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Landgoed Hoenderdaell – Begegnungen mit Tieren und deren Geschichten


Alpakas


Gleich nach dem Eingang sind links die Alpakas. Für 50 Cent hat man die Möglichkeit, eine Handvoll Spezialfutter zu kaufen und damit ins Gehege zu gehen. Ein cleverer Einstieg. Nicht dieses übliche durch Zaun oder Graben getrennte „Hier Mensch, dort Tier“, sondern man ist als Besucher gleich mittendrin. Wir sind aber draußen geblieben, weil Susanne ja nur ein Ziel hat: SOS Dolfijn. Trotzdem kommen die Alpakas aber auch ganz selbstverständlich auf uns zu und schnuppern neugierig an Susannes Hand. Anders als etliche andere Tiere hier im Park gehören die Alpakas ganz offenbar keinem Rettungsprojekt an. Ihre Aufgabe ist eine andere: Sie sollen den Besuchern einen unmittelbaren, respektvollen Kontakt zu Tieren ermöglichen. Das passt auch ganz gut zur Philosophie von Hoenderdaell, in der Tiere nicht nur ausgestellt, sondern als Mitgeschöpfe wahrgenommen werden sollen.

Dass gerade Alpakas dafür ausgewählt wurden, überrascht mich nicht. Die Kleinkamele gelten als ausgesprochen ruhige, friedliche und neugierige Tiere, die freiwillig auf Menschen zugehen – besonders dann, wenn diese Futter in der Hand halten. Im Internet gibt es übrigens eine nette Anekdote, die der Parkdirektor erzählt haben soll. Demnach sollen während der Corona-Schließungen die Alpakas regelmäßig am Zaun gestanden und nach den Besuchern Ausschau gehalten haben. Offenbar fehlte ihnen der tägliche Kontakt mit den Menschen mindestens genauso wie vielen Menschen der Kontakt zu den Tieren.

Erdmännchen


Bei den Erdmännchen bleiben wir länger stehen. Irgendwas ist hier anderes. In Tierfilmen – oder auch in anderen Zoos – steht doch fast immer mindestens eines der Tiere kerzengerade auf einem Stein oder Termitenhügel und hält Wache, während die anderen nach Nahrung suchen. Hier dagegen wuseln alle gleichzeitig auf allen Vieren durchs hohe Gras. Keiner richtet sich auf, keiner spielt den Wachposten. Hat der Wächter hier Pause? Oder arbeitet er Undercover und liegt flach im Gras auf Posten?

Wahrscheinlicher ist wohl eine ganz andere Erklärung. Ich sehe sie in der Gestaltung de Geheges:

Das Gras und die Sträucher sind hier deutlich höher und dichter, als ich es aus vielen Zoos kenne. Ich sehe also mindestens zwei Gründe, nicht „Männchen“ machen zu müssten.

  • Während in der offenen Kalahari ein Wächter viel weiter blicken kann, wenn er etwas erhöht steht, würd ihm das hier gar nichts bringen. Das Gras wäre immer noch höher.
  • selbst wenn der Bau auch ein paar Meter weg sein sollte, sind sie auf dem Weg dorthin – aufgrund der dichten Vegetation im Gehege – immer gut versteckt.

Für uns Besucher bedeutet das zwar, dass die Erdmännchen nicht immer perfekt zu sehen sind. Für die Tiere dürfte diese Umgebung aber deutlich entspannter sein. Gerade solche Kleinigkeiten machen für mich den Reiz dieses Zoobesuchs aus. Viele sehen einfach nur ein paar Erdmännchen, die durchs Gras laufen. Mich beschäftigt dagegen die Frage, ob sich deren Verhalten verändert, wenn sich ihre Umwelt und dadurch das wahrgenommene Risiko verändert hat.

Pampashasen, Stockenten und Wasserschildkröten


Bei unserem weiteren Rundgang treffen wir auf Pampashasen, Stockenten und Wasserschildkröten.

Störche


Wenn man dann weiter durch die weite, parkähnliche Anlage von Landgoed Hoenderdaell geht, wird einem immer deutlicher, dass es hier nicht um einen Zoo im klassischen Sinn geht, sondern oft um Rettung, Versorgung und ein dauerhaftes Zuhause für Tiere mit Vorgeschichte.

Die Störche beispielsweise sind häufig Tiere aus Polen, die nach Verkehrsunfällen nicht mehr fliegen können. Solche Hintergründe werden auf Informationstafeln erläutert und gehören hier sichtbar zum Konzept des Parks. Sie geben jedem Besuch eine zusätzliche, ernstere Ebene und verändern den Blick auf die Tiere, die man hier sieht, deutlich.

