Damals waren wir Globetrotter – 38 Jahre nach dem Philippinen-Treffen
Warten am Freibad
Jetzt wird es spannend. In sieben Minuten, um halb zwei – spätestens aber um dreiviertel zwei – wollen wir Christiane und ihren Mann treffen. Alles spricht dafür. Schließlich hat mir Christiane am 29. Dezember – na ja, fast ein halbes Jahr her – eine E-Mail geschrieben, dass sie sich den Termin freihalten, nichts vorhaben und sich auf unser Wiedersehen freuen. Eine Absage hat es nie gegeben, also sind wir voller Vorfreude und gehen ganz selbstverständlich davon aus, dass es gleich klappt.
- Parkplatz Am Freibad
- Schatten gibt es nur an der Mauer.
Wir müssen hier ja nicht stehen und warten, also gehen wir – die Straße ständig im Blick – Richtung Osten in den kleinen Park. Aber selbst unter den Bäumen dort ist es unerträglich heiß. Das mit der Hitze ist aber nicht das Schlimmste. Viel schlimmer ist, dass man bei solchen Lichtverhältnissen – selbst mit einer guten Spiegelreflexkamera – praktisch nicht mehr fotografieren kann. Das Licht ist nicht mehr „hell“, sondern brutal gleißend. Die Bilder verlieren jegliche Abstufung. Gesichter werden zu strukturlosen Flächen ohne irgendeine Zeichnung und gleichzeitig saufen die Schatten gnadenlos ab, werden zu tiefem Schwarz, in dem keinerlei Details mehr zu erkennen sind. Der Dynamikumfang übersteigt schlicht alles, was – auch ein guter – Sensor gleichzeitig in hell und dunkel erfassen kann.
Je nach Umgebung kippt die Farbstimmung nun radikal, im Sonnenlicht werden die Bilder blau, im Schatten unter den Bäumen grün. Am Ende wird auch mir klar: Bei dieser Art von Mittagslicht gewinnt nur die Physik – man kann sie zwar etwas zurückdrängen, aber niemals wirklich besiegen. So ein krasses Licht habe ich noch nicht mal in Afrika erlebt.
- Licht-und-Schatten-Spiele
- Im Kurpark von Bad Essen
„Straße Am Freibad“ war ausgemacht, also gehen wir wieder zurück Richtung Auto. In der Hitze werden die Minuten zu Stunden. „Wo bleiben die bloß?“
Wiedersehen mit Christiane
Eben fährt ein dunkles Auto vorbei. Susanne meint – obwohl sie Christiane vor dreißig Jahren zuletzt gesehen hat: „Ich hab sie gesehen.“ Aber als weiter vorne ein schwarzes Auto einparkt, ist die Frau, die aussteigt, ganz sicher nicht Christiane. Im nächsten Auto sitz nur eine Person drin und in dem, das jetzt neben uns einparkt, eine Mutter mit Kind und Schwimmreifen. Nichts! Als Dreiviertel vorbei ist, versucht Susanne, Christiane anzurufen, aber da kommt nur die Meldung: „Der Teilnehmer ist derzeit nicht erreichbar.“ „ Mist!“
Wie wir so grübeln kommt vom Park her – also dort, wo wir eben waren – eine Frau und – ich weiß nicht warum – mein Blick rastet sofort ein. Es ist Christiane. Ein paar Schritte noch und dann fallen wir uns in die Arme. Susanne hatte recht – es war tatsächlich die Frau, die sie vor ’ner Viertelstunde hier hat vorbeifahren sehen. Christianes Mann parkt nämlich, weil ich „am Freibad“ sagte, nicht in der Straße „Am Freibad“, sondern direkt vorm Freibad-Eingang, und der ist in der Platanenallee.
Fünf Minuten später sind wir dann aber alle vier komplett. Für Christianes Mann, den Susanne noch nie und ich bisher nur einmal gesehen hab (vor 14 Jahren bei einer Ausstellung in der Augsburger Puppenkiste), gibt es gar keine Alternative. Er muss den Gästen, die auf der Rückfahrt von Nordholland nach Bayern „diesen riesen Umweg“ auf sich genommen haben, was bieten. Gleichzeitig ist aber auch klar: „In die Stadt können wir nicht, dazu ist es viel zu heiß!“ Was dann? „Wir könnten ’ne Pizza essen, habt ihr Hunger?“ „Super!“, aber „Da Toni“, direkt am Freibad, macht erst um halb sechs auf.
So gehen wir zum Abkühlen erst mal in den Park, um uns im SoleArena-Brunnen erfrischen. Der salzhaltige Sprühnebel wirkt ohne Weiteres, auch bei einem spontanen Besuch. Mit freien Bronchen und erfrischtem Teint lässt es sich gleich viel besser entscheiden, was wir tun wollen.
- Christiane und Susanne
- Erfrischender Nebel
Entscheidung für den Rila Park
„Wir könnten doch“, meinen unsere Gastgeber, „in den Rila Park nach Stemwede-Levern fahren.“ Dort hat eine Firma, die Lebensmittel importiert und produziert, eine besondere Garten- und Erlebnislandschaft geschaffen, wo die Herkunftsländer der Produkte nicht nur kulinarisch, sondern auch atmosphärisch und gestalterisch erlebbar gemacht wurden. Verschiedene Themenwelten laden dazu ein, die Vielfalt internationaler Gewürze und Spezialitäten in einem passenden Umfeld zu entdecken.
Eine bessere Idee hätten sie wohl kaum haben können, um jemanden zu überraschen, der seine Reiseeindrücke seit Kurzem unter dem Motto „Auf 80 Tellern um die Welt“ verarbeitet – und der Christiane vor 38 Jahren auf einer Globetrotter-Reise auf den Philippinen kennengelernt hat. „Klasse Idee! Das machen wir!“ Normalerweise ist der Rila Park von Bad Essen aus in 20 Minuten erreichbar, aber unser Chauffeur kennt eine Abkürzung. Das Ergebnis: Wir sind zwar nicht schneller da, aber dafür kennen wir jetzt das Gebiet zwischen Bohmte, der B 65 und der Landesgrenze zu Nordrhein-Westfalen – einschließlich fluchender Trekker-Fahrer (die Wege sind für nichtlandwirtschaftlichen Verkehr gesperrt) und hilflos gestrandeten Autofahrerinnen bis ins Detail.
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