Montag, 30. Juni 2025
Von Cervo nach Mailand
Susannes Morgengedanken
Da ich morgens immer länger schlafe, kann ich hier nur Susannes Tagebucheintrag vom letzten Morgen in Cervo wiedergeben:
„Wehmut kommt auf. Ich sauge morgens noch einmal den sagenhaften schönen Blick von der Terrasse aus auf. So viel Meer vor mir. Das werde ich nicht wieder so schnell haben … Die Schwalben sirren um mich herum, die Tauben gurren. Die Wellen rauschen und flappen gegen die Felsen. Die Zikaden haben um 5:30 Uhr angefangen zu zirpen und dann wieder aufgehört. Ein Hahn kräht.“
- Morgens, wenn noch alles schläft.
- Der Morgen erwacht
Gegen sieben steh‘ auch ich auf. Dann folgt das, was man am letzten Urlaubstag morgens eben so macht: duschen, frisch machen, das ganze restliche Zeug einpacken und warten, bis man frühstücken kann. Sonst wären wir schon bei Sonnenaufgang weg – nicht früher, denn bei Dunkelheit fahr ich nicht so gern.
Auto packen
Noch vor dem Frühstück gehen wir hoch zum Panda und laden die restlichen Gepäckstücke ein. Dank der tiefstehenden Sonne ist Ligurien noch in Rot getaucht. Da fällt mir ein, wenn ich jetzt schon für diese Bilder die „kleine“ Kamera in der Hand hab‘, kann ich sie auch gleich mitnehmen ins „Eco del Mare“. Giampaolo möchte sicher noch ein Erinnerungsfoto.
- Die letzten Gepäckstücke sind verstaut.
- Ligurien erwacht
Letztes Cervo-Frühstück
Ein letztes Mal gehen wir die steilen Treppen hinauf ins Zimmer und dann wieder hinunter zum Frühstücksraum. Dort erwartet uns zum letzten Mal ein reich gedeckter Tisch – Typ „salata“.
Die Gespräche mit Giampaolo und den beiden Jungs aus der Gegend von Mailand fließen ganz natürlich. Wir sprechen über die Region, übers Reisen allgemein und über das, was bleibt, wenn man weiterzieht. Giampaolo erzählt mit leuchtenden Augen von den Anfängen des Agriturismo, dass er auch noch Olivenbäume hat und ein anderes Agriturismo. Das „Il Gumbo del Metre“ hätte er uns noch so gerne gezeigt. Er erzählt von seinem Traum, dieses Stück Erde – Cervo – lebendig zu halten – nicht nur als Touristenattraktion, sondern auch als Ort für Begegnungen.
- Abschied von Giampaolo
- Susanne schreibt ins Gästebuch.
Zum Schluss machen wir noch – als ob ich das mit der Kamera geahnt hätte – ein gemeinsames Erinnerungsfoto. Giampaolo besteht dann auch noch darauf, dass wir uns in sein Gästebuch eintragen. „Damit ihr immer einen Platz hier habt“, sagt er. Susanne schreibt ein paar Zeilen, ich versuche, einen Delfin zu zeichnen: ein kleines Dankeschön für eine große Gastfreundschaft. Giampaolo schenkt uns zum Abschied ein natives Olivenöl von seinen eigenen Olivenbäumen – 100 Prozent Bio.
- Ein fantastischer Ort …
- Gastgeschenk von Giampaolo
Da wir unsere Sachen bereits vor dem Frühstück zum Auto gebracht haben, geht der Abschied schnell – fast zu schnell. Punkt halb zehn (Kilometerstand 70.848 ) sind wir abfahrbereit. Es hat es schon wieder 34 °C. Zum Glück hat unser Panda eine gut funktionierende Klimaanlage. Ein letztes Winken noch, ein letztes Lächeln, dann rollen wir langsam die Straße hinunter, die es vor einigen Jahren als wir hier waren, noch nicht gab.
Im Rückspiegel verschwindet Cervo hinter uns. Doch irgendwie fahren wir nicht wirklich weg – ein Teil von uns bleibt zurück, und wenn es nur in diesem Gästebuch ist, eine stille Erinnerung an einen Ort, der für ein paar Tage unser Zuhause war. Bis zur Autobahnauffahrt San Bartolomeo al Mare sind es knapp fünf Kilometer.
