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Mehr als nur Tiere anschauen


Zwischen Kinderlärm, Tropenhaus und Abschied

Landgoed Hoenderdaell – Spielplatz


Zwischen den efeuumwachsenen Gehegen der Stichting Leeuw und dem Restaurant Leeuw gibt es einen riesigen familienfreundlich gestalteter Spielplatz, groß wie zehn Tennisplätze. Die Kinder haben hier reichlich Raum zum Klettern, Rutschen und Toben, während die Erwachsenen direkt daneben sitzen und den Blick über den Park oder die angrenzenden Bereiche schweifen lassen können.

Typisch für Hoenderdaell ist auch hier die Kombination aus Natur, Gastronomie und Erlebnis: Der Spielplatz ist nicht als isolierter „Kindergartenbereich“ gedacht, sondern als integraler Teil des Aufenthalts. Man sitzt im Restaurant oder auf der Terrasse, hat etwas zu essen oder zu trinken – und gleichzeitig das Gefühl, mitten im Parkgeschehen zu sein. Mir – aber auch Susanne – ist der Lärmpegel hier allerdings deutlich zu hoch.

Landgoed Hoenderdaell – Tiere am Weg Richtung Ausgang


11:30 Uhr. So, genug gesehen. Bis zum Ausgang sind es laut Plan immerhin noch gut zwei Kilometer. Die wollen schließlich auch erst einmal gelaufen werden. Der Rückweg führt uns an den Rentieren vorbei und danach statten wir den Braunbären einen zweiten Besuch ab. Bei den Wölfen haben wir kein Glück. Irgendwo werden sie sich aber schon aufhalten, nur zu sehen bekommen wir sie nicht. Etwas mehr Bewegung herrscht bei den Hudson-Hörnchen. Sie flitzen ununterbrochen unter dem Boden hindurch, auf dem wir gerade stehen. Kaum da, sind sie schon wieder verschwunden, bevor ich den Fotoapparat auch nur annähernd ausgerichtet habe. Fotografieren? Zwecklos.

Nasenbär und Brillenkaiman


Nach rund anderthalb Kilometern erreichen wir die Nasenbären. Einer von ihnen verliert beim Laufen immer wieder das Gleichgewicht und kippt dann zur Seite. Laut der Informationstafel stammt er aus schlechter Haltung und hat eine bleibende Beeinträchtigung. Ansonsten, so heißt es, gehe es ihm aber gut und er werde entsprechend versorgt. Trotzdem sieht man ihm nur ungern zu. Unwillkürlich hofft man bei jedem Schritt, dass er diesmal nicht wieder umfällt. Gerade solche Tiere zeigen, dass Hoenderdaell nicht nur ein Tierpark ist, sondern für viele seiner Bewohner eine letzte Zuflucht. Manche Tiere werden wohl nie wieder ganz gesund werden – aber hier haben sie zumindest die Chance auf ein deutlich besseres Leben als zuvor.

Von dort sind es nur noch wenige Schritte bis zum Tropenhaus. Kaum treten wir durch die Tür, schlägt uns eine Wand aus Hitze, Feuchtigkeit und einem schweren, süßlich-modrigen Geruch entgegen. Die Luft ist derart warm und gesättigt, dass man jeden Atemzug fast kauen muss. Das mag für manche Tiere und Pflanzen genau richtig sein, uns dagegen ist es schlicht zu viel. Wir schauen uns nur kurz an, wechseln einen Blick und sind uns sofort einig: Raus! Das Foto vom Brillenkaiman habe ich daher nur gemacht, damit ihr hinterher auch glaubt, dass ich das Tropenhaus tatsächlich betreten habe. Viel länger als bis zu seinem Gehege habe ich es da drin aber nicht ausgehalten.

Kamele und Pelikane


Vom Tropenhaus führt der Weg – wenn man gegen den Uhrzeigersinn geht – zunächst an den Pelikanen vorbei. Mit ihren riesigen Schnäbeln und dem ausladenden Kehlsack gehören sie zu den auffälligsten Wasservögeln des Parks. Im Moment sind sie damit beschäftigt, mit erstaunlicher Geschicklichkeit ihr Gefieder zu putzen.

Anschließend geht es um das Kamelgehege. Hier leben Trampeltiere, also die zweihöckrigen Kamele aus den Steppen und Halbwüsten der Mongolei und Chinas. Anders als viele andere Tiere in Hoenderdaell gehören sie offenbar nicht zu den großen Rettungsgeschichten des Parks. Vielmehr handelt es sich wahrscheinlich um Tiere aus zoologischen Zucht- oder Austauschprogrammen. Sie sind einfach da – nicht, weil sie gerettet werden mussten, sondern weil der Park den Besuchern diese beeindruckenden Tiere näherbringen möchte.

Noch einmal Erdmännchen


Dann sind wir wieder am Ausgang. Inzwischen sind auch die Erdmännchen wach und besinnen sich auf ihre eigentliche Aufgabe – oder sie prüfen einfach nur, ob wir jetzt wirklich endgültig verschwinden und das Gelände wieder verlassen.

Jetzt kommt, was kommen muss: Kein Besuch eines Zoos, keine Sehenswürdigkeit und kein Ort, ohne dass Susanne zum Abschluss im Souvenirladen noch irgendetwas mitnehmen muss. Im Fall von Landgoed Hoenderdaell ist es ein Kühlschrankmagnet. Klein, unscheinbar – und doch – zumindest für sie – offenbar genau das richtige Stück Erinnerung für zu Hause.

Landgoed Hoenderdaell – Resümee


Um fünf vor halb eins gehen wir wieder raus. Unterm Strich bleibt der Eindruck eines etwas anderen Tierparks, den man gesehen haben muss. Landgoed Hoenderdaell ist kein klassischer Zoo, in dem man einfach nur von Gehege zu Gehege läuft, sondern ein weitläufiges Gelände mit viel Grün, Raum und vielen Tieren mit ganz unterschiedlichen Geschichten. Besonders hängen blieb bei uns die Mischung aus naturnah gestalteten Anlagen, den Rettungs- und Auffangstationen und den Begegnungen, die einem manchmal näher sind, als man es erwartet. Nicht alles ist perfekt oder makellos inszeniert, aber genau das macht einen Teil des Charakters aus. Am Ende bleibt der Eindruck eines ruhigen, ungewöhnlichen Tierparks, der weniger auf große Effekte setzt, sondern auf Nähe, Platz und – zumindest bei vielen Tieren – auf eine zweite Chance.

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