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Richtung Kleinmaischeid, dort ankommen und durchatmen


Von Aschaffenburg nach Kleinmaischeid


Um viertel vier sind wir wieder am Auto. Noch etwa 190 km bis Kleinmaischeid. Ins Navi als Zwischenstation aber unbedingt „Raststätte Langen-Bergheim“ eintippen, sonst werden wir bei Frankfurt in ein Verkehrsgeschehen geleitet, das wir lieber nicht wollen. Als wir losfahren hat es 24°C. Ein Eichhörnchen kreuzt noch kurz den Parkplatz, als wolle es uns eine gute Weiterreise wünschen.

Das mit der Zwischenstation „Raststätte Langen-Bergheim“ hat offenbar geklappt, denn nach einer Viertelstunde führt uns das Navi bei Mainhausen auf die A 45 und die erweist sich überraschend angenehm – eher eine gut ausgebaute Bundestraße mit Autobahnanspruch. Um vier machen wir an der ENI-Tankstelle in Langen-Bergheim Ost Halt. Hier gibt‘s erneut Hackfleischküchle mit Tomate und gebackenen Feta – kulinarische Konstanz auf der letzten Etappe. Kurz danach, am Gambacher Kreuz stockt der Verkehr dann etwas, löst sich aber schnell wieder auf, als wär nie was gewesen. Ganz anders auf der Gegenfahrbahn: Stillstand in seiner reinsten Form.

Wenig später auf der B 49 trifft auch uns – von Anfang an – der Stau. Gut genug, um zu sehen, dass rechts neben uns vom menschlichen Verkehrschaos völlig unbeeindruckt ein Storch durch die Wiesen stolziert. Susanne versucht, ihn mit dem Handy zu kriegen. „Mach halt‘s Fenster uff. Hosch en?“  „I woiß ned!“

Der Verkehr bleibt zäh, die zweispurige Strecke verengt sich gefühlt zur Dauerbremszone, und natürlich gibt es wieder die bekannten Experten, die nicht wissen, ob sie auf der linken oder rechten Spur eher ein paar Sekunden Zeit gewinnen.

Ankunft im Maischeider Hof


Um fünf vor sechs – Zehn Minuten nach der eigentlich geplanten Zeit – kommen wir im Maischeider Hof in Kleinmaischeid an. Letzte Etappe für heute geschafft. Der Kilometerzähler zeigt 75854, das Thermometer 25°C. Wir checken ein und bekommen Zimmer Nr. 6. „Das ist im ersten Stock, Treppe hoch und dann links.“ Hört sich einfach an, doch wir finden das Zimmer nicht, nur 20-27. Also wieder zurück in Gegenrichtung. Da gibt es aber nur die Zimmer 1 und 2 und dort hinten, wo kein Licht ist, und wo man auch keins einschalten kann, Zimmer 3, 4 und 5 sind da, aber Zimmer 6 gibt’s einfach nicht. Doch dann: gegenüber von Zimmer 1 geht dann noch ein weiterer Flur ab, und dort finde wir’s dann endlich und sind platt!

Das Zimmer ist riesig, ich schätz‘ mal – ohne Übertreibung – 22 m² oder noch mehr. Links ein riesiges Bockspringbett, rechts eine Sitzecke, dazu noch ein Balkon und ein mehr als 5 m² großes Bad.

Wenn ich jetzt noch den Preis nenne, fallt ihr um: Doppelzimmer, Gratis-Parkplatz und Frühstück für zusammen 104 €.

Ein Dorf mit europäischer Geschichte


Nachdem wir angekommen sind, wollen wir unbedingt noch Kleinmaischeid erkunden. Kleinmaischeid, noch nie gehört, muss man das kennen? Die Antwort lautet: Wohl eher nicht. Aber irgendwie möchte doch jeder in irgendeiner Weise einzigartig sein. Und wenn ein Dorf weder ein Schloss noch einen Heiligen oder sonst etwas Vorzeigbares hat, dann sucht man sich eben etwas – und sei es noch so absurd. Dabei hilft gelegentlich das Institut national de l’information géographique et forestière, das seit Jahrhunderten die Welt vermisst: Grenzen, Flächen, Höhen. Und was hat das Institut nun mit Kleinmaischeid zu tun? Gut, zwischen 2004 und 2006 bestand die EU aus 25 Mitgliedstaaten. Einmal kurz den Flächenschwerpunkt berechnet – und schon war Kleinmaischeid Mittelpunkt der EU.

Damit das auch jeder sieht, stellte man flugs ein Denkmal auf: einen 3,50 Meter hohen Zirkel über einer Europakarte, dessen Spitze die Lage von Kleinmaischeid markiert. Gestaltet wurde das Ganze von Gernot Meyer-Grönhof. Der Ruhm hielt jedoch nicht lange. 2007 kamen Bulgarien und Rumänien hinzu, und der EU-Mittelpunkt wanderte rund 125 Kilometer weiter nach Osten, nach Westerngrund in Bayern. Der Beitritt Kroatiens 2013 verschob den Mittelpunkt nur minimal. Erst der Brexit sorgte dann wieder für einen „Ruckler“. Seitdem ist der EU-Mittelpunkt in der Nähe von Würzburg. Der Zirkel in Kleinmaischeid steht aber trotzdem noch.

Abendspaziergang


Na ja, der Burner ist das Denkmal nicht, zumal es ja seit 2006 ja eigentlich gar keine Berechtigung mehr hat. Aber noch etwas die Beine vertreten wollen wir trotzdem. Bei der Planung zu Hause habe ich gesehen, dass-man vom Hotel aus über die Grillhütte, am Iserbach und Mühlgraben entlang bis zum Angelweiher Thalhausen sehr gut laufen können soll. 6 km, also ideal um nach eine langen Autofahrt wieder runterzukommen. Packen wir’s also an. Zunächst geht’s die Iserstraße runter Richtung Wald und Grillhütte. Susanne ist begeistert. Alles ist so still. Man hört nur Vogelgezwitscher: ein Buchfink hier, dort eine Amsel: „Aber kein Kuckuck“, werf‘ ich ein. „Kuckuck haben wir nur zu Hause.“

So schön es auch ist, müssen wir bereits nach kurzer Zeit erkennen, dass das mit der Abendwanderung wohl eine absolute Schnapsidee war. Vom Hotel aus geht’s nämlich nur runter, runter und runter. Und wo’s runter geht, geht’s irgendwo auch wieder rauf. Nach 750 Metern kehren wir um.

Feierabendbier auf dem Balkon


Um Viertel neun sind wir wieder oben im Zimmer und dort nutzen wir unseren Balkon mit dem kleinen, runden Tisch und den zwei Stühlen. Ideal für unser Feierabendbier und die Chips, die wir bei „Fährtle“ immer dabei haben.

Da sitzen wir nun auf dem Balkon, das Feierabendbier in der Hand, und dazu die Chips, die bei jedem Biss dieses leise knirsch-knirsch von sich geben – ein kleines, unkompliziertes Geräusch als akustischer Beweis dafür, dass das „Fährtle“ jetzt endgültig und offiziell „Pause“ hat.

Gegen neun – inzwischen sitzt auch jemand auf dem Nachbarbalkon und drunten kläfft ein Hund – gehen wir nach drin und gucken noch ein paar Minuten „Schlag den Star“ an mit-Jens „Knossi“ Knossalla und Lia Mitrou gegen Max Kruse und Dilara Kruse. Dann ist dieser erste Tag unseres 25-Jahre-Meeresakrobaten-Jubiläums-Fährtles zu ende. Die restlichen Fleischküchle müssen wir leider morgen wegschmeißen.


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