Dienstag, 24. Juni 2025
Von Mesocco nach Montano Lucino
Das Castello di Mesocco
Auf einem Felssporn jenseits der A13 thront das Castello di Mesocco über dem Tal. Es ist brütend heiß. Die Sonne knallt gnadenlos vom Himmel, irgendwo jenseits der 30 °C. Kein Lüftchen, keine Menschenseele – nur wir. Kein „normaler“ Mensch würde bei dem Wetter auch nur ansatzweise auf den Gedanken kommen, sich freiwillig im Freien zu bewegen. Aber wir? Wir machen das einfach.
Nach knapp 100 Metern Fußweg entdecken wir einen riesigen Walnussbaum mit einem Sitzplatz drunter. Ein idealer Platz, um die Mini-Hackfleischküchle, die ich für Anreisetage immer mache, zusammen mit ein paar frischen Tomaten zu verzehren.
Zum Nachtisch gibt’s Kirschen und dazu ein – auch nach der langen Fahrt – immer noch kühles Wasser.
- Picknick unterm Walnuss-Baum
- Unser Ziel: Castello Mesocco
Nach einer halben Stunde geht’s weiter. Keine 100 Meter entfernt wartet schon das nächste kleine Highlight: Die Chiesa di Santa Maria del Castello, eine romanische Kirche aus dem 11. Jahrhundert.
- Chiesa di Santa Maria del Castello
- Von dort unten sind wir hoch gekommen
Doch bevor wir den gepflasterten Weg zum Eingang der Ruine hochgehen, nochmal ein Blick zurück nach Mesocco und den Lepontinischen Alpen mit dem Pizzo Zapport (3152 m, Bildmitte) und dem Pizzo Tambò (3276 m, rechts vorne).
Blickt man vom Weg aus direkt nach Osten sieht man, wie an der Flanke des Piz Corbet (3005 m) ein Wasserfall in die Tiefe rauscht. Da würde ich jetzt gern drunter stehen oder zumindest die Füße reinhalten.
- Blick zu den Lepontinischen Alpen
- Wasserfall am Piz Corbet
Dann gehen wir hinein in die Ruine des Castello di Mesocco und sind überwältigt. Und ganz nebenbei eine erfreuliche Feststellung: Die öffentliche Toilette – laut Google Maps angeblich „vorübergehend geschlossen“ – ist völlig zugänglich, blitzsauber und gratis. Genauso wie der Eintritt zur Ruine. Schweiz, du kannst offenbar auch anders.
Dann gelangen wir in den Innenhof, der schätzungsweise so groß ist wie ein Drittel bis die Hälfte eines Fußballfeldes, umgeben von einer gut erhaltenen Ringmauer mit fünf Türmen und Teilen der Wohn- und Wirtschaftsgebäude. Direkt vor uns steht der trutzige Turm der ehemaligen Kirche San Carpoforo.
Überall grünt und blüht es. Links vorne strotzen Hortensien in kräftigem Rosa, rechts blitzen die blau-violetten Blüten des Natternkopfs aus dem Grün – und mitten drin eine pelzige Besucherin: eine Ackerhummel, die sich – wahrscheinlich macht ihr die Hitze auch zu schaffen – von Kelch zu Kelch wuchtet.
- Turm der ehemaligen Kirche San Carpoforo
- Fleißige Hummel in der Gluthitze
Nach nur zehn Minuten heißt es schon wieder Abschied nehmen von diesem magischen Ort. Es ist einfach zu heiß.
- Innenhof des Castello di Mesocco
- Wir sind ganz allein auf dem Ruinen-Areal.
Am Ausgang treffen wir eine weitere Bewohnerin der Anlage – eine Eidechse, die über die Sandsteine huscht und dann elegant im kühlen Schatten eines Mauerlochs verschwindet.
- Blick auf die grandiose Landschaft
- Husch, husch, schnell in den Schatten …
Wir werfen noch einen letzten Blick zurück , dann gehen wir wieder runter zum Parkplatz. Gegen halb drei sind wir unten am Auto. Wir steigen ein, Türen zu, Klimaanlage an, einmal tief durchatmen und los.
Auf der Alpen-Tessin-Route südwärts
Bis Chiasso haben wir die Autobahn fast nur für uns. Das „Katzabärle“ schnurrt zufrieden. 35 Kilometer vor Chiasso: kurzer Jubelmoment. „Katzabärle“ macht die 70.000 voll. 18 Kilometer vor der Grenze dann ein erster Blick auf den Luganer See, den wir auf der Ponte di Melide zwischen Melide und Bissone überqueren.
