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Sonntag, 29. Juni 2025



Erneutes Whale-Watching mit der Corsara

Jetzt geht’s los. Unsere zweite Delfin-Ausfahrt


Die Corsara liegt schon da. Diesmal haben wir den Vorteil, dass sie nicht über Sanremo fährt, sondern direkt raus ins „Santuario dei Cetacei“ oder auch „Walschutzgebiet Pelagos“. So sparen wir zwei Stunden „An-der-Küste-entlangschippern“.

Wir dürfen bereits an Bord, und da wir nicht zum ersten Mal auf der Corsara sind, schnappen Susanne und ich uns gleich den Schattenplatz unterm Ausguck – auf dem Oberdeck, direkt hinter dem Steuerhaus.

Bevor wir auslaufen, teste ich, ob mit der Canon, dem Tele und den Einstellungen für Serienaufnahmen alles okay ist. Scheint so zu sein, die Möwe jedenfalls ist im Kasten.

Pünktlich um 11:00 Uhr geht’s los. Im Hafenbecken ist Mordstrubel mit Segel- und kleinen Motorbooten, aber die Corsara steuert nicht nur am weißen Leuchtturm rechts vorbei, sondern auch zwischen den Segelschiffen hindurch und anschließend durch die Hafeneinfahrt zwischen grünem und rotem Leuchtturm.

Wie am Donnerstag versuche ich auch heute, immer mal wieder mit dem Uralt-Falk-550-Navi unsere Position zu bestimmen.

Notfall?


Wir sind gerade mal 13 Minuten unterwegs als die Corsara – laut Falk-Navi – bei 43.8676, 8.0368, etwas südlicher als südöstlich von Imperia-Porto Maurizio, rund einen Kilometer von der Hafenausfahrt entfernt, plötzlich heftig wackelt. Was ist passiert? Sind wir irgendwo dagegen gefahren? Haben wir einen Wal gerammt? Knapp 600 m weiter, bei 43.8575, 8.0506 wird’s offenbar ernst, ein schriller Pfeifton, wie er wohl nur ertönt, wenn etwas Heftiges passiert ist: Aufprall, Ruderfehler oder Antriebsschaden. Die Corsara wackelt noch heftiger, dümpelt aber weiter bis 43.8545, 8.0571.

So wie die Crew jetzt reagiert – der Steuermann rennt aus dem Ruderhaus, der Typ vom Ausguck hechtet herunter und beide verschwinden hinten die Treppe runter vom Oberdeck. Das ist sicher keine Notfall-Übung. Nach 15 Minuten ist der Piepton aus und die Fahrt wird – ohne dass die Passagiere irgendwie informiert werden – „ganz normal“ fortgesetzt. Dennoch könnten an der Corsara Schäden sein.

Nachtrag
Für ein „ernstes Problem“ spricht, dass auf der Homepage des Whalewatching-Unternehmens, das zuvor täglich Sichtungen protokollierte, seit Sonntag, dem Tag unserer Tour, bis einschließlich Mittwoch keinerlei Einträge mehr vorhanden sind – zumindest habe ich keine gefunden.

Informationsbefreit geht’s weiter


Gegen Mittag kreuzt etwa 25 Kilometer vor Imperia das unter liberianischer Flagge fahrende, 300 m lange Containerschiff „Porto Cheli“ unseren Kurs.

Eine Viertelstunde später vermeldet des Ausguck „Mola, Mola (Mondfisch)“. Aber Susanne – der maritime Scout schlechthin – sieht nichts und ich – trotz Tele im Anschlag – schon gleich gar nichts.

Wie fahren noch 40 Minuten weiter raus und drehen dann kurz vor eins wieder um. Das Navi zeigt, dass wir jetzt exakt 35 Kilometer von Imperia entfernt sind.

