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Der Anhalter Bahnhof in Spur N-18

Die Hochbahnbrücke – der vierte Versuch

Sechs Jahre Frust


Mit der Hochbahnbrücke habe ich inzwischen jahrelang gekämpft. Brückenenden fluchten nicht mit den Widerlagern, Pfeiler standen auf Straßen oder im Landwehrkanal, Elemente waren zu lang oder zu kurz und irgendwann blieb sogar ein Zug an der Innenseite der verlängerten Kastenbrücke hängen. Immer wieder wurde die Brücke gebaut – und wieder abgerissen. Nach sechs Jahren und unzähligen Versuchen bin ich fast überzeugt, dass ich diese Brücke niemals fertigbekomme. Und dann kommt die Erkenntnis, die eigentlich verblüffend einfach ist:

Das Zauberwort: Kollinearität


Doch auch nach dem Umdrehen bleibt ein Problem: Die Gleise müssen an den Brückenwiderlagern absolut gerade fluchten. Schon ein kleiner Knick – horizontal oder vertikal – reicht aus, damit Wagen entgleisen oder sich abkuppeln. Ich erkenne schließlich, dass nicht der Verlauf der Brücke zwischen den Widerlagern entscheidend ist, sondern die exakte Flucht der Gleise an den Übergängen. Und damit kommt die entscheidende Idee.

Die Zollstock-Brücke


Auf einer Handwerksmesse bekomme ich einen Zollstock mit 10-cm-Gliedern geschenkt. Plötzlich ist die Lösung da. Ich lege das erste und das letzte Zollstockglied exakt auf die beiden Widerlager und bilde mit den dazwischenliegenden Gliedern den späteren Brückenverlauf nach. Aus dieser einfachen Idee entsteht mein Polygonzug.

Die endgültige Brücke besteht also aus einzelnen Segmenten, die sich gegeneinander verschieben und winkeln lassen. So kann ich einen Verlauf finden, bei dem die Brücke an beiden Widerlagern exakt fluchtet, kein Pfeiler auf einer Straße oder im Landwehrkanal steht, die Fernbahn und der Kanal korrekt überquert werden, und die Gleise überall mit ausreichend großen Radien geführt werden können. Der Zollstock wird damit zum entscheidenden Werkzeug meines vierten Brückenversuchs.

Warum drehe ich die Brücke nicht einfach um 180 Grad?


Wenn die notwendige Verlängerung auf der einen Seite innen nicht funktioniert, auf der anderen Seite aber außen gebraucht wird, muss man das Ding eben umdrehen. Manchmal braucht es offenbar sechs Jahre, bis man auf die einfachste Lösung kommt.


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