Mittwoch, 25. Juni 2025
Von Alassios Legenden-Mauer zu Cervos Märchenquartier
Muretto di Alassio
Nachdem wir uns gestärkt haben, geht’s weiter zur Muretto di Alassio – einer kleinen Mauer mit großer Geschichte. Nur noch zehn Minuten zu Fuß, und schon stehen wir davor. Unscheinbar liegt sie am Corso Dante Alighieri, fast könnte man achtlos daran vorbeigehen. Aber dann entdeckt man, was sie so besonders macht: Hunderte bunte Kacheln, kunstvoll aneinandergereiht, jede einzelne mit einem Autogramm versehen. Hier haben sich Promis, Künstler, Schriftsteller – kurz: Menschen mit Geschichte – verewigt. Ein bisschen erinnert es an den „Walk of Fame“ in Hollywood, eben auf italienische Art: Die Kacheln sind nicht am Boden eingelassen, sondern wie kleine Mosaikfenster hochkant an ein Mäuerchen geklebt. Zwischen den Namen blitzen kleine Zeichnungen auf – jede Kachel ein kleines Kunstwerk.
Angefangen hat das Ganze in den 1950ern, als der Cafébesitzer und Künstler Mario Berrino zusammen mit Ernest Hemingway – ja, dem mit dem „Alten Mann und dem Meer“ – die Idee hatte, hier berühmte Gäste zu verewigen. Das macht die Muretto nicht nur bunt und lebendig, sondern auch zu einem Stück italienischer Kulturgeschichte.
Wir bleiben stehen und schauen uns die unzähligen Kacheln an – von Leuten, die man kennt, und von solchen, die man vielleicht erst mal googeln müsste. Einige Kacheln sind sorgfältig gestaltet, andere eher hingekritzelt. Aber genau das macht den Reiz aus. Jede Kachel erzählt eine eigene Geschichte, auch wenn man sie nicht kennt.
- Finn und Ernest Hemingway
- Finn betrachtet die Kachel von Thor Heyerdahl.
Und mittendrin: Thor Heyerdahl. Der Mann, der mit der Kon-Tiki über den Atlantik segelte – auch kein Fremder in dieser Gegend. Er hat nicht weit von hier in Colla Micheri gelebt, einem kleinen Ort oberhalb von Laigueglia. Ein Rückzugsort, weit weg vom Rampenlicht. Dass jemand wie er gerade hier sein Zuhause fand, sagt viel über die stille Anziehungskraft dieses Küstenstreifens aus.
Auf der Mauer sitzt außerdem die Bronzeskulptur eines jungen Paares – sie soll die ewige Liebe in Alassio symbolisieren. Ein bisschen kitschig, ja, aber charmant. Viele Paare lassen sich davor ablichten. Auch wir stellen uns kurz davor. Ich drücke den Selbstauslöser, renne zurück, nehme Susanne in den Arm und – Cheese – Fertig.
- Ewige Liebe in Alassio
- Liebespärchen in Alassio
Finn ist natürlich auch mit dabei. Schließlich will er auf seiner Website für Kinder etwas über Ligurien und seine Sehenswürdigkeiten schreiben. Bestimmt wird er dort auch das Mäuerchen von Alassio vorstellen.
- Finn trifft Kachel-Delfin.
- Finn entdeckt jede Menge bunte Kacheln.
Noch 15 Kilometer bis zum Glück
Bis Cervo, wo wir unser exklusives „Noch-nicht-siebzig,-aber-Rentner-Nest-mit-Meeresblick“ beziehen, sind es noch knappe 15 Kilometer, also weniger als eine halbe Stunde.
Nach insgesamt 820 Kilometer Fahrt seit Mering kommen wir um 18:24 Uhr bei einem Kilometerstand von 70.424 in Cervo an. Da es beim „Eco del Mare“ keinen Parkplatz gibt und man auch sonst in Cervo nirgends „g’scheid“ parken kann, stelle ich das Auto erst mal in einer Sackgasse 100 m unterhalb der Piazza de Castello ab. Da parken, sofern es Platz gibt, „alle“ und niemand kümmert sich drum. Nach einem langen Tag auf der Straße sind wir endlich angekommen: „Eco del Mare“ soll für die nächsten fünf Tage unser Quartier sein.
Zu Fuß und mit kleinem Gepäck gehen wir hoch zum Haus. Das dauert gerade mal drei Minuten. Neben einer mehrflügeligen, grünen Lamellentür geht es recht durch ein schmiedeeisernes „Gartentürchen“ ein paar Stufen hoch. Die Tür ist zu und eine Klingel gibt es nicht. Doch dann entdeckt Susanne rechts oberhalb der Tür eine etwa 15 cm hohe Messingglocke. Bing, bing, bing.
- Unser Urlaubsdomizil
- Bing, bing, bing – wir sind da.
Noch nicht mal eine Minute später steht er da, unser Vermieter Giampaolo, ein braungebrannter, drahtiger Wuschelkopf. Er gibt uns den Schlüsselbund und erklärt uns, wie das mit dem Zahlenschloss funktioniert, falls wir den Schlüssel mal vergessen sollten. Dann schnappt er sich unsere beiden kleinen Koffer, obwohl wir die locker selber tragen könnten. Zunächst geht es etwa ein Dutzend Stufen steil hoch zum Frühstücksraum im ersten Stock. Zum Glück gibt es rechts einen Handlauf, an dem man sich gut festhalten und hochhangeln kann.
- Vom Frühstücksraum hoch zu unserem Quartier
- Diese Stufen müssen erst bewältigt werden.
Dann geht es durch den kleinen Frühstücksraum hindurch hoch zu den beiden Zimmern „Magia del castello – Schlosszauber“ (links) und „Tra il cielo e il mare – Zwischen Himmel und Meer“ – unser Zimmer (geradeaus).
- Zwischen Himmel und Meer …
- Unser Himmelbett
Nachdem wir den Schlüssel erhalten und uns umgeguckt haben, gehen wir unseren Panda holen, während Giampaolo zu unserem Privatparkplatz oben beim Kreisverkehr vorausgeht. Hier, wo man einen tollen Blick auf Cervo, San Bartolomeo al Mare und Diano Marina hat, wird das „Katzabärle“ die nächsten fünf Nächte sicher stehen.
- Ausblick vom hoch gelegenen Parkplatz
- Ein Plätzchen für den Panda
Giampaolo besteht unbedingt darauf, auch den großen Koffer zu tragen. Gar nicht so leicht, denn bis zum „Eco del Mare“ sind es immerhin rund 300 Meter.
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