Flamingos


Im Landgoed Hoenderdaell leben die Flamingos in einer weitläufigen Außenanlage, die offen in das parkähnliche Gelände eingebettet ist. Es sind Rosaflamingos, wie sie auch in vielen anderen europäischen Zoos gehalten werden. Die Anlage ist Teil eines Bereichs, in dem Besucher Tiere vergleichsweise naturnah und mit nur wenigen sichtbaren Barrieren erleben können. Besonders aufgefallen ist mir ein Flamingo, der in einem Nest ein Ei umsorgt. Eine solche Szene bekommt man nicht oft zu sehen.

Flamingos brüten nicht zu einer festen Jahreszeit, sondern ereignisabhängig: Sie beginnen mit der Brut immer dann, wenn – besonders nach Regen- oder Hochwasserphasen – Wasserstände, Nahrungsangebot und sichere Brutplätze optimale Bedingungen bieten. Im geschützten Rahmen eines Zoos sind die Tiere natürlich nicht an feste Jahreszeiten gebunden. In der Regel legen Flamingos nur ein einziges Ei pro Brutzeit, selten auch zwei, wobei das zweite Ei dann meist keine große Überlebenschance hat. Die Brut dauert etwa 27 bis 31 Tage, wobei beide Elternteile sich beim Brüten abwechseln.

 Kattas


Wir sind gerade einmal eine Viertelstunde im Zoo und haben eigentlich gar keine Zeit, denn Susanne hat nur eines im Sinn: SOS Dolfijn. An den Kattas kommen wir dann aber doch nicht vorbei. Durch eine Schleuse betreten wir deren Gehege. Schon nach den ersten Schritten wird klar: Das ist kein gewöhnliches Gehege, sondern ein großzügiges, begehbares Areal, das sich wie ein Stück gewachsener Natur anfühlt. Es umfasst schätzungsweise rund 2.500 m² – das ist keine offiziell veröffentlichte Angabe, sondern eine vorsichtige Einschätzung meinerseits. Entscheidend ist aber ohnehin nicht die Quadratmeterzahl, sondern der Eindruck. Überall stehen alte, hohe Eichen, die den Lemuren als natürlicher Kletterraum dienen. Statt auf künstlichen Gerüsten bewegen sich die Kattas durch echte Baumkronen, balancieren über Äste und verschwinden immer wieder im Blätterdach. Die Gruppe ist beeindruckend groß. Genau zählen lässt sie sich kaum, denn ständig sind die Tiere in Bewegung. Ich schätze, dass sich rund zwei Dutzend Kattas im Gelände verteilen.

Das mit den Eichen wirkt auf mich etwas skurril. Schließlich stammen Kattas aus Madagaskar, wo sie in trockenen Laub-, Dorn- und Galeriewäldern leben. Eichen gibt es dort ganz sicher nicht. Dennoch scheint ihnen diese parkartige Landschaft gut zu gefallen.

Immer wieder kommen einzelne Tiere auch auf den Boden, überqueren gelassen die Wege oder setzen sich direkt an den Rand des Weges.

Kapuzineraffen


Jetzt müssen wir aber weiter, schließlich wollen wir vorrangig zu SOS Dolfijn und heute Nachmittag ja auch noch nach Amsterdam. So hetzen wir bei den Kapuzineraffen eigentlich nur vorbei.

Auch diese Tiere leben in Hoenderdaell nicht auf hohen Bäumen eines den tropischen Wäldern Mittel- und Südamerikas nachgebauten Geheges, sondern im hohen holländischen Gras, wo man sie kaum sieht, und eher an Feldhasen erinnern, die sich bei Gefahr flach ins Gras drücken und dort auf ihre Tarnung vertrauen.

Braunbären


Das Bärengehege gehört zu den größten Anlagen im Park. Die Braunbären Boyko und Boyana kamen 2013 nach Hoenderdaell. Sie stammten aus einer Anlage in Bulgarien, wo Bären gezüchtet wurden, nur damit sie im Rahmen des sogenannten Canned Hunting – ohne irgendeine natürliche Möglichkeit zur Flucht – von irgendwelchen Freizeitkillern mal eben so zum Spaß abgeschossen werden.

In Hoenderdaell erhielten sie erstmals ein großes, naturnahes Gehege mit Rückzugsmöglichkeiten und Wasser. 2015 soll Boyana dann überraschend zwei Jungtiere zur Welt gebracht haben. Die Geburt soll problemlos gewesen sein und die Mutter soll sich vorbildlich um ihren Nachwuchs gekümmert haben. Eine belastbare Quelle für diese Aussage konnte ich allerdings nirgendwo finden.


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