Da und doch noch nicht am Ziel
Die Pension Van Ewijksluis
Wenigstens ist der Weg nach Van Ewijcksluis noch frei, dort ist nämlich unsere heutige Bleibe, und die von morgen. Um halb sechs kommen wir bei Kilometerstand 76335 an, doch von der Vorfreude auf den Urlaub erst einmal gar nichts mehr übrig.
- Auf dem Weg in die Unterkunft
- Vor unserer Unterkunft
Die Hotel Pension van Ewijcksluis ist ein kleines, ökologisch und spirituell geprägtes Minihotel mit wenigen Zimmern (je nach Quelle drei bis fünf) und einer sehr persönlichen, familiären Atmosphäre. Unsere Vermieterin Cindy (spricht perfekt Englisch) und ihr Partner Barry (spricht sogar Deutsch) tun alles, um uns die Ankunft wirklich so angenehm wie möglich zu machen, aber das ist – zumindest, was mich betrifft – zwecklos. Für Ei-di-dei habe ich jetzt einfach keinen Nerv. Ich muss irgendwo meinen Frust loswerden und so erzähl ich der Frau – ob sie’s hören will oder nicht – von unserer Odyssee, erzähl von den unzähligen Umleitungen und davon, dass wir inzwischen ernsthaft befürchten, morgen wegen all der Sperrungen gar nicht bis zum Hoenderdaell Zoo zu kommen.
Sie hört sich das geduldig an, lächelt und winkt ab. „To Hoenderdaell? That’s very easy! Just follow Amsteldijk, then take the first right onto Veerweg. Continue for about 4 kilometres until you reach Kerkweg, turn right and follow Kerkweg for 1 kilometre to Kleine Sluis. Along Hooge Oude Veer for another 1.5 kilometres, and you’ll be there.“ Wir schauen uns ungläubig an. „We just drove there from Wieringerwaard and we wanted to drive to Anna Paulowna. But the Kerkweg-road is closed!“ Cindy runzelt nur kurz die Stirn. Für sie gibt es dort offenbar keine Sperrung. Ja sind wir jetzt blöd? Ich geb’s auf. Das bringt nichts. Sie glaubt uns einfach nicht. Also Thema wechseln. Wir fragen, ob wir was Eiskaltes zu Trinken bekommen und vielleicht einen Snack. „Snack dauert 10 Minuten!“ Derweil bekommen wir den Schlüssel für Zimmer 1 und den für die Haustür. Ich hol die Koffer rein und werfe sie einfach nur ins Zimmer. Zu mehr bin ich einfach nicht mehr in der Lage. Dass das Zimmer toll ist und vor allem die Terrasse davor, das nehme ich nur am Rande wahr.
- Unser Zimmer
- Die Terrasse vor unserem Zimmer
Zehn Minuten später sitzen wir dann in der Lounge. Das kalte Cola (Koffein und Zucker), das alkoholfreie Bier und Barrys fantastischer Toast wirken Wunder. Langsam kommen die Lebensgeister wieder, langsam kriegen wir wieder Boden unter unsere Gedanken.
- Lounge
- Köstlicher Snack
Jetzt habe ich auch schon wieder Lust auf ein „richtiges“ Bier. Oh Mann, wie das zischt.
- Susanne gönnt sich Toast und alkoholfreies Bier.
- … gutes Bier kommt immer recht.
Trotz Sperrungen gibt es einen Weg
Nach dem Essen, wollten wir uns eigentlich noch die Beine vertreten und ein wenig frische Luft schnappen. Die Idee war: einmal über den Damm am Amsteldijk entlang spazieren und den Tag ruhig ausklingen lassen. Doch daraus wird wohl nichts. Der Damm ist komplett überwachsen, dichtes Gras überall – eher ein Paradies für Zecken als für Spaziergänger. Auch auf der Straße daneben, der Amsteldijk, kann man nicht gehen. Sie ist zu stark befahren und die Autos rasen hier – trotz 30 vorne beim Hotel – vorbei wie die Idioten.
- Unsere Unterkunft
- See
Der Veerweg am See entlang ist zwar ruhiger, aber so schmal, dass man ständig zur Seite springen muss, wenn ein Auto kommt. Und als wäre das nicht genug, kommt noch der Wind dazu, der hier so kräftig ist, dass er dich fast umwirft. Fazit: Hier Spazierengehen ist praktisch unmöglich.
- Entenfamilie
- Blesshuhnfamilie
Also ändern wir den Plan. Auch wenn ich’s mir nicht vorstellen kann, vielleicht hat Cindy ja doch recht und es gibt vom Veerweg her einen Schleichweg zum Tierpark. „Komm, lass uns das mal versuchen!“ Susanne äußert allerdings Bedenken wegen meines Biers. Ich rechne kurz nach. 0,3l, 5% Alkohol, 100 Kilo. Da sind nach 1 Stunde höchstens noch 0,1 ‰ von übrig. Von 0,5 ‰ bin ich also weit, weit weg. Wir holen das Auto und fahren los, den Veerweg runter, komplett, die ganze Strecke, 4 km bis zum Kerkweg und dort ist – warum soll das anders sein als vorher? – Schluss. Nach rechts gibt es kein Durchkommen. Punkt. Wir hatten also doch recht. Schließlich sind wir zwar alt, aber doch noch nicht ganz blöd.
- Wir fahren die Strecke ab.
- Susanne dokumentiert.
Wie zum Trotz zückt Susanne die Kamera und macht Beweisfotos. Dokumentiert ist damit alles sauber – nur hilft uns das in der aktuellen Situation überhaupt nicht weiter.
- Doorgang verkeer gestremt – bedrijven bereibaar
- Omleiding volg 2
Uns bleibt nichts anderes übrig, als umzudrehen oder – wie schon vor drei Stunden – die Umleitung über Oudesluis zu fahren, dort über den Kanal und anschließend die komplette Strecke auf der anderen Seite wieder zurück. Jetzt hätte ich gerne Cindy im Auto neben mir sitzen. Ob sie dann immer noch sagen würde: „To Hoenderdaell? That’s very easy! Aber jetzt kommt’s: Wenn man nämlich auf der N 249 von t Zand her kommt und aufpasst, steht 100 Meter vor der Kleinen Sluis an der N 257 ein Schild „Landgoed Hoenderdaell bereikbaar.“ Ich mach langsam, sehr langsam und fahr rechts auf die Brücke bis zum Schild „Verbot für Fahrzeuge aller Art“, d.h. dass dort keine Fahrzeuge durchfahren dürfen. Das ist eigentlich eindeutig, zumindest in Deutschland.
Aber – und das scheint typisch Holland zu sein: gleich daneben – mit einem Pfeil nach links – ein Schild „Landgoed Hoenderdaell bereikbaar.“ Und was steht links? Ein weiteres Schild „Verbot für Fahrzeuge aller Art“. Gesperrt, erlaubt, gesperrt! Man fragt sich unwillkürlich, ob das schon regionale Navigationslogik ist.
- Kurz vor der Sperrung
- Ein Pfad führt zum Tierpark.
Da der Weg neben dem Durchfahrt-Verboten-Schild und den Barrieren zwar schmal ist, der Panda aber noch schmaler, probier ich’s trotzdem – landen Verkehrsvergehen in Holland eigentlich auch in Flensburg? – und siehe da – um kurz vor acht komme ich tatsächlich zum großen Tierpark-Parkplatz. Der Zoo ist also doch „bereikbaar“.
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