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Stichting Leeuw


Wo Großkatzen eine zweite Chance bekommen


Neben der Stiftung SOS Dolfijn, die sich seit Jahren um Wale kümmert, sie gesund pflegt und anschließend wieder auswildert, gibt es in Landgoed Hoenderdaell eine weitere wichtige Rettungsstation: die Stichting Leeuw. Hier werden Raubkatzen wie Löwen, Tiger und Leoparden aufgenommen. Viele dieser Tiere stammen aus ehemaliger Zirkushaltung, aus Kriegs- und Konfliktregionen oder aus Situationen, in denen sich Menschen einfach nicht mehr um sie kümmern konnten oder durften. Der Bereich um Stichting Leeuw ist dabei besonders ungewöhnlich gestaltet. Die Gehege sind vollständig verkleidet und teilweise mit Efeu bewachsen. Auf unterschiedlichen Höhen befinden sich kleine Gucklöcher, durch die man die Tiere beobachten kann. So entsteht ein sehr spezieller, fast versteckter Blick in ihre Welt.

Neben jedem dieser Gucklöcher wird in drei Sprachen, die Lebensgeschichte des jeweiligen Tieres erläutert. Das wirkt nicht wie reine Information, sondern fast wie eine Form der Würdigung. Und genau darin liegt der Unterschied: In klassischen Zoos sieht man – zwar auch mit Namen versehen – Vertreter einer Art – hier in Hoenderdaell dagegen begegnet man individuellen Persönlichkeiten mit einer ganz eigenen, oft tragischen Geschichte.

Muba


Muba z.B. ist eine weiße Bengal-Tigerin aus der Slowakei. Sie wurde im September 2021 aus einem Hotel-Resort gerettet, in dem Großkatzen als Attraktion für Gäste gehalten wurden. Das Resort wurde von den Behörden geschlossen, und für die dort gehaltenen Löwen und Tiger mussten dringend neue Unterkünfte gefunden werden. Für Tiere, die nicht rechtzeitig vermittelt werden konnten, drohte die Einschläferung. – Um welches Resort es sich dabei handelte, wird nirgendwo genannt. Warum eigentlich nicht?

Nach einer Rettungsaktion der Stiftung Stichting Leeuw wurde die damals vierjährige Muba nach Anna Paulowna gebracht. Muba schielt etwas, was „weißen“ Tigern als Folge von Überzüchtung und Inzucht (man wollte ja unbedingt weißes Fell) wohl häufiger vorkommt. Weiße Tiger sind also keine eigene Art, sondern eine – häufig menschgemachte – Mutation.

Zòya, Chimène und Dembé


Exemplarisch hier noch die Lebensgeschichte dreier weiterer Tiere in der Stichting Leeuw im Landgoed Hoenderdaell:

  • Die junge Löwin Zòya beispielsweise wurde aus Polen abgeholt. Sie befand sich zuvor bereits mehrere Monate im Zoo in Posen, wohin sie nach ihrer Rettung aus einem Kriegsgebiet in der Ukraine gebracht worden war. Zòya ist eine verspielte und unheimlich neugierige Löwin, die ihre Umgebung aufmerksam und lebhaft erkundet.
  • Die Tigerin Chimène kam 2023 hierher. Sie stammt aus einem Zirkus in Frankreich, wo sie vermutlich zur Zucht eingesetzt wurde. Chimène ist relativ klein und an ihrem leicht schiefen Unterkiefer zu erkennen, wodurch stets einer ihrer Eckzähne sichtbar bleibt. Glücklicherweise scheint sie dadurch aber nicht beeinträchtigt zu sein. Sie kann alles fressen, was eine Tigerin eben so fressen sollte, und wirkt insgesamt stabil und ruhig.
  • Der Löwe Dembé wurde vermutlich 2018 geboren und stammt aus der Ukraine. Er kam im März 2022 nach Hoenderdaell. Dembé ist ein selbstbewusster Löwenmann, der – wenn sich die Gelegenheit bietet – gerne einmal Dinge umgestaltet, auch wenn sie eigentlich nicht zur Umgestaltung vorgesehen sind.

Ozzy, Shanel und Nero


In Stichting Leeuw im Landgoed Hoenderdaell leben u. a. auch die Pumas Ozzy (2013) und Shanel (2019) sowie der Leopard Nero (2012). Alle drei stammen aus einer privaten Haltung in der Slowakei und kamen im September 2025 nach Hoenderdaell. Zuvor lebten sie bei einem Besitzer, der die Tiere privat hielt. Nach seinem Tod wandte sich seine Tochter an die Einrichtung in Anna Paulowna, um eine sichere Unterbringung für die Tiere zu organisieren.

Besonders tragisch ist der Umstand, wie der Besitzer gestorben ist. Nach allem, was bekannt ist, deutet vieles darauf hin, dass er offenbar zu Nero ins Gehege stieg, was er dann nicht überlebte. Im August 2024 berichtete ZDF-heute über einen solchen Vorfall. Ob es sich dabei tatsächlich um Nero und dessen Besitzer handelt, kann ich natürlich nicht sagen. Eines aber ist sicher: So tragisch ein solcher Unfall auch ist, der Besitz eines Tieres bedeutet nicht automatisch, dass man auch sicher mit ihm umgehen kann. Erfahrung, Wissen und der richtige Umgang sind bei Großkatzen entscheidend – und nicht nur die Tatsache, dass man sich ein Tier leisten kann. Heute leben Ozzy, Shanel und Nero in der Auffangstation der Stichting Leeuw, wo sie versorgt werden und – soweit möglich – ein deutlich stabileres und besser betreutes Leben führen als zuvor.


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