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Donnerstag, 18.8.2016 – Teil 1

Fahrt zum Caminito del Rey


Also ich um 5:45 Uhr aus dem Hotel gehe schläft natürlich noch alles. Ich habe auch heute wieder ein großes Programm vor, sodass mir gar nichts anderes übrig bleibt, als so früh zu starten. Obwohl es noch vor 6:00 Uhr ist, hat es bereits schon wieder 23 °C.

Mein erstes Ziel heute ist der Caminito del Rey, ein spektakulärer Weg, der in etwa 100 m Höhe an einer senkrecht abfallenden Felswand verläuft. Dazu geht es von Jerez de la Frontera erstmal Richtung Nordwesten. Die Autobahn ist menschenleer. Zum Frühstück gibt’s den Apfel, den ich gestern Abend noch gekauft habe. Die Müdigkeit liegt mir schwer auf den Augen. Ich werd´ wohl bald einen Kaffee trinken müssen. Die Stimme ist auch ziemlich im Eimer. Offenbar hat se durch die Wechsel Klimaanlage im Auto, Affenhitze draußen etwas gelitten.

Bei Kilometerstand 5236 habe ich irgendwo in der Pampa getankt. Die Uhr zeigt 6:14 Uhr. Kurze Zeit später fahre ich über einen Ausläufer des Embalse de Bornos, eines riesigen Stausees, um den herum sich ein Feuchtgebiet von hohem ökologischen Wert entwickelt haben soll und das inzwischen zum Naturschutzgebiet erklärt wurde. Zahlreiche geschützte Vogelarten sollen hier nisten. Leider sehe ich das Feuchtgebiet nur auf dem Bildschirm Navis und nicht in echt, denn bis zum Sonnenaufgang ist es noch mehr als eine Stunde hin.

Zwei Lieder kommen mir immer wieder in den Sinn, das eine ist „Come on. Come on and turn your radio on“ und dann natürlich Fritz Wunderlichs „Granada“. Ja, ich fahre heute, wenn ich den Caminito del Rey hinter mir habe, wirklich nach Granada. Hoffe bloß, dass sich da besser parken kann als gestern in Cádiz, das war ja eine absolute Zumutung, vor allem die engen Parklücken im Parkhaus San Antonio.

Die Straßenmarkierung Richtung Caminito del Rey ist jetzt um 6:42 Uhr so schlecht, dass man praktisch im Blindflug fährt, vor allem, wenn dir wie jetzt einer hinten dranhängt und in den Rückspiegel blendet. Und es sind die gleichen wie auch in Deutschland: Audi! Das nervt, wenn die Typen so dicht hinter dir fahren, dass du unter ihren Scheinwerfern jede einzelne „Perle” der charakteristischen „Audi-Perlenketten” sehen kannst.

Zwischen Teba und Ardales


Ich bin jetzt etwa 30 km von Ronda entfernt. Da war ich bereits am Sonntag. Die Straßenmarkierungen sind immer noch hundsmiserabel. Zum Glück wird´s jetzt aber langsam hell. Man kann bereits die Umrisse der Berge sehen. Kurze Zeit später, es ist 7:27 Uhr, ist es hell genug, um zu sehen, wie – bei freier Sicht – in West-Südwest der Vollmond untergeht und 18 Minuten später auf der anderen Seite die Sonne auf.

Der Weg zum Caminito del Rey wird – besonders nach den Stauseen Embalse del Conde de Guadalhorce und Embalse del Guadalhorce – extrem verwinkelt und kurvenreich. Nicht nur das, jetzt muss mir auch noch eine Gämse, eine Bergziege oder irgendwas in der Art vors Auto rennen. Voll konzentriert auf die Vollbremsung und darauf, das Auto nicht ausbrechen zu lassen, konnte ich die Art des Tieres, das panisch über die Leitplanke setzte und den Hang hinunter lief, nicht eindeutig erkennen.

Caminito del Rey


An Nordende des Stausees Embalse Tajo de la Encantada, dort wo der Rio Guadalhorce die Gaitanas-Schlucht durchfließt, bin ich an meinem ersten Ziel, einem ehemaligen Versorgungsweg für ein Wasserkraftwerk. Wegen eines Versorgungsweg fährst Du 160 km? Ja, dafür fahr ich 160km. Denn dieser Versorgungsweg war ein besonderer Versorgungsweg. Hier wurde in den Jahren 1091- 1905 in etwa 100 (!) Metern Höhe ein Steig gebaut, über den sich die Arbeiter hinüber trauen mussten, wollten sie ein dort im Bau befindliches Wasserkraftwerk mit Material versorgen. Ich stell mir grad vor, wenn die Untersuchung der Arbeiter damals die soft skills „Höhenangst“ oder gar „wacklige Knie“ zu Tage förderten. Das war dann bestimmt nicht berufsfördernd.

Knapp 100 Jahre später ist der Steig Herausforderung für „Abenteurer“, die beruflich eben nicht mehr so ausgelastet sind, wie die Arbeiter seinerzeit. Diese „Abenteurer“ holen sich am Caminito del Rey den ultimativen Kick! Nicht ohne Folgen. Aufgrund des im Laufe der Zeit immer schlechteren Zustands des Steigs kam zu zahlreichen tödlichen Unfällen, sodass die Junta de Andalucía (die Regierung von Andalusien) 2001 die Zugänge sperrte und Strafen bis zu 6000 € androhte, sollte jemand den Steig betreten. Dennoch nutzten Uneinsichtige den bröckelnden und teilweise gar nicht mehr vorhandenen Steig für ihre Touren. (Anmerkung: Ich würde den Steig noch nicht mal betreten, wenn man mir vonseiten der Regierung die 6000 € gäbe.)