Gegen halb vier erreichen wir schließlich den Grenzübergang bei Chiasso. Und jetzt heißt’s: Augen auf und Strategie an. Ich habe nämlich vor, gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen:
- Erstens will ich die Maut auf italienischen Autobahnen sparen
- Zweitens will ich dort den hitzköpfigen Lkw-Fahrern entgehen, die – so habe ich gehört – so dicht auffahren sollen, dass du auf ihrem T-Shirt sehen kannst, welche Pasta sie gestern gegessen haben, wie sie sich rasieren oder beidhändig einen Pickel bearbeiten und
- drittens wollen wir, bevor wir ins Hotel bei Como gehen noch den Comer See sehen.
Alles ist dann doch viel leichter als gedacht. Im Blickfeld der Grenzer fahren alle noch einigermaßen langsam und gesittet, sodass man gefahrlos auf die ganz linke Spur wechseln und so die Autobahn nach Milano verlassen kann. Das blaue Schild mit der Aufschrift „Como, Lago, SS 340 Cernobbio und SP 583 Bellagio“ besagt: Staatsstraße, kostenlos und weniger nervig. Okay, kommt sicher auch auf die Strecke an, aber jetzt ist erst mal 40 km/h angesagt.
Comer See
Nach sieben Minuten kommen wir bei 45.825342, 9.068332 – ich habe mir den Platz schon zu Hause ausgesucht und ins Navi eingegeben – an eine Ausweichstelle (Bushaltestelle, Parkplatz – ich weiß es nicht). Jedenfalls kann man hier – wohl als einzigem Platz auf der ganzen Strecke – das Auto abstellen und von der gegenüberliegenden Straßenseite aus tolle Bilder vom Comer See machen.
Gleich unterhalb der Straße steht eine – ich nehme mal an – Nepomuk-Skulptur und auf dem See landet gerade die Amphibienversion einer Cessna 206 „Stationair” des Aero Clubs Como.
Wenn du und deine Partnerin 400 € übrig haben, könnt ihr euch eine halbe Stunde über den See fliegen lassen. Für 800 € dauert das Vergnügen dann eine Stunde und man fliegt auch noch über die angrenzenden Berge. Wenn du gar nicht mehr weißt, wohin mit deinem Geld, empfehle ich dir die 90 Minuten Tour für 1200 €.
Der Start mag – wenn die Propeller der Cessna 206 aufröhren und das Wasserflugzeug von der spiegelnden Oberfläche des Comer Sees abhebt – ja noch angenehm gewesen sein. Doch die Landung – was wir vom Ufer aus sehen – ist alles andere als ein sanftes Aufsetzen. Die Schwimmer schrammen tack, tack, tack auf das zerhackte Wasser. Ich stell mir grad vor, wie ich da drin säße und mir der Sitz das Steißbein malträtiert und die Bandscheibe aus dem Rückgrat hämmert. Nein! Für alles Geld der Welt käme das für mich nicht infrage.
- Cessna 206 auf dem Comer See
- Nepomuk-Skulptur
Fahrt zum Hotel Cruise in Como-Montano Lucino
Zum Hotel in Comer Stadtteil Montano Lucino sind’s jetzt nur noch zwanzig Minuten. In Como selbst heißt es noch aufpassen, dass man mitten im Touristen-Getümmel, wo Palmen, Cafés und schicke Fassaden um die Wette glänzen, keinen der Urlauber überfährt.
Dann geht es raus aus der Stadt, erst über enge Straßen, dann durch Wohngebiete und ein paar Ampeln später wird’s dann schon grüner. Die Via Napoleona zieht sich ganz ordentlich den Hügel hoch. Der Verkehr ist zäh, aber das ist typisch italienische Vorstadt-Atmosphäre: Tankstellen, Apotheken, Holter-di-polter-Zebrastreifen und links und rechts Pandas und Vespa-Fahrer. Das volle Programm!
Nach San Fermo della Battaglia schlängelt sich die Straße gemütlich weiter Richtung Montano Lucino. Und plötzlich steht da mitten im Nirgendwo das Hotel Cruise – modern, breit, mit großem Parkplatz, ein Hotel wie aus dem Katalog.
- Am Hotel angekommen
- Auch der Panda hat ein Plätzchen.
Wir stellen den Panda ab und steigen aus. Draußen hat es 36 °C. Wir checken ein (Das Geld für das Hotel ist bereits am 5.2.2025 abgebucht worden) und bekommen Zimmer 202.
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Di 24. Jun | Mi 25. Jun | Do 26. Jun | Fr 27. Jun | Sa 28. Jun | So 29. Jun | Mo 30. Jun | Di 01. Jul |
Von Mering nach Mesocco – Zwischen Brezelfrühstück und Bergmassiv |
Von Mesocco nach Montano Lucino – Von der Burgruine zur Bettenburg |
Comer See |