute ist Vigevano. Dort wollen wir die Piazza Ducale, das Castello Storesco und natürlich den Torre del Bramante ansehen.


Um zehn vor acht soll’s losgehen, aber am Parkplatz vorm Hotel hat uns irgendein italienischer Vollpfosten so blöd eingeparkt, dass ich beim Rausfahren aus der Parklücke Zentimeterarbeit leisten muss, um nicht dessen Seitenspiegel mitzunehmen. Als ich draußen bin, kommt auch er daher. Nicht mal ein entschuldigender Blick – der Typ grinst, steigt in seinen weißen Duster und tuckert davon, als wäre nix gewesen. „Mpff!“

Wortlos rollen wir vom Parkplatz, biegen auf die Via Cardano ein und fahren dann auf der SP 17 weiter Richtung Süden. Es hat 23 °C. Trotzdem läuft, die Klimaanlage.

Gemütlich geht’s durch die Comer Vororte Luisago, Fino Mornasco, Cirimido. Die typische norditalienische Landschaft zieht vorbei: Links Maisfelder, rechts Lagerhallen, dazwischen mal ein paar bunte Einfamilienhäuser mit grünen Fensterläden. Kein Stress, keine Drängelei, kein wildes Gehupe. Die Straße gehört uns ganz allein – fast.

Was auffällt: Ligurien fährt praktisch: Überall sieht man kleine, oft ziemlich alte Autos, nix mit Porsche, SUV-Posing oder so. Stattdessen: Pandas so weit das Auge reicht (gefühlt jedes dritte Auto), uralte Puntos, ein paar Fiat 500 mit Beulen und rostige Lancias, die sich wacker halten. Alles Autos, die schmal genug sind für die engen Serpentinen und die klarkommen mit den steilen, und teils sehr holprigen Wege. Wichtigstes Verkehrszeichen auf dieser Strecke ist tatsächlich das Zeichen „Buche“ – klingt nett, bedeutet aber nicht „Schattenspendender Laubbaum“, sondern „Achtung Schlagloch!“ – und davon gibt’s nicht wenige. Wir cruisen weiter – das Navi sagt: „Noch gut 1,5 Stunden bis Vigevano.“  Das passt!

Navi trifft Schiene – willkommen in der absurden Welt der Technik


Nach gut einer halben Stunde Fahrt erreichen wir Turate. Das Navi lotst uns Vertrauen einflößend in die Viale Roma – eine ganz normale Straße: gerade, breit, mit Bäumen, Bürgersteigen und parkenden Autos links und rechts.


Alles wirkt völlig unspektakulär. „Einfach geradeaus“ sagt die Navi-Stimme. Kein Problem – denken wir. Aber dann: Schluss. Aus. Ende. Quer vor uns verlaufen Bahngleise. Kein Bahnübergang, keine Brücke, keine Unterführung, nichts! Obwohl die Viale Roma auf der anderen Seite gerade so weiter geht – kommen wir nicht hin. Die Straße ist schlichtweg unterbrochen. Nun steh ich da mit meinem Panda und denk‘: „Ja toll – was jetzt?“ Aber Peter (so nennen wir die Navi-Stimme) bleibt stur: „Fahren Sie in den Kreisverkehr und nehmen Sie die zweite Ausfahrt“. Soll ich den Panda die 70 Meter bis zum Kreisverkehr tragen?  

Das ist der Moment, wo man merkt: Technik kann auch ziemlich dumm sein. Obwohl die Bahnlinie schon seit 1880 (seit 145 Jahren!) hier verläuft, kriegt unser 100-Euro-Tomtom das einfach nicht auf die Kette. Die Software denkt, die Straße sei durchgehend – weil sie ja auf der anderen Seite auch wieder Viale Roma heißt. Was dazwischen liegt – egal ob 20 Meter Bahngleis oder Abgrund – ist offenbar nicht wichtig genug, um als echte Unterbrechung zu zählen. Und genau darin liegt das Dilemma: Navi und Technik geben einem das Gefühl, alles im Griff zu haben. Man folgt der Stimme wie ein Schaf und dann steht man plötzlich irgendwo vor Bahngleisen, die nirgends hätten sein dürfen. Wie ich immer sage: „Technik ist nicht beherrschbar.“ Du kannst dich auf sie verlassen – aber nur bis zu einem gewissen Punkt. Dann hilft nur noch Köpfchen, Ruhe bewahren und ein bisschen italienisches Improvisationstalent. Und ja – manchmal auch ein freundlicher Einheimischer, der mit den Händen wedelnd zeigt, wo’s wirklich langgeht. Zum Glück hab‘ ich Susanne neben mir. Immer, wenn ich kurz vorm Nervenzusammenbruch bin, bleibt sie ruhig. Und das ist in solchen Momenten mehr wert als jedes noch so teure Navi.

