Mittwoch, 25. Juni 2025
Eco del Mare – zwischen Himmel und Meer
Das Zentrum der Glückseligkeit
Jetzt heißt es erst mal ankommen und die Terrasse erkunden. Doch bevor man dort hinaufkommt, muss man erst mal fünf Stufen erklimmen und dabei durch ein nur 1,30 Meter hohes Türchen kriechen. So ähnlich stelle ich mir auch den Aufgang in einem Segelboot vor, wenn man von der Kajüte an Deck möchte. Genau wie dort ist es wichtig, sich leicht nach vorne zu beugen, um sich nicht den Kopf zu stoßen – blind nach oben steigen funktioniert hier nicht.
Als 70-Jähriger mit 1,86 Metern Größe fühl‘ ich mich dabei irgendwie an Indiana Jones in „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ erinnert. Dort musste Indy ebenfalls tief gebeugt gehen, um auf dem „Pfad der Wahrheit“ die Prüfung mit dem Hinweis „Only the penitent man will pass.“ (in Deutsch etwa: „Nur der Bußfertige wird bestehen.“ zu bewältigen.
- Über den Dächern von Cervo
- Grandioser Blick aufs Ligurische Meer
Weil wir noch einige Tage hier sind und ich meine Bilder aus der Spiegelreflexkamera erst zu Hause auswerten kann, machen wir unser „Da-werden-unsere-Freunde-zu-Hause-vor-Neid-erblassen-Bild“ erst mal mit Susannes Smartphon und schicken es per WhatsApp an alle, die es sehen wollen oder sehen müssen.
Unser Quartier ist wirklich gigantisch!!! Es hat den Namen „Zwischen Himmel und Meer“ ganz sicher nicht zu Unrecht. Und genauso fühlen wir uns: Zwischen Himmel und Meer. Super! Man hört auf der Terrasse das Meer. Viele Schwalben fliegen über uns. Links dichter Wald.
Ein Dorf, zwei Helden und ein Gewaltmarsch
Da wir den ganzen Tag fast nur im Auto gesessen sind, wollen wir nicht einfach im Zimmer bleiben, sondern unsere steifen Beine noch etwas vertreten. Also Schuhe an uns los. Keine großen Pläne, einfach noch etwas Luft und Cervo aufsaugen.
- Torbogen zur Piazza Santa Caterina
- Via Alessandro Volta
Wir starten oben bei der Piazza al Castello und gehen dann durch den Torbogen auf die Piazza Santa Caterina. Hier muss ich die Tage unbedingt noch in die Eisdiele gehen. Dann geht’s – flankiert von Mauern, Geranien in Terrakottatöpfen und stillen Hauseingängen – die Via Alessandro Volta – einen schmalen Weg – runter bis zur Piazza Serafino e Nino Alassio.
Susanne erkennt ihn gleich wieder, „Gepeppo“, einen Laden ausgestattet mit liebevoll hergestellten Kleinigkeiten, Fundstücken, verrückter Ideen in Form von Dosen, Schildern, Figuren, Büchern, Postkarten, also Dingen, die kein Mensch braucht. Für Susanne ein Paradies: Sie verschwindet sofort in der Tür. Ich sag‘ nichts – das Leuchten in ihren Augen reicht als Rechtfertigung.
- Dunkles Gässchen in Cervo
- Bougainvilleas an der Mauer des Castellos
Dann geht’s einen kleinen Querweg – dessen Namen ich vergessen habe – rüber zur Via Grimaldi Salineri und dann wieder hoch zum Eco del Mare, wo wir – schnurstracks auf die Bougainvilleas an der Mauer des Castellos zulaufen. Das „Eco del Mare“ ist gleich gegenüber auf der rechten Seite der Via Grimaldi Salineri. Mann, war das ein langer Abendspaziergang. Eine Viertelstunde haben wir gebraucht für den 290-Meter-Rundweg
Anschließend gehen wir noch mal hoch zum Parkplatz, um aus dem Panda noch ein paar Bierdosen zu holen, sodass wir an diesem ersten Abend in Cervo insgesamt also doch – immerhin – 800 Meter unterwegs waren.
Wenn das Meer flüstert und das Herz stillsteht
Im „Eco del Mare“ angekommen, klettern wir die zwölf Stufen zum ersten Stock hinauf. Der Frühstücksraum ist für morgen früh schon hergerichtet. Wir müssen aber nochmal 14 weitere Stufen hoch. Es gibt keine Alternative. Oben sind wir zwar außer Atem, aber glücklich. Wir ziehen uns aus, duschen und schlüpfen direkt in unsere Schlafanzüge. Das eigene Bier ist leider noch nicht durchgekühlt, also nehmen wir zwei Flaschen Moretti aus dem Kühlschrank des Vermieters – war ausdrücklich erlaubt ist.
Als wir die Terrasse erklimmen ist es fast zehn Uhr abends und noch immer hat es knapp 30 °C. Trotzdem: Wir wollen noch nicht schlafen, noch nicht mal ins Bett. Viel zu schön ist dieser Abend. Wir stoßen an.
- Blick auf das abendliche Cervo
- Die Nacht bricht herein.
Unter uns das dunkle Meer, kaum Bewegung, nur das regelmäßige Rauschen, über uns der klare Himmel, irgendwo ein paar Sterne. Und direkt neben uns: der Glockenturm der San Giovanni Battista. Majestätisch, aber um diese Zeit schon still. Um diese Zeit schweigen in Cervo die Glocken.
Auf unserer Terrasse hören wir, obwohl das Meer unten in der Tiefe liegt, jeden Wellenschlag, jedes Säuseln so klar, so fein, als würde es uns direkt ins Ohr flüstern. In der Physik nennt man die Schallübertragung mittels zweier einander zugewandter und korrekt ausgerichteter Parabolspiegel „Akustische Parabolspiegel-Kommunikation“ oder „Parabolischer Flüsterpfad“. „Whisperdishes“ gibt’s auch – fest installiert – in manchen Museen oder Parks. In unserm Fall ist das akustische Meer-Terrassen-System aber nicht extra gebaut, sondern ein Naturphänomen, das sich ähnlich verhält – eine rein zufällige Topografie. Das macht die Terrasse des „Eco del Mare“ so einzigartig,
Wir lehnen uns zurück, die Biergläser in der Hand und schauen schweigend in die Nacht. Keine Musik, kein Straßenlärm. Nur wir, das kalte Bier und der laue Sommerabend. Dieses Licht, dieses Gefühl, diese Magie – als würde sich die Welt gerade in diesem Moment nicht mehr weiterdrehen. Das ist einfach unbezahlbar!
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