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Dienstag, 24. Juni 2025



Comer See

Flanieren, verweilen, verschwinden


Da es noch früh am Tag ist (halb fünf), wollen wir noch runter an den See, etwas flanieren. Nahe der Villa del Grumello habe ich im Internet einen Parkplatz gefunden, der nichts kostet, also fahren wir den ganzen Weg, den wir vorhin hochgekommen sind, wieder runter: San Fermo della Battaglia, Via Napoleona usw. Wir sehen auch das Schild „Serra del Grumello“, aber die Straße da runter ist nicht nur affensteil, sondern auch noch gesperrt. Also stellen wir das Auto etwas oberhalb in der Via Bignanico ab.

Egal, wo wir im Urlaub unterwegs sind – wie jetzt die Via Filippo Caronti runter (eigentlich nur ein Fußweg) – wenn’s irgendwo etwas zu Naschen gibt, ist Susanne dabei. Auch von den Brombeeren kann sie nicht die Finger lassen. Problem: Die Dinger sind noch komplett unreif. Aber wer nicht hören will, …

Zum See runter sind’s vom Auto aus über die Via Filippo Caronti, die Via Bellinzona und die Via Simone Cantoni zu Fuß etwa 15 Minuten. Dann stehen wir südlich der Villa Olmo, wo wir auf dessen Mäuerchen von einer Eidechse begrüßt werden.

Die Villa Olmo ist eine prächtige neoklassizistische Villa direkt am Ufer des Comer Sees. Sie wurde Ende des 18. Jahrhunderts erbaut und diente ursprünglich als Sommerresidenz für adelige Familien.

Heute wird die Villa für Ausstellungen, Konzerte und kulturelle Veranstaltungen genutzt. Der weitläufige Park rund um die Villa lädt zum Spazieren ein und zum Staunen. Mir fallen die wunderschönen Menschen auf (auch sehr viele aus dem asiatischen Raum). Aber dafür – und auch für die Villa, die komplett eingerüstet ist – haben wir gar keine Muse. Wir müssen uns ob der Hitze irgendwo in den Schatten setzen und was trinken. Ideal hierfür erscheint uns die Beach Bar di Lido Vill Olmo. Susanne holt für sich einen Spremuta d’arancia und für mich eine Cola. Das brauch ich jetzt, denn langsam spür ich – sicher wegen der tropischen Hitze – heftiges Bauchgrummeln und leichtes Unwohlsein und da soll Cola gut sein.

Aber es nützt nichts. Zum Glück sieht Susanne unten – neben der Wendeltreppe, die von der Terrasse runter zum Strand führt – eine Tür mit zwei stilisierten Figuren drauf, eine mit Hosen, eine mit Rock. So ein Glück! „Bin gleich wieder da!“.

Der Blick über den See ist herrlich. Im Süden sieht man die Cattedrale di Santa Maria Assunta und rechts daneben die Basilica di San Fedele. Die Preise sind auch okay: Spremuta 4,00 €, Cola Grande 4,00 €. Nachdem wir was getrunken haben, wollen wir noch ein paar Schritte gehen – schließlich sind wir den ganzen Tag gesessen – ein langer Weg wird es aber sicher nicht. Dazu ist es einfach viel zu heiß.

An Land sehen wir das Denkmal eines römischen Legionärs, im Wasser eine Entenmutter und ihre „Bibberle“. Die Marmor-Statue des Legionärs ist aber kein lokal-historisches Denkmal, sondern ein dekoratives Element, so wie es in neoklassizistischen Gärten populär und im späten 18. oder frühen 19. Jahrhundert einfach üblich war.

Am Weg entlang des Sees kommen wir an unzähligen Villen vorbei, u.a. an der Villa Parravicini Revel. Die Villa wurde 1770 von Graf Alessandro della Torre in Auftrag gegeben und später von mehreren Adelsfamilien bewohnt, darunter den Familien Parravicini und Revel. Heute dient die Villa als Kulturzentrum und beherbergt eine Vielzahl von Veranstaltungen und Ausstellungen. Sie ist auch eine beliebte Hochzeits-Location und wird für andere private und geschäftliche Veranstaltungen genutzt. Die Villa hat zwar einen riesigen Garten im italienischen Stil, aber rein kann man da leider nicht. Eine weitere Besonderheit ist der private Bootsanleger.

Im Schatten eines Baums, einer Art, die wir so noch nicht gesehen haben, bleiben wir stehen und ruhen uns etwas aus. Bei der Hitze (34  °C lm Schatten!) ist jeder Schritt anstrengender als der Start eines Fährtles ohne Kaffee, Ei und Brezeln. Man fühlt sich, als würde man durch warmen Sirup waten – sogar im Schatten ist man erschöpft.