Nachtrag
Zu Hause – mit WLAN und ein bisschen Abstand – kam dann die große Erleuchtung. Im Juni 2020 wurde der Bahnübergang bei der Via Stazione in Turate offiziell geschlossen. Stattdessen hat man rund 500 Meter südöstlich eine schicke Unterführung hingebaut. Hätten wir locker durchfahren können. Tja hätten!Das wusste mein 100-Euro-Tomtom natürlich nicht. Warum auch? Ist ja nur eine winzige, bedeutungslose bauliche Veränderung, die in der Realität alles verändert, aber im Navi offenbar niemanden interessiert. Die Folge: Wir standen auf der Viale Roma wie zwei verwirrte Hühner vor’m Zaun. Und was für ein Zaun – einer mit Gleisen.

Besonders skurril wird’s, wenn man sich die tatsächliche Streckenführung anschaut. Da denkt man: „Okay, das sieht aus wie jemand, der im Halbschlaf versucht hat, einen Fahrradweg mit einem Labyrinth zu kreuzen.“ Darauf kommt doch kein Mensch.

Was mich aber wirklich geärgert hat – mehr noch als das dämliche Navi – war das komplette Fehlen von Schildern. Nicht ein einziger Hinweis auf Gerenzano, Lainate oder gar Mailand. Keine Entfernungsangabe, keine blauer oder weißer Wegweiser, nichts. Einfach nur: „Hier hört deine Straße auf. Viel Glück.“

Was hätte ich mir gewünscht? Ein simples Schild:

  • Gerenzano 3 km
  • Lainate 19 km
  • Milano 38 km

Oder meinetwegen auch nur: „Sottopassaggio tra 500 m“ (Unterführung in 500 m)

Aber nein. Stattdessen: Improvisation, Ratlosigkeit und 18 Kilometer Umweg.

Weil Technik – und Straßenbau-Behörden – versagen: 18 Kilometer Umweg


Kreuz und quer kurve ich durch Turate, aber egal, welchen Schleichweg ich auch versuche – das Navi hat nur einen Plan: zurück zur Viale Roma, zurück zu den Gleisen. „Bitte wenden!“ Ja, super. Ich fühl mich wie in einer Dauerschleife gefangen. Ständig wende ich. Langsam fährt nicht nur der Panda, sondern auch mein Geduldsfaden in eine Sackgasse. Am liebsten würde ich aussteigen und davonrennen, aber – „Nicht jetzt, Rüdiger! Es ist Susannes Siebzig-Jahre-Geburtstags-Urlaubs-Fährtle!“ Ich geb‘ auf und streiche ganz profan „Autobahn und Mautstraßen meiden“ aus den Routenoptionen und lasse im Navi nun auch Autobahnen und Mautstraßen zu. Hauptsache: Raus hier – und weiter Richtung Cervo! Wenn’s auch ein paar Euro kostet – sei’s drum.

Bevor es aber rausgeht aus der Mühle, heißt es erst mal: 18 Kilometer zurück. Ja, richtig gelesen. Wir müssen tatsächlich fast den ganzen Weg bis kurz vors Hotel zurück – zur A9-Autobahnauffahrt bei Fino Mornasco. Bis zum Hotel, wo wir gestartet sind, wären es nur noch drei Kilometer mehr gewesen. Wir zahlen vorab 80 Cent, dann öffnet sich der Schlagbaum zur Autobahn. 80 Cent weg, aber – und das ist wichtig: Der sich öffnende Schlagbaum verhilft einem auch zu einem kleinen Stück mentaler Freiheit. Endlich geht’s wieder geradeaus und Peter (so heißt die Navi-Stimme) kann die „Bitte-wenden-Platte“ vorerst ins Archiv stellen.

Wenn der Zahlkasten bockt und die Schranke blockt


Kaum sind wir auf der vierspurigen Autobahn nach Mailand, wird’s auch schon zäh. 8:32 Uhr, Stau auf allen vier Spuren. Grund: Die Abzweigung zur Autobahn nach Varese – der typische Flaschenhals eben. Aber das juckt hier keinen. Voll Karacho ziehen etliche Vollidioten auf der Standspur rechts vorbei. Während die Autos um mich rum hupen und deren Fahrer wild gestikulieren, fluche ich und fahr notgedrungen im ersten oder zweiten Gang auf der E 62 Richtung Mailand weiter. Wenigstens sind wir die Verkehrsrambos jetzt los.

