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Würzburg zum Abschied – ein bisschen Würze gibt’s doch noch



Am Kranenkai


Bis zur Abfahrt bummeln wir noch ein wenig am Main entlang und landen am Kranenkai. Seinen Namen verdankt der Kai dem markanten Alten Kranen, einem barocken Hafenkran aus dem Jahr 1773.

Auf den ersten Blick wirkt das Bauwerk wie ein kleiner Festungsturm mit zwei Kranauslegern oben drauf und einem Torbogen im unteren Bereich. Erst beim genaueren Hinsehen wird klar: Das ist tatsächlich ein Kran – und kein Wehrturm. Entworfen wurde die Anlage von Franz Ignaz Michael Neumann, dem Sohn des berühmten Würzburger Baumeisters Balthasar Neumann.

Für seine Zeit war dieser Kran eine beeindruckende technische Meisterleistung. Im Inneren befand sich ein großes Tretrad, das von Menschenkraft angetrieben wurde und über Seilzüge schwere Lasten zwischen Schiff und Ufer bewegen konnte. Besonders clever war die Konstruktion mit den zwei Auslegern: Während ein Ausleger die Waren vom Schiff aufnahm, sorgte der zweite auf der Landseite für den nötigen Gewichts-Ausgleich und verhinderte so eine einseitige Belastung. Zusammen mit dem massiven Kranenhaus entstand so eine stabile Anlage, die schon vor über 250 Jahren in der Lage war, schwere Güter sicher zu verladen.

Geht man durch das Kranenhaus hindurch, hat man einen fantastischen Ausblick auf die Festung Marienberg hundert Meter höher auf der gegenüberliegenden Mainseite.

Die Geschichte der Festung reicht weit zurück. Bereits 1253 war sie die Residenz der Würzburger Fürstbischöfe. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Anlage immer wieder erweitert und umgebaut; um 1600 entstand aus der mittelalterlichen Burg ein repräsentatives Renaissanceschloss. Heute beherbergt die Festung das Mainfränkische Museum sowie das Fürstenbaumuseum und verbindet damit Geschichte, Architektur und Kultur an einem der schönsten Aussichtspunkte Würzburgs.

Der Löwe vom Ludwigsbahnhof


Etwa 80 Meter nach dem Kranenhaus entdecken wir auf einem kleinen Vorsprung am Mainufer eine steinerne Löwenfigur. Auf den ersten Blick wirkt der Löwe wie ein dekoratives Schmuckstück. Dahinter steckt aber eine ganz andere Geschichte: Er verkörpert ein kleines Stück Würzburger Eisenbahngeschichte.

Der Löwe gehörte einst – zusammen mit einem zweiten Exemplar – zum ehemaligen Ludwigsbahnhof. Dort schmückten die beiden Figuren das Dach des Vorbaus zum Wartesaal der 1. Klasse. Heute erinnert der Löwe am Mainkai an eine Zeit, in der selbst Zweckbauten wie Bahnhöfe noch mit viel Liebe zum Detail gestaltet wurden.

Sein „Bruder“, der ebenfalls überlebt hat, steht deutlich versteckter zwischen der Dreikronenstraße und der Leonhard-Frank-Promenade in der Nische eines alten Turmstumpfs auf der anderen Mainseite, etwa dort wo die Laufergasse in die Dreikronenstraße einmündet.

Ob es Glück bringt, die Löwenkrallen zu berühren, wissen wir natürlich nicht – schaden kann es jedenfalls nicht. Viele Besucher scheinen das ähnlich zu sehen, denn die Krallen der Skulptur glänzen auffällig hell und sind fast blank poliert. Vielleicht sind es genau solche kleinen Rituale und unscheinbaren Entdeckungen, die eine Stadt lebendig machen und ihren besonderen Charme ausmachen.

Wenn es der Juliuspromenade schon nicht gelungen ist, uns für Würzburg zu begeistern – dieser Löwe hat es zumindest ein Stück weit geschafft. Natürlich weiß ich, dass man eine Stadt nicht nach zwei Stunden abschließend beurteilen kann. Vielleicht haben wir einfach die falschen Ecken gesehen oder waren zur falschen Zeit am falschen Ort. Mein persönlicher Eindruck bleibt trotzdem: Würzburg hatte an diesem Tag einfach zu wenig Würze für mich. Umso schöner, dass ausgerechnet dieser steinerne Löwe zum Abschluss noch gezeigt hat, dass sich hinter den unscheinbaren Details oft die spannendsten Geschichten verbergen.


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