In der Ferne sehen wir die Villa Saporiti, die wegen des imposanten runden Mittelbaus zur Seeseite hin auch als „La Rotonda“ bekannt, ist. Laut Google Maps sind’s bis dorthin nur 140 m, für uns aber liegt sie in weiter Ferne. Also lassen wir das.

Das mit dem Baum müssen wir auch bis zu Hause aufheben. Susanne hat zwar eine Pflanzenbestimmungs-App auf dem Handy, aber ohne WLAN funktioniert die nicht. Also nachher dann im Hotel.

1,2 Kilometer sind’s bis zum Auto, das 50 Höhenmeter weiter oben steht. 4 % Steigung ist eigentlich nichts, aber bei der Hitze wirkt dieser an sich harmlose Fußweg für uns Rentner wie ein Aufstieg zum Brocken. Der Puls rast, das Blut in den Halsschlagadern pocht und die Beine werden schwer.

Trotzdem freuen wir uns jetzt schon auf später im Hotel, denn wir wissen genau, was uns dort erwartet. Unmittelbar nach dem Einchecken haben wir nämlich als Erstes einige Dosen des mitgebrachten Dosenbier-Schatzes im Kühlschrank verstaut, noch bevor wir überhaupt die Koffer geöffnet haben. Ich hab wie immer meine bewährte Hausmarke dabei: günstig, ehrlicher Geschmack und zum Glück nicht so süß und malzig wie das Zeugs, das man oft vor Ort kriegt. Dosenbier und Chips am Abend – das ist unser kleines, eingespieltes Hotel-Ritual. Einfach Füße hoch, Dose auf, und der Tag klingt perfekt aus.

Aber bis wir zu unserem Bier-Depot fahren können, müssen wir noch ein bisschen „klettern“. 350 m noch bis zum Auto. Aber in der Via Filippo Caronti ist erst mal eine Pause. Trotz des vielen Grüns steht auch hier die Hitze. Dann aber, gegen halb acht abends, haben wir’s endlich geschafft.

Zurück im Hotel


Inzwischen ist die Straße hoch zum Hotel schon Hausstrecke geworden, heute Nachmittag rauf, dann runter und jetzt schon wieder hoch. Dank Klima-Anlage hat’s im Panda nur 22°C. Eine Wohltat. Noch vor der Tagesschau – ja, das Hotel hat deutsches Fernsehprogramm! – sind wir in unserem Zimmer.

Susanne lässt mir den Vortritt. Klamotten aus, duschen und dann nur noch den dünnen Pyjama an. In der Zwischenzeit hat Susanne per WhatsApp Urlaubsfotos verschickt. Nachdem Susanne mir gesagt hat, dass der Baum unten an der Strandpromenade eine „Immergrüne Magnolie“ sei, geht auch sie duschen. Derweil liege ich auf dem Bett und scrolle bei meiner Canon Urlaubsbilder durch.

Für Susanne ist das Zimmer fast schon zu luxuriös. Es gibt sogar einzeln verpackte Slipper, wohl dass man den Boden nicht verkratzt? Mir ist solcher Schickschnack egal. Ich hab‘ dafür den „einem Ingenieur ist nichts zu schwör“ rausgehängt und den Ventilator der Klimaanlage ausgemacht. Es wäre Susanne sonst zu kalt und zugig gewesen.

Nach der Tagesschau kommt in 3sat noch ein Bodenseekrimi. Wir gucken aber gar nicht so genau hin, sondern genießen einfach den Abend. Zuerst mal ein paar salzige Chips. Der Körper muss bei dem Ritual ja vorbereitet werden. Dann der erste Schluck eiskaltes Becks. Natürlich nicht einfach aus der Dose, sondern schon mit Stil. Wir haben nämlich immer extra Pils-Gläser im Gepäck. Schließlich hat auch ein Urlaubs-Feierabend einen gewissen Anspruch. Das Bier steht schön im Glas, mit Schaumkrone und allem Drum und Dran – fast wie im Biergarten, nur eben auf dem Hotelzimmer.

Wenn dann der Gerstensaft frisch und prickelnd auf der Zunge liegt, bevor er kühl und sanft die Kehle hinunterrinnt, das hat schon was. Man spürt förmlich, wie die Hitze des Tages ein Stück weit weicht. Ein kurzes, zufriedenes Seufzen zeigt, dass die Welt heute – zumindest für uns – so was von in Ordnung ist. Den 24. Juni 2025, den ersten Tag unseres „Susanne-wird-bald-siebzig-Cervo-Urlaubs“ werden wir sicher nie vergessen.

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Di 24. Jun Mi 25. Jun Do 26. Jun Fr 27. Jun Sa 28. Jun So 29. Jun Mo 30. Jun Di 01. Jul
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