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Erholung im Schönbusch-Park – Teil 2


Schloss, Landschaftspark und weitere Entdeckungen


Aber dann: Was ist das? Im menschenleeren Park kommen uns plötzlich zwei Nordic-Walker entge-gen. Größer kann der Kontrast gar nicht sein – und da meine ich jetzt nicht das Rot der T-Shirts vor dem Busch-Grün. Wir sind kurz völlig aus dem Tritt, als hätte jemand den Schalter von „Land-schaftspark“ auf „Nordic-Walking-Strecke“ umgeschaltet.

Vom Schloss aus wollten wir eigentlich weiter zum Freundschaftstempel, zum Philosophenhaus und über das Salettchen bis hin zum kleinen Dörfchen. Daraus wurde erst einmal nichts, denn wir haben uns im Wegenetz des Schönbusch total verlaufen. Und das – das muss man an dieser Stelle durchaus kritisch anmerken – liegt weniger an uns als an der miserablen Beschilderung durch die Bayerische Schlösserverwaltung. Eine klare Wegweisung? Fehlanzeige.

Stattdessen laufen wir nach dem Schloss, da war doch gar kein Weg, um rechts abzubiegen zu können, am Westufer des Schönbuschsees geradeaus weiter, bis sich der Weg schließlich nur noch über eine Brücke fortsetzen lässt. Okay, dabei sehen wir eine ganze Reihe Graugänse, aber den „Gedanken- und Erlebnisraum der Aufklärung“, der im Schönbusch-Park auch zum Tragen kommen sollte, mussten wir – in dem Fall rechts – komplett liegen lassen. Um dreiviertel zwei überqueren wir eine Brücke mit einem fantastischen Blick zurück zum Schloss.

Nach der Brücke gehen wir links weiter, noch etwa 100 Meter, bis zu einer Drehbrücke und zum Fischerhäuschen. Die Drehbrücke macht eigentlich auch keinen Sinn. Ein einfacher Steg über den Bach hätte es getan, aber „Drehmechanik“, das ist doch ein ganz anderes Kaliber, das ist erlebnisorientierte Parkgestaltung, das will das Volk! Das wussten seinerzeit auch schon die für die Parkgestaltung zuständigen Verantwortlichen (von Erthal, von Herigoyen, von Sckell und von Sickingen). Wir sind jetzt schon 75 Minuten unterwegs – so viel, wie Google Maps für den gesamten Rundgang durch den Park veranschlagt hat. Und wir sind erst am Anfang! Armes Google Maps: Hightech aus dem 21. Jahrhundert, aber nicht verstanden, was „Fährtle-Machen“ wirklich bedeutet.

„Das kann doch nicht stimmen!“ Bevor wir uns jetzt komplett im Wegenetz des Schönbusch-Parks verlieren, ziehe ich die Notbremse. Ein kurzer Blick auf die Baumstruktur, eine fachkundige Einschätzung der Sonnenseite sowie die Frage, warum ich eigentlich nur auf dem Rücken schwitze und nicht am Bauch – und schon ist klar, wo Süden liegt und wo das „Kleine Dörfchen“ auf uns wartet. Woher ich mich so gut in der Natur orientieren kann? Nun, ich habe zu meinem 60. Geburtstag – von Susanne eingefädelt – von Rüdiger Nehberg, dem „Sir Vival“ persönlich, eine Glückwunschkarte bekommen, das prägt. Okay, wenn ich ehrlich bin, muss ich gestehen, wir haben auch noch eine Frau mit Kinderwagen gefragt, aber die war sich da auch nicht so ganz sicher mit dem Dörfchen. Jedenfalls machen wir 180° kehrt und gehen 700 Meter südlich, ein klein wenig links von der Richtung, wo jetzt die Sonne am Himmel steht.

Dörfchen


Um fünf nach Zwei erreichen wir das Dörfchen. Die Häuser wurden seinerzeit aufgestellt, um den Besuchern „das Idealbild einer ländlichen Gegend“ zu vermitteln.

Keine fünf Minuten später sind wir durchs Dörfchen durch und wissen mal wieder nicht, wo es weitergeht. Also nehmen wir schlicht den Weg, der halt grad da ist, und landen nach weiteren 500 Metern an einer Kreuzung. Wohin jetzt? Geradeaus oder links? Rechts auf keinen Fall – denn da steht eine Fabrik.

Wir entscheiden uns für links. Nach etwa 200 Metern treffen wir auf zwei Teenagerinnen. Auf unsere Frage „Geht’s hier irgendwo weiter?“ kommt zunächst ein ehrliches „Keine Ahnung, wir laufen hier nur.“ Kurze Pause, dann der rettende Nachsatz: „Moment, wir haben ein Navi im Smartphone.“ Blöd nur, dass sie es zwar haben, aber die angezeigten Karten nicht lesen können. Doch allein der Wille zählt. Wir bedanken uns artig und ziehen weiter – mit dem leichten Gefühl, dass wir uns inzwischen schon deutlich professioneller verlaufen als am Anfang. Nach weiteren 400 Metern in nördlicher Richtung treffen wir an der „Wacht“ zwei Gärtner. „Können Sie uns sagen, wo es zum Ausgang geht?“ „Einfach geradeaus.“ „Danke!“

Nach 80 Metern dann die große Frage: Was heißt jetzt „geradeaus“? Wirklich geradeaus oder dieses Halbrechts-geradeaus, das eigentlich schon wieder ein kreatives Geradeaus wäre? Irgendwie habe ich den Eindruck, dass klare Himmelsrichtungen oder eindeutige Wegbegriffe in Aschaffenburg keinen besonders hohen Stellenwert haben. Jedenfalls erreichen wir nach weiteren 400 Metern gegen dreiviertel vier (inzwischen sind wir schon über 2¼ Stunden hier) den Festsaal des Schönbusch-Parks. Links drüben lugt in etwa 200 Metern Entfernung der „Rapunzelturm“ zwischen den Bäumen hervor.

Nach weiteren 200 Metern sind wir am Biergarten. Susannes „Ich-brauch-jetzt-dringend-einen-Kaffee-Zeit“ ist schon lange überfällig. Wir trinken einen – aus meiner Sicht mit 3,80 € deutlich überteuerten – Allerwelts-Kaffee.

Doch das gleicht sich irgendwie aus, schließlich hat der Park keinen Eintritt gekostet, der Parkplatz nicht und die Toilettenbenutzung auch nicht.

Zwei und eine dreiviertel Stunde waren wir hier, 4 km sind wir marschiert. Was für uns schließlich in Erinnerung bleibt:

  • Der Park ist sehr weitläufig und wirklich wunderschön.
  • Es gibt zu wenig bzw. unklare Wegweiser
  • Man verliert schnell die Orientierung
  • Die Schilder könnten, wenn schon vorhanden, besser lesbar sein

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