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SOS Dolfijn – bei den Rettern der Schweinswale


Das Gebäude


Jetzt sind wir aber endgültig bei SOS Dolfijn. Die Organisation kennen wir schon ewig. Bei einem „Fährtle“ 2013 haben wir sie erstmals besucht, damals noch in Harderwijk.

Da sich Harderwijk aber inzwischen von einem Delfinarium zu einem Erlebnis- und Show-Park gewandelt hat, ist SOS Dolfijn von dort abgewandert und seit Anfang der Zwanziger hier. Das war anfangs gar nicht so einfach. Während der Übergangsphase war die stationäre Aufnahme von Schweinswalen daher stark eingeschränkt und man konnte lange Zeit nur mit temporären Lösungen aufwarten. Rettungen liefen in dieser Zeit eher über Kooperationen mit anderen Einrichtungen, kurzfristige Pflege oder externe Unterbringung. Auch das Einschläfern von stark verletzten Tieren war eine Option. Heute sieht das deutlich besser aus.

Das neue Gebäude hier in Hoenderdaell ist deutlich größer als das frühere in Harderwijk und umfasst insgesamt rund 1.250 m². Davon entfallen etwa 550 m² auf den Besucherbereich. Hinter einer großen Glaswand liegt der Beckenbereich mit zwei elliptischen Becken, die jeweils etwa 11 × 6,5 m bzw. 8,7 × 6,6 m messen und eine Fläche von rund 57 m² und 45 m² haben; dieser Bereich nimmt ungefähr 325 m² ein. Der verbleibende Teil des Gebäudes ist für Büro-, Verwaltungs- und Praxisräume vorgesehen.

Nico


Im Moment macht sich unser Wir-gehen-direkt-zu-SOS-Dolfijn-Marsch bezahlt, denn derzeit sind wir die einzigen Besucher im Center, sodass sich SOS-Dolfijn-Mitarbeiter Nico (wahrscheinlich Nico Laan), sehr viel Zeit ausschließlich für uns nehmen kann. Da Nico sehr gut deutsch spricht, ist es für uns natürlich einfach, uns über die Aufgaben der Rettungs- und Auffangstation für Meeressäuger zu unterhalten.

Nico berichtet davon, wie er mit einem speziell ausgerüsteten Fahrzeug gestrandete Tiere aus den Niederlanden, aber auch aus Deutschland und Belgien transportiert und dass seine Einsätze oft dort beginnen, wo andere längst wieder wegfahren Im Zentrum angekommen, würden die Schweinswale dann zunächst rund um die Uhr betreut, denn die ersten 24 Stunden seien entscheidend. Häufig müssten die erschöpften Tiere beim Schwimmen von im Becken stehenden Helfern auf Händen getragen werden, damit sie nicht untergehen. Diese intensive Betreuung leisten etwa 80 ehrenamtliche Helfer, die sich im Schichtsystem abwechseln. Das fest angestellte Team macht nur einen kleinen Teil aus.

Wenn Nico so erzählt, spürt man schnell, dass hier viel Engagement und Organisation im Hintergrund nötig ist, um jedes einzelne Tier bestmöglich zu versorgen.

Roelof, Jantje und Coco1)


Momentan werden in der Station drei Tiere umsorgt: Die beiden am 5. März in Vlieland gestrandeten Männchen Roelof und Jantje (sie wurden nach den Findern Jan und Elsje sowie nach dem Helfer Jan Roelof benannt) und das am 25. März vor Texel gestrandete Weibchen Coco.

Jantje und Roelof (beide wiegen inzwischen je etwa 29 Kilo) sollten eigentlich schon bald wieder ins Meer entlassen werden. Doch leider machte das Wetter dem Vorhaben bisher einen Strich durch die Rechnung. Aufgrund eines starken Südwestwinds in Kombination mit einer Gegenströmung waren die Bedingungen nicht sicher genug für eine Freilassung. Unter diesen Umständen konnte das Boot von SOS Dolfijn nicht weit genug aus dem Hafen hinausfahren, wodurch das Risiko einer erneuten Strandung stieg.

Dazu kam dann aber noch eine zweite Sache: Während Jantje und Roelof im großen Becken auf ihre Rückkehr ins Meer vorbereitet wurden, blieb Coco vorübergehend in einem zweiten Becken allein (man ging davon aus, dass sie dort weniger Stress ausgesetzt sei). So allein verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand aber massiv, sodass die Mitarbeiter von SOS Dolfijn beschlossen, alle drei Tiere wieder gemeinsam in einem Becken zu halten und mit der Auswilderung von Jantje und Roelof noch zu warten. Seitdem geht es auch Coco, obwohl sie mit 25 Kilo noch zu klein zum Auswildern ist, deutlich besser.

Aber nicht alle Rettungsversuche haben ein glückliches Ende. Manche Tiere seien so geschwächt oder krank, berichtet Nico, dass sie es nicht schaffen oder aus Tierschutzgründen erlöst werden müssen. In solchen Fällen bringt er die verstorbenen Tiere zur Universität in Utrecht, wo untersucht wird, warum und woran die Meeressäuger gestorben sind. So trägt selbst ein trauriges Ende noch dazu bei, mehr über die Ursachen des Strandens zu lernen und zukünftige Rettungen zu verbessern.

  • Am 9. Juli wurden die Schweinswale Roelof, Jantje und Coco nach monatelanger intensiver Pflege von der Stiftung SOS Dolfijn in die Nordsee ausgewildert. Mit der Rückkehr in den natürlichen Lebensraum fand ihre Rehabilitation ein erfolgreiches Ende.

Ein bisschen leiser wär‘ schon schön


Bei SOS Dolfijn gibt es einiges, das speziell für Kinder gedacht ist: Bastel- und Malaktionen, kleine Lernstationen, an denen man sich als „Kapitän“ ausprobieren kann, und verschiedene Spiele, bei denen man auf unterhaltsame Weise mehr über die Bewohner der Nordsee erfährt. Eigentlich eine schöne Idee, denke ich noch – ohne zu ahnen, wie sich das später entwickeln würde.

Denn gerade als wir das meiste gesehen und gehört haben, fällt gegen 11 Uhr – inzwischen sind vom Eingang her auch hierher gekommen – eine ganze Gruppe Kinder ein. Laut, aufgedreht, schreiend – und mit einer Energie, die den ganzen Raum ausfüllt. Ich verstehe nicht, dass deren Betreuer nicht in der Lage sind, ihnen zu erklären, wo sie sich hier eigentlich befinden: das ist schließlich kein Spielplatz und auch kein Freizeitpark, sondern im Grunde genommen eine „Art Krankenhaus für Meeressäuger“. Ich muss raus, bevor ich endgültig zum Kinderhasser werde und kann nur hoffen, dass die Glaswände zwischen Besucherbereich und Becken gut isoliert sind. Sonst müsste Nico am Ende vielleicht nach Utrecht fahren – obwohl Jantje, Roelof und Coco eigentlich gerade das Gröbste überstanden haben.

Der Besuch hinterlässt insgesamt also einen gemischten Eindruck: faszinierend ist es, die Tiere live zu erleben und über den Einsatz der Helfer informiert zu werden – andererseits wird man aber auch sehr nachdenklich, weil einem klar wird, an welch seidenem Faden das Leben dieser kleinen Meeressäuger hängt. Alles in allem war das ein rundum stimmiger Besuch, nicht zuletzt dank der großartigen Betreuung.


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