Auch wenn ich’s nicht mag: Autobahn
Nachdem das auf der Herfahrt mit „über Land“ doch etwas schwieriger war, als gedacht, fahren wir heute über die Autobahn zurück. Ich hasse italienische Autobahnen zwar – mehr noch als deutsche – aber wir haben gar keine andere Wahl, denn wir müssen Strecke machen, wenn wir vor der geplanten Zwischenübernachtung im Hotel Cruise in Como noch einen kleinen Abstecher in Lecco machen wollen. Lecco liegt etwa 30 Kilometer von Como entfernt am östlichen Schenkel des Comer Sees, der auf Landkarten wie ein auf den Kopf gestelltes Y aussieht.
Auf der Autobahn bis Mailand
Zehn Minuten, nachdem wir losgefahren sind, ziehen wir an der Autobahnauffahrt San Bartolomeo ein Ticket und legen los. Im Radio hören wir Radio 104 – Nostalgica. Den Tipp gab uns Giampaolo, bei dem im Frühstücksraum – wie bei uns , wenn wir Fährtle machen – ständig Oldies laufen. Quasi das italienische Pendant zum deutschen Bayern 1. „Felicità!“
In unserem Roadtrip-Tagebuch – Arbeitstitel „Panda, Pasta, Pässe“ – schlagen wir jetzt, am siebten Tag unserer Reise das wohl unattraktivste Kapitel der ganzen Reise auf: „A10 – Überleben zwischen Leitplanke und Lichthupe“. Die Fahrt auf der italienischen A 10 ist keine einfache Autobahnfahrt, das ist schon Nervenkrieg. Die ligurische Landschaft links und rechts wäre ja wirklich schön – wenn man sie denn genießen könnte. Stattdessen: Baustellen-Slalom mit Betonleitwänden und 40-Tonnern links und rechts und einem Panda, der irgendwo dazwischen ums Überleben kämpft. Spurwechsel? Nur was für Wahnsinnige oder Lebensmüde. Seitenabstand? Millimeterarbeit. Tempolimit? Ein Witz! Hält man sich dran, wird man mit Lichthupe und Hupen bestraft, dass man reflexartig zusammenzuckt. Dazu kilometerlange Tunnel, gefolgt von – Überraschung: noch mehr Baustellen.
Ging es bis Arenzano noch einigermaßen, wird es ab jetzt – ca. 20 Kilometer vor Genua – so richtig chaotisch. In San Nicolò beginnt dann das kollektive Bremsen, in Mele reiht sich eine Baustelle an die andere, Puls 160. Ich schalte die Warnblinke an, bremse vorsichtig herunter und hoffe sehr, dass der Typ hinter mir das sieht und nicht schläft. War es nicht auch hier in der Gegend, wo am 14. August 2018 (unserem 26. Hochzeitstag) die Morandi-Brücke einstürzte? Ich glaub schon. Seitdem ist ganz Ligurien – zumindest die Region um Genua herum – nur noch ein Puzzle aus Provisorien.
104 Kilometer (hat aber nichts mit Radio 104 zu tun) haben wir inzwischen gefressen. Ab der Ausfahrt Messone wird die Autobahn nun etwas ruhiger und die Schultern lockern sich – aber das Zittern bleibt. „Hoffentlich nicht noch ein Tunnel“. Doch! Als Beweis macht Susanne mit dem Handy bei 44.588076, 8.664751 ein Tunnelfoto.
- Roccadarme-Tunnel
- Kurz vorm Ciutti-Tunnel
Inzwischen sind wir seit Cervo 115 Kilometer gefahren, in einer Stunde fünfunddreißig. Schnitt: 73 km/h. Beim Torrente Stura, zwei Kilometer weiter, immer noch Baustellen, immer noch Tunnels, aber deutlich weniger Verkehr. In der Nähe von Predosa, dort wo die A7 rechts rüber geht nach Pozzolo und Tortona ist das Land knochentrocken. Zehn Kilometer weiter sieht die Landschaft aus, wie bei uns im Sommer, also grüner, weniger trocken. Bei Alessandria ist das Getreide schon geerntet, zwei, drei Wochen früher als bei uns.
Weitere zehn Minuten später, es ist inzwischen viertel eins (12:15 Uhr), erreichen wir die Grenze zur Lombardei und abermals zehn Minuten später überqueren wir den Po, der sicher auch schon mal mehr Wasser gesehen hat.
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