Dem Omleidings-Fluch zuwider
Endlich Richtung Nordholland
Über den Markerwaardijk Richtung Anna Paulowna
Um zwei fahren wir weiter Richtung Lelystad und hinaus auf den Markerwaarddijk, vorbei an der 26 Meter hohen Skulptur „Exposure“, die einen Mann in durchaus interpretierbarer, hockender Position darstellt. Was Künstler Antony Gormley sich dabei gedacht hat und was er darstellen wollte, wird mir leider nicht ganz klar.
- Hockender Mann blickt aufs …
- … Meer.
Dann folgt diese endlose, schnurgerade Linie durch Wasser und Himmel, links Markermeer, recht IJsselmeer.
- Links Markermeer
- Rechts IJselmeer
Am Roadhouse „Checkpoint Charlie“ machen wir eine kurze Pause. Es ist eine dieser strategischen Pausen, bei denen nicht nur Kaffee, sondern auch die letzten Überreste kulinarischer Reiseproviantreste entsorgt werden – in unserem Fall verabschieden wir uns endgültig von unseren ausgemusterten Hackfleischküchle.
- Kleine Pause für uns …
- … und auch kleine Pause für den Panda
Dann sind wir auf der anderen Seite des Markerwaarddijk schon in Nordholland. Gerade eben zieht noch ein Motorradfahrer mit geschätzten 160 km/h an uns vorbei – auf einer N-Straße, die laut Theorie eher 80 sehen möchte.
Nur noch 70 km
Enkhuizen – nur noch 70 Kilometer. Nicht einmal mehr eine Stunde bis Anna Paulowna – und das nach über 900 Kilometern insgesamt und weit mehr als 400 Kilometern allein heute. Die letzten Kilometer rollen fast wie von selbst dahin. Dabei zeigt unser „Katzabärle“ einmal mehr, warum er das perfekte Reiseauto ist. Solche Dahin-Roll-Kilometer im fünften Gang frisst er mit stoischer Gelassenheit, ohne zu murren, ohne zu klagen.
Erst über die N 307 bis nach Hoorn, dann ein Stück A 7 bis Wieringerwerf und schließlich über die schnurgerade N 204 nach Anna Paulowna. Polder, Kanäle, Wiesen, Windräder – und eine Landschaft, die so flach ist, dass man morgens schon sieht, wer nachmittags zum Kaffee kommt. Der Wahnsinn von Harderwijk liegt inzwischen auch schon wieder zwei Stunden hinter uns und ist schon fast vergessen. Viel kann hier nicht mehr passieren. Jetzt zählt nur noch „ankommen“. Noch ein paar Minuten. Dann heißt es endlich: Motor aus, Koffer raus und Urlaub. Doch dann hör ich die Stimme von rechts: „Wir sind noch nicht da!“
- Flache Landschaft in Nordholland
- Keine Durchfahrt möglich
„Ach was, hast Du eben das Ortsschild gesehen?“ Ich hab‘ den Mund noch nicht zu, dann Zack, 100 Meter später ist die Straße gesperrt. „Nicht mit mir“, denk ich. „Das ignorier‘ ich einfach – hat in Ermelo ja auch funktioniert“ – doch dann stehen wir plötzlich in einer Baustelle, durch die man auch mit einem perfekten Reiseauto nicht mehr durchkommt.
- Baustelle
- Hier passen wir nicht durch.
Also wieder mal „Omleiding“. Über Oudesluis gelangen wir schließlich auf die N 249 und rollen so gegen halb fünf in Anna Paulowna ein. Da wir noch genügend Zeit haben, einchecken ist spätestens 19:00 Uhr, will ich schon einmal erkunden, wo man morgen am Bahnhof am besten parken kann, wenn wir mit dem Zug nach Amsterdam wollen.
Vorsorglich habe ich zu Hause bereits die GPS-Koordinaten möglicher Parkplätze unter „Anna Paulowna Bahnhof 1“ und „Anna Paulowna Bahnhof 2“ ins Navi eingespeichert. Penible Vorbereitung ist schließlich die halbe Miete – theoretisch. Praktisch landen wir aber mitten in einem Wohngebiet. Offenbar habe ich mich beim Eintippen der Koordinaten vertan. Jetzt reicht‘s langsam. Nach einem Tag voller Sperrungen, Umleitungen, widersprüchlicher Beschilderungen und Navigationskapriolen ist jetzt auch noch der Bahnhof verschwunden.
Aber damit noch nicht genug: Zum Hoenderdaell Zoo, den wir eigentlich morgen besuchen wollten und wo inzwischen auch SOS Dolfijn seine neue Heimat gefunden hat, kommt man ebenfalls nicht. Am Kreisverkehr ist die Ausfahrt über die Kleine Sluis nach Wieringerwaard nämlich auch gesperrt. Also können wir den Tierpark morgen auch knicken. Langsam beschleicht uns der Verdacht, dass wir in ein Paralleluniversum geraten sind, in dem alle Straßen grundsätzlich gesperrt sind und alle Navigationsgeräte nur dazu dienen, Auto- und deren Beifahrer in den Wahnsinn zu treiben. Doch irgendwie passt das auch zum Tag, und da kann ich Andreas Brehme nur zustimmen, der während der WM 1990 gesagt haben soll: „Hast du Scheiße am Schuh, hast du Scheiße am Schuh.“ und in meinen Analen wird der 17. Juni 2026 wohl der Tag sein, an dem der Brehme-Satz auch für mich zutrifft. Sollte jetzt noch irgendwer, irgendwo „afgesloten“ sagen, kann ich für dessen Sicherheit nicht mehr garantieren.
- Wieder ein leidiges Omleiding
- Gesperrte Schleusenbrücke
Die Herfahrt mit den gefühlt tausend Umleitungen hat uns den letzten Nerv geraubt. Erst die Sperrungen auf der A 12 und A 30, dann die Fahrt über die Dörfer bis zum Kreisverkehr, wo’s nicht mehr weiter ging und schließlich der geplante Besuch in Harderwijk, den wir komplett streichen mussten, weil einfach kein Durchkommen war. Das hat die Stimmung ziemlich gedrückt und wir sind ziemlich frustriert.
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