Am 28.3.2014 wurde ein neuer Weg – teils mit Glasplatten für den direkten Blick nach unten – offiziell wiedereröffnet. Der Besuch ist streng reglementiert. Maximal 400 Leute pro Tag dürfen den Steig begehen. Gekostet hat das Ganze übrigens um die 2,5 Millionen Euro. Aber guckt euch mal den Steg an. Die müssen doch einen an der Klatsche haben, die dort freiwillig gehen und dann auch noch Eintritt für bezahlen. Schaut euch doch mal die Stufen rechts an. Da geht doch keiner freiwillig. Und noch was: Den Namen „Caminito del Rey“ hat der Steig daher, weil König Alfonso XIII 1921 den Weg adelte, indem er auch mal drüber ging.

Weiter nach Granada


Genug gesehen und fotografiert. Weiter geht´s Richtung Granada. Bis Campilos fahre den gleichen Weg, den ich gekommen bin, wieder zurück. Dabei komme ich an der Ermita de Nuestra Señora de Villaverde vorbei, sowie am Embalse del Conde de  Guadalhorce und überquere den Embalse del Guaaltebe.

140 km noch bis Granada. Jetzt brauch ich aber dringend nen Kaffee. Den gönn ich mir kurz hinter Bobadilla im El Canal an der A-384. Der Kaffee kostete 1,30 €. Das Dumme ist nur, ich habe vom Fotografieren vorher auf der Straße gegenüber dem Caminito del Rey noch meine rote Warnweste an und der Geldbeutel – der ist natürlich in der schwarzen Fotojacke im Auto. Da mein Spanisch nicht ausreicht, um die Situation zu erklären, werde ich beim Rausgehen wie ein Zechpreller beäugt. Das legt sich aber sehr schnell wieder, als ich mit der Geldbörse fuchtelnd wieder reinkomme.

Dann folgt eine lange Autobahnfahrt Richtung Granada. Es ist gleißend hell, sodass man kaum die Konturen der Landschaft sieht. Dazu kommen „Staubteufel“, das sind so ne Art Windhosen, die die Sicht auch nicht besser machen. Noch 52 km bis Granada. Die Kilometer nach Granada hat der Fuchs wohl mit dem Schwanz gemessen. Es ist jetzt 10:18 Uhr. Wie lange bin ich jetzt schon unterwegs? 2 Stunden? Drei Stunden? Nee, 4½! Um 5:45 bin ich losgefahren! Um so was zu machen, darf man also nicht nur „halb verrückt“ sein, da muss man schon „voll einen an der Klatsche“ haben. Dazu passt bestens, dass ich wie ein Verrückter „Granada“ gröle. „Kennt ihr Gra – naaaaaaaa – da bei Nacht? – Dam, dam dam, dam – die dam dam – die da-da-da-dam“. Nicht so schön wie Fritz Wunderlich, aber laut und das macht Laune.

Bin ja gespannt was da in der Alhambra auf mich zukommt. Meine größte Sorge ist dass ich im Parkhaus wieder einen so total engen Parkplatz bekomme wie gestern in Cádiz. Das hat mich schon nachhaltig beeindruckt. Wenn es wieder so einer ist wie gestern, kann ich den Alhambra Besuch vergessen und wieder heimfahren. In so einem engen Parkhaus kann ich nicht parken. So etwas ist kriminell.

Richtung Alhambra


Gegen 11.10, inzwischen bin ich 5 ½ Stunden unterwegs, fahre ich auf die A 241a oder E 902 oder A 44. Von hier aus sind es offenbar noch 13 km bis zur Alhambra. Spurwechsel, Einfädeln! Einfädeln! Einfädeln! Geschafft! Die Stadtautobahn in Granada ist eine rechte Freude Autos links und rechts (und gefühlt sogar oben und unten). Da kannst du eigentlich nur die Augen zu machen und fahren. Ich bin jetzt an der Ausfahrt zur N 432 A 92 Richtung Sevilla. Noch siebeneinhalb Kilometer.

11:25 Uhr: Noch 4 Minuten sollen es sein bis zum Alhambra-Parkplatz. Sehen kann ich noch gar nichts. Es geht steil den Berg hoch. Links hätte man einen tollen Blick auf die Stadt Granada, fotografieren kann man aber nicht, da man im Auto zu tief sitzt und eine Mauer die Sicht versperrt. An einem Kreisverkehr, wo ich eigentlich die vierte Ausfahrt nehmen müsste, ist Endstation. Ein Uniformierter fuchtelt wie wild und lotst mich auf den Bus-Parkplatz P 5. Grund: Da alle Pkw-Parkplätze vor der Alhambra überfüllt sind, werden alle Autos, die jetzt noch kommen, auf den Bus-Parkplatz P 5 geschickt. Das hat allerdings den Riesenvorteil, dass man hier etwas mehr Platz hat als gestern in Cádiz.

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