Nach etwa fünf Kilometern kommt die Barriera di Terrazzano, wo wir für die zurückliegenden 30 Kilometer 3,40 € löhnen müssen. Dann ein Logikbruch: Wir fahren über das Kreuz Novara-Milano-Gallarate – und dann – wieder 2,5 Kilometer zurück bis zur Barriera Milano Ghisolfa. Dort müssen wir erneut ein Ticket ziehen. Bei Casello Autostrada A4 Marcallo – Mesero, 16 Kilometer weiter, geht’s raus. 3,70 € für das letzte Teilstück wird vollautomatisch angezeigt. Menschen gibt’s hier keine. Ich zahle brav, die Lautsprecherstimme bedankt sich und … nichts. Schranke bleibt zu. Stress macht sich breit. Heute früh der dubbelige Skoda-Fahrer, dann der Stress an der durch Eisenbahnschienen unterbrochenen Viale Roma in Turate und jetzt das. Ich wart‘ und wart‘ und wart‘. Nach einer gefühlten Ewigkeit: Klack. Klack. Klack. Der Automat ist gar nicht tot, sondern lebt und spuckt: Ich seh’s bildlich so richtig vor mir: Im Mautautomaten leert eine Mini-Person ihre Spardose und schüttet den Inhalt ins Ausgabefach. Eine Lawine aus Kleingeld: 2 Cent, 5 Cent, 10 Cent. Zusammen 1,30 €. Ich finger‘ die 25 Münzen aus der Geldmulde – noch eine Münze mehr und ich hätte ein Kleingeld-Trauma bekommen. Dann endlich hebt sich die Schranke. Wir fahren – zögerlich, nicht ohne Angst, dass sie plötzlich doch wieder runterklackt – hindurch.

Mir ist klar. Solche Geschichten kannst du dir nicht ausdenken., solche Geschichten traut sich kein noch so kreativer Drehbuch- oder Romanautor zu erfinden. Solche Geschichten erlebt man nur, wenn man reist. Aber genau das ist ja das Spannende am Reisen. Das Leben selbst schreibt die besten Drehbücher.

Wieder über Land


Endlich sind wir aus dem Netz der Autobahnen heraus – und „Netz“ meine ich hier wortwörtlich – immerhin waren wir eingewebt wie eine reiselustige Wanderheuschrecke in einem Spinnennetz.

Jetzt aber geht’s über Landstraßen weiter Richtung Südwesten, ohne Navi-Zwang, einfach dem Gefühl nach. Links grüne Felder, rechts ein paar verstreute Bauernhöfe und vor uns: pure lombardische Gemütlichkeit. Nur ab und zu drängelt sich ein hupender 500er durch die Stille – wir grüßen freundlich, Fiat-Style eben. Die Dörfer unterwegs? Wie Filmkulissen. Enge Gassen, alte Steinmauern, Omas auf Bänken, Kinder mit Schulranzen und irgendwo bimmelt immer eine Kirchturmuhr. Es riecht nach Sommer und Kaffee. Das Leben plätschert irgendwie gemächlich vor sich hin. Zwischen Wäldchen, Weinbergen und Reisfeldern hindurch schleicht sich unser „Katzabärle“ dahin – ganz ohne Eile. Autobahn-Grau war gestern, jetzt gibt’s Hügelpanorama und Landluft de luxe. Nächstes Ziel: Cerano, benannt nach meiner Herdplatte daheim – Flachwitz.

Nur noch ein kurzes Stück bis Vigevano. Dort wollen wir – wie bereits erwähnt – Pause machen, den Panda mit Super 95 und uns mit ein bisschen Kultur auftanken: „Piazza Ducale“, „Castello Sforzesco“ und der „Torre del Bramante“ stehen in Kapitel 2 meines blauen Ringbuchs, in dem ich die bereits im Vorfeld minutiös geplante Reise Stück für Stück zusammengeschrieben habe. Kurz vor Cassolnovo wechseln wir ganz unzeremoniell die Region – arrivederci Lombardia, buongiorno Piemonte! Die Uhr zeigt 9:13, das Abenteuer schreitet voran. Noch acht Kilometer bis Vigevano, und plötzlich fühlt sich alles genauso wie damals im Juni 2022 an. Reisfelder, soweit das Auge reicht – und Ibisse. Daneben Silberreiher, die wie Modells über den – nein nicht roten Show- sondern maigrünen Feucht-Teppich schreiten. Inzwischen ist es zwanzig nach neun. Um halb zehn sieht Susanne sogar einen Fasan im Reisfeld.