Früher hatte ich bei Delfin-Ausfahrten ja immer so das Gefühl, wir würden „fast bis nach Korsika“ fahren – weit raus aufs offene Meer und so. Tatsächlich dümpeln wir aber eher nahe der Küste herum. Die 35 Kilometer heute waren die längste Strecke, die wir in diesen zwei Tagen gemacht haben. Zum Vergleich: Am Donnerstag lag das Maximum um 14:12 Uhr bei 29 Kilometer vor Sanremo. Immerhin! Auch wenn die Fahrt mit der Corsara keine Hochsee-Expedition ist, so bietet sie dennoch eine hohe Wahrscheinlichkeit, Delfine oder andere Waltiere zu sehen. Nur heute eben nicht. Um dreiviertel zwei plötzlich Kurswechsel – statt Nord-West jetzt plötzlich steuerbords weg nach Nord-Ost. Aber auch das bringt nichts.

Bis einschließlich 14:19 Uhr (nach über drei Stunden) hat sich noch kein einziger Delfin blicken lassen. So sehr sich der Ausguck auch bemüht, wir sehen vom Meeresleben absolut gar nichts, d.h. ab und an eine Mittelmeermöwe, aber das war’s dann auch. In meiner Verzweiflung fotografiere ich einfach so herum: Einen nackten Männerrücken. Der kommt an den Rücken eines Finn- oder gar eines Pottwals jedoch in keinster Weise ran. Statt Whale-Watching also eher Wave- und Wobble-Watching. Ich bin schon etwas enttäuscht.

„Delfin, Delfin“, ruft Susanne, hält unseren Finn in die Luft und lacht. Notgedrungen fotografiere ich den. Ein Delfinbild muss ich ja mitbringen vom Whale-Watching. Um mich ein bisschen aufzubauen investiert Susanne 2,50 € und holt mir unten an der Theke eine Cola. Sie selbst gönnt sich einen Espresso für 1 €.

Ab halb drei nehmen wir Kurs auf Imperia. Wir sind noch etwa sechs oder sieben Kilometer entfernt. Im Dunst sieht man rechts Cervo, in der Bildmitte hinter der Jacht Imperia Oneglia und links den 990 Meter hohen Monte Torre.

Um zwanzig nach drei kommen wir wieder in Imperia an. Die Whale-Watching-Tour heute hat leider nicht das gebracht, was wir uns erhofft hatten. Vier Stunden auf dem Meer und kein einziges Tier weit und breit. Nur Wellen, Sonne und das Gefühl, dass vielleicht irgendwas mit dem Boot nicht ganz gestimmt hat – aber die Crew lächelte das souverän weg. Vielleicht war es einfach nur Pech oder die Mittelmeer-Fauna hatte heute einfach keinen Bock auf Touristen. Keiner hat was gesehen, nur Susanne – so sagt sie zumindest – will als Einzige kurz vorm Hafen von Imperia zwei Delfine gesehen haben.

Resümee


Zwei Delfin-Ausfahrten haben wir gemacht und sind bei beiden Tagen wirklich weit rausgefahren – dachte ich. Wenn man sich dann aber ansieht, dass sich das Meeresschutzgebiet Pelagos bis zu 330 Kilometer weit nach Sardinien erstreckt, ist es umso erstaunlicher, dass man Delfine doch schon relativ nah an der ligurischen Küste beobachten kann – wir waren gerade mal 25 oder 30 Kilometer draußen. Das hat – und das macht total Sinn – mit dem dort steil abfallenden Kontinentalhang zu tun. An diesem „Hang“ strömt nämlich nährstoffreiches Tiefenwasser nach oben. Das fördert das Plankton-Wachstum, und wo Plankton ist, kommen die Fische. Und wo Fische sind… na klar, da lassen sich die Delfine nicht lange bitten.

Die Natur ist einfach unglaublich logisch. Und irgendwie beruhigend. Dieses Zusammenspiel aus den besonderen ozeanografischen Bedingungen und dem Schutz, den das Pelagos-Gebiet bietet, macht diesen Ort wirklich zu einem perfekten Lebensraum für Delfine. Ich finde es schön, dass es solche Rückzugsorte noch gibt – und dass man sie sogar mit eigenen Augen sehen kann, wenn man nur genau hinschaut. Natürlich bedarf es dazu auch einer Portion Glück – und das haben wir am Donnerstag gehabt.

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Morgenstimmung und Anreise zur zweiten Delfin-Ausfahrt
Erneut auf Delfin-Tour mit der Corsara
Abschlussfahrt ins Hinterland

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