Homepage / Suche / Gästebuch / Impressum

Donnerstag, 26. Juni 2025



Pünktlich um 12:00 geht dann die eigentliche Whalewatching Tour los, im Hafen noch vorbei an zahllosen Segeljachten. An einem Mast klettert einer nach oben. Ich frage mich, was er da oben macht. Eine Kontrolle? Eine Reparatur? Keine Ahnung. Für mich mit meiner Höhenangst wäre das allerdings viel zu riskant – aber der scheint genau zu wissen, was er tut.

Altes Navi vs. Meer – Positionserkennung im Test


Heute will ich mal was ausprobieren: Ich hab vorm Urlaub mein altes Falk 550 Navi aus dem Schrank geholt und per USB an eine 10.000 mAh-Powerbank von JETech geklemmt. Der Plan: Das Ding soll uns unterwegs – ohne den vom Auto gewohnten Stromanschluss – mehrere Stunden lang zeigen, wo wir uns gerade befinden. Auch auf dem Meer! Mal sehen, ob das Ding tatsächlich so funktioniert, wie ich mir das zu Hause ausgedacht habe. Ich weiß es nicht, aber probieren kann man’s ja mal!

12:18 Uhr Bis jetzt aber läuft’s erstaunlich gut. Zwei Positionen hab‘ ich – mit Uhrzeit! – in „Anwendung, Position merken „schon gespeichert: 12:09, 43.796952, 7.799043, zweieinhalb Kilometer vor Sanremo und 12:18 Uhr, 43.759395 7.817092, acht Kilometer weit draußen.

Ich bin total happy. Das GPS-Signal ist stabil, die Powerbank zeigt noch Reserven, und das Display ist auch bei Sonne halbwegs ablesbar. Und das Beste: Ich kann die jeweilige Position abspeichern.

Delfine


12:32 Uhr, 43.706434 7.789321, Position exakt 12,3 Kilometer südlich von Sanremo. Wir dürften jetzt genau am Übergang vom Kontinentalschelf in die tieferen Gewässer sein. Das Wasser wird dunkler, die Wellen rhythmischer. Es fühlt sich irgendwie anders an, jedenfalls ruhiger als vorher. Erwartung liegt in der Luft.

Hier, am Rand des Kontinentalschelfs sollen sich Delfine besonders gerne aufhalten, weil hier wegen Strömungen, Nährstoffauftrieb und Artenvielfalt besonders gute Jagdbedingungen herrschen sollen. Genau aus diesem Grund ist das Ligurische Meer ja auch einer der Hotspots im Mittelmeer, wo man Delfine (und Wale) beobachten kann. Ob es auch heute so ist?

Am Übergang vom flachen Schelf, der in Ligurien sehr schmal ist, d.h. dass der Meeresboden nur wenige Kilometer von der Küste entfernt steil abfällt, kommt es zu aufsteigenden Wassermassen (Upwelling), die nährstoffreiches Tiefenwasser an die Oberfläche bringen.

Das fördert die Planktonblüte, die wiederum Fische und Tintenfische anlockt – und damit Delfine und Wale. So kann man hier bereits auf kurzen Bootsausflügen viele Meeressäuger beobachten. Soweit die Theorie. Aber ob das auch stimmt und wir heute Delfine sehen?

Nachtrag
Zu Hause lese ich dann den in ScienceDirekt 2008 erschienenen Artikel „Habitat use and preferences of ceteceans along the continental slope and the adjacent pelagic waters in the western Ligurian Sea“ von A. Attelino, S. Gaspari, S. Airoldi und B. Nani.In dieser Studie wurde untersucht, wie Wale und Delfine im westlichen Ligurischen Meer ihren Lebensraum nutzen – besonders entlang des Kontinentalhangs und in den offenen Meeresbereichen daneben. Die Daten stammen von Sichtungen, die über mehrere Jahre hinweg gesammelt wurden, zum Teil von einem Walbeobachtungsboot aus.Insgesamt wurden acht verschiedene Wal- und Delfinarten beobachtet, darunter der Streifendelfin, der Große Tümmler, der Pottwal und der Cuvier-Schnabelwal. Es zeigte sich, dass viele Arten bestimmte Tiefen und Hanglagen bevorzugen – zum Beispiel leben manche eher am oberen, andere am unteren Teil des Hangs.Manche Arten teilen sich das Gebiet so auf, dass sie sich nicht in die Quere kommen – vermutlich, weil sie ähnliche Nahrung bevorzugen. Bei einigen Delfinarten wurde auch festgestellt, dass sie zu unterschiedlichen Zeiten in denselben Lebensräumen unterwegs sind.

Außerdem stellte sich heraus, dass sich die Nutzung des Lebensraums je nach Jahr und Jahreszeit verändert – wohl wegen Veränderungen in der Umwelt, z. B. durch Klimaschwankungen oder Beutetiere. Arten, die in Gruppen jagen, passen ihr Verhalten offenbar besonders stark an solche Bedingungen an.

Und dann, 12:47 Uhr! Tatsächlich! Streifendelfine! 14 Kilometer südlich von Sanremo, Kurs 186! Erst nur ein paar Rücken, dann eine ganze Schule. Ich bleibe auf dem Auslöser. Serienmodus an, der Autofokus sitzt.

Acht Minuten bleiben sie bei uns, springen, gleiten durchs Wasser, reiten in den Bug- und Heckwellen – und dann, so schnell wie sie gekommen sind, sind sie auch wieder weg.

Meeres-Schildkröten (Caretta Caretta)


Nur drei Minuten später wieder ein Glücksmoment: Haben wir uns eben noch über die Delfine gefreut, schiebt sich jetzt eine urzeitliche Silhouette aus dem Blau: Brauner Panzer, kräftige Flossen: Caretta Caretta. Eine Unechte Karettschildkröte, einfach so, direkt neben dem Boot. Sie taucht ruhig auf, ganz gemächlich. Keine Hast, kein Fluchtreflex. Einfach nur Präsenz.

< zurück umblättern >

Di 24. Jun Mi 25. Jun Do 26. Jun Fr 27. Jun Sa 28. Jun So 29. Jun Mo 30. Jun Di 01. Jul
Zwischen Nacht und neuem Tag
Delfin-Tour – Die Vorbereitungen
Delfin-Tour – Raus aufs Meer
… und noch einmal Delfine
Delfin-Tour – Nach erfolgreichen Sichtungen: Kurs zurück
Zurück in Cervo
Pizza, Plackerei und Partylärm

Einen Kommentar schreiben