Vigevano


Zehn Minuten später rollen wir in Vigevano ein und machen erst mal einen kurzen Boxenstopp an der Q8-Tanke. Drei Minuten sind wir an der Piazza Alessandro Volta, wo wir eigentlich parken wollten. Aber Pustekuchen. Mittwoch ist nämlich Markt in Vigevano. Und Markttag hier heißt: Ausnahmezustand! Das halbe Piemont scheint sich aufgemacht zu haben, um zwischen Sockenständen, Olivenhändlern und quietschbunten Sonnenbrillen die Wochenmitte zu verbringen. Die Piazza? Voll. Der Plan? Gescheitert. Auch die Piazza Calzolaio d’Italia nebenan – voll bis auf den letzten Zentimeter. Ein Menschengewusel ohne Ende – oder wie man es positiver ausdrücken könnte – eine lebendige, südländische Atmosphäre. In diesem Umfeld ist eins ganz klar: Wer nicht sehr früh kommt, zu Fuß oder auf zwei Rädern unterwegs ist, hat kaum eine Chance. Selbst die entlegensten Seitenstraßen und Supermarkt-Parkplätze sind dicht.

Autos kreisen in endlosen Runden, die Fahrer mit zunehmend genervtem Blick – während sich zu Fuß die Menschenmassen entspannt durch die Marktzeilen schieben. Auch wir drehen – die Hoffnung stirbt zuletzt – eine Ehrenrunde nach der andern. Aber jetzt ist die Hoffnung wirklich tot. Wir beerdigen unseren Plan von Vigevano und fahren weiter Richtung Acqui Terme. Draußen hat es 27 °C.

Von Vigevano nach Acqui Terme


Anfangs geht es noch flach und schnurgerade durch die Po-Ebene, vorbei an weiten Reisfeldern, alten Gehöften und kleinen Dörfern mit verfallenen Fassaden und leeren Dorfplätzen.

Susanne schiebt eine John-Williams-CD in den Player: „Star Wars“, „Raiders March“, „Jurassic Park“. Meine Stimmung steigt, die Straßen sehen für mich zunehmend besser aus und spätesten beim „E.T-Flying-Theme“ raste ich völlig aus. Wie einst ET und Elliot mit dem Fahrrad den Himmel durchstreiften, durchstreifen Susanne und Rüdiger jetzt mit dem Panda das sonnendurchflutete Piemont. Kilometer um Kilometer geht’s voran. Bei „Superman“ durchbricht der Panda endgültig die Grenzen des Gewöhnlichen – nicht mit donnerndem Überschall, sondern mit dem leisen Herzschlag eines kleinen Motors, der unermüdlich brummt. Wahre Größe misst sich nämlich nicht an der Höhe, in der man fliegt, sondern an der Beständigkeit, mit der man seinen Weg geht. Mann, was bin ich pathetisch!

10:43 Uhr, unterwegs auf der SS 211. Fotografisch reißt die 100-Kilometer-Strecke niemanden vom Hocker, was aber auffällt – Kreisverkehre ohne Ende. Kaum hat man den einen verlassen, winkt schon der nächste. Kreisverkehre sind hier überall: groß, klein, sinnvoll, absurd. Manche wirken durchdacht, andere wie das spontane Projekt eines hyperaktiven Straßenplaners. Klassische Kreuzungen? Deren Zeit ist offenbar vorbei.

Je weiter man Richtung Süden fährt, desto hügeliger wird es. Nach Alessandria beginnt die Landschaft langsam zu atmen – Weinberge tauchen auf, Zypressenreihen, kurvige Straßen mit weitem Blick in die Hügel. Kleine Orte wie Sezzadio oder Strevi blitzen auf, wirken verschlafen und charmant. Doch auch hier: Kreisverkehre, überall. Man entwickelt fast eine Routine – bremsen, Schulterblick, einschwenken, blinken, raus – immer wieder, im Rhythmus der italienischen Verkehrsplanung. So eine Fahrt ist fast schon meditativ. Dann, kurz vor Acqui Terme wird die Strecke enger und kurviger, die Hügel steiler. Die Straße schmiegt sich eng an die Hänge, der Panda schnauft ein bisschen, aber er hält durch. Und dann – wie eine große, dampfende Belohnung – öffnet sich das Tal. Vor uns liegt Acqui Terme, stolz, alt und leicht verschwitzt.

Um 12:03 Uhr kommen wir in Acqui Terme an und stellen das Auto in der Via Giovanni Marenco, unmittelbar beim Bahnhof ab. Es hat 31 °C – im Schatten!

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