Zwischen Hängesessel, Saftquirl und „Wir hatten doch echt“
Morgen in der Pension van Ewijksluis
Terrasse und Frühstück
Da wir jetzt wissen, dass und wie man zum ZooLandgoed Hoenderdaell kommt, der aber erst um neun (dachten wir …) aufmacht, haben wir heute früh genügend Zeit. So genießen wir noch vor dem Frühstück die Terrasse im Morgenlicht.
- Terrasse im Morgenlicht
- Unser einladendes Quartier
Hier – direkt am Wasser – stehen etliche Tische, dazu bequeme Rattan-Stühle und Geflecht-Sessel. Funktional zwar, aber alles schon mit dem erkennbaren Anspruch „stilvoll“ zu sein.
- Gemütliche Kuschelecke
- Sprüche für den Tag
Überall hängen kleine Details, die diese, aus meiner Sicht bewusst unaufgeregte Stimmung des Hauses verstärken:
- roter Mohn zum See hin, Petunien in ordentlichen Gruppen, Elfensporn
- Rosmarin und Minze, die alles so frisch und gesund wirken lassen
- ein rustikaler Blumenampel-Korb aus Naturfasern,
- daneben ein altes Aluminium-Boot, das eher Deko-Objekt ist als Fortbewegungsmittel
- und dann noch diese typischen Holzschildchen mit den tausend Mal gehörten, abgedroschenen Lebensweisheiten aus dem Achtsamkeits-Regal.
Aber genau das mach dieses Haus aus. Wie schrieb ich gestern Abend beim Ankommen schon? Ökologisch und spirituell geprägtes Minihotel, aber es passt! Auch wenn Susanne den Hängestuhl gar nicht mehr verlassen möchte, hat Cindy in der Lounge das Frühstück bereits vorbereitet.
- Frühstück gibt’s in der Lounge.
- Schaukeln wie in Kindheitstagen
Das Frühstück gibt’s in Form eines kleinen Buffets auf der Arbeitsplatte eines Küchenbuffets, liebevoll arrangiert: Wurst, Käse, Brot, Bio-Eier, dazu zwei Körbchen mit frischen Croissants und Brötchen. Tomaten und Gurke stehen im Oberschränkchen. Der Kaffee kommt aus einem Selbstbedienungs-Kaffeevollautomaten und auf dem Tisch stehen bereits zwei Gläser frisch gepresster Orangensaft auf einem schmalen Holzbrettchen. Wie immer ist es meine Aufgabe, den Kaffee zu holen, während Susanne – stets zuständig für den Saft – mit einem kleinen Holzquirl das abgesunkene Fruchtfleisch im Orangensaftglas dazu ermuntert, wieder nach oben zu schwimmen. Einen solchen Saft-Quirl habe ich noch nie gesehen. Auch henkellose Steingut-Kaffeebecher kannte ich bisher noch nicht.
Das Ambiente, sowohl der Holzquirl zum Saft als auch die Kaffeebecher ohne Henkel, überfordert mich als einfachen Menschen schon ein bisschen. Als ich schließlich zwei Semmeln, eine Scheibe Wurst und eine Scheibe Käse genommen habe, beschleicht mich ein schlechtes Gewissen. Aber immerhin habe ich nicht – wie gestern in Kleinmaischeid – das halbe Buffet leergeräumt – nur ein Drittel. Was angenehm ist: Cindy lässt uns in aller Ruhe frühstücken. Erst als wir fertig sind, kommt sie an unseren Tisch und erklärt uns anhand ihres Handydisplays, wie „very easy“ es doch sei, zum Landgoed Hoenderdaell zu gelangen. Offenbar hatte sie nicht den geringsten Zweifel daran, wie leicht der Tierpark zu erreichen ist – und schon gar nicht daran, dass wir uns vermutlich einfach nur ungeschickt angestellt hatten. Nur dumm, dass wir gestern Abend noch auf Erkundungstour waren. Fast gleichzeitig zeigen Susanne und ich unsere Fotos vom Vorabend. Und was kann man da deutlich sehen? „Gesloten“. „I didn’t know that“. Die kleine Überraschung darüber steht ihr kurz ins Gesicht geschrieben, bevor sie wieder freundlich lächelt. Wir können unsere Schadenfreude aber fast nicht verstecken.
Schließlich passiert es nicht alle Tage, dass man eine Einheimische, die gerade noch mit holländischer Selbstgewissheit „very easy“ verkündet hat, eines Besseren belehren darf. Vielleicht gehört es ja aber zum niederländischen Verkehrskonzept: Was gesperrt ist, ist trotzdem erreichbar – man muss nur fest genug daran glauben. Ich erinnere nur an den Arbeiter gestern am Kreisverkehr bei Ermelo.
Morgen in Anna Paulowna
Um kurz nach acht fahren wir die vier Kilometer ins Zentrum von Anna Paulowna und parken hinter der Kirche („Kerkje Anna Paulowna“, De Samenvaart). Bevor es nachher zum Landgoed Hoenderdaell geht, wollen wir uns noch etwas den Ort ansehen. Fast alle Läden wirken ziemlich heruntergekommen, machen erst um 9:30 Uhr auf, schließen dafür aber nachmittags um 16:00 Uhr auch schon wieder. Die Scheiben der Geschäfte sind allesamt sehr dreckig, das Mauerwerk bröckelt an vielen Stellen. Insgesamt macht Anna Paulowna – zumindest hier – keinen sehr einladenden Eindruck.
- Kirche in Anna Paulowna
- Zum Tierpark kann man fahren.
Im Gegensatz zu den anderen Läden hat der Lidl bereits um 8:00 Uhr geöffnet. Dort kaufen wir für 1,20 € vier Bananen – das ist wirklich preiswert. Bei anderen Lebensmitteln sieht es allerdings anders aus. Vieles ist deutlich teurer als in Deutschland: Kokosmilch beispielsweise kostet 1,90 €, TUC-Kekse 2,90 €. In einer Bäckerei gibt es Kaasbollen – käsegefüllte Brötchen aus Hefeteig. In einem Second-Hand-Kleidungsladen dagegen gibt es extrem günstige Klamotten. So richtig viel mehr scheint der Ort – zumindest hier vorne bei der Kleinen Sluis – nicht herzugeben.
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