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Dienstag, 1. Juli 2025



Von Como nach Bellinzona

Frühstück


Letzter Tag des Urlaubs. Das gleiche Ritual wie vor einer Woche. Alles wie gehabt: 7:00 Uhr, erster Stock, Zimmerkarte zeigen, Scannerblick – Eintritt ins Reich der gestapelten Croissants und perfekt gefalteten Servietten – diesmal allerdings von der anderen Seite her.

Das Buffet wirkt wie vor einer Woche: ordentlich, makellos, fast zu perfekt. Wir kennen den Ablauf jetzt schon und wissen, wo der Käse liegt und welche Taste man drücken muss, um den guten Cappuccino zu bekommen.

Doch auch heute wieder: das Personal, schwarz gekleidet, schweigend, wachsam. Die Hotelangestellten stehen strategisch verteilt im Raum, wie eine diskrete Eingreiftruppe auf leisen Sohlen. Wenn ich nach der letzten Banane greife, fühle ich mich prompt wie der, der in der „Art Basel Miami Beach“ die an die Wand geklebte Banane runter gerissen hat. Trotzdem versuche ich, souverän zu wirken, aber bloß keinen Blickkontakt mit der Angestellten an der Saftstation – die exakt zu protokollieren scheint, wer sich wie oft Orangensaft nachholt – und ich war schon zwei Mal dort.

Trotzdem: Es schmeckt. Und irgendwie, ja, irgendwie fühlen wir uns heute sogar schon fast ein bisschen professionell beim Navigieren durch dieses Frühstücksballett.

Richtung Schweizer Grenze


Um viertel neun (8:15 Uhr) kommen wir los. Im Kreisverkehr in San Bartolomeo – wir sind gerade mal zwölf Kilometer gefahren – wird’s knifflig. „Nehmen Sie die fünfte Ausfahrt“. Welche fünfte? Das Navi nimmt schon mal eine Garageneinfahrt als Ausfahrt und manchmal sieht es zwei eng beieinander liegende Ausfahrten (ich sag nur: 25 Meter!) als eine. Muss ich also jetzt bei Tavernola, Cernobbio, Como, Menaggio raus oder doch erst bei Centro Commerciale? Unter der Brücke gehen zwei Straßen raus, an der ersten ist ein rotes „Verbot-der-Einfahrt“-Zeichen. Da nicht, also doch die nächste? Ich bin noch voll am Überlegen, da hupt mich ein Fahrer, Autonummer FZ***MK, doch glatt weg. Der sieht doch, dass ich fremd hier bin, aber das ist dem wohl egal. Ich könnt‘ platzen.

Aber jetzt hilft eh nichts mehr: Ortsende Como, Menaggio, Montrasio. Dabei wär’s nach Svizzera links gegangen, aber auch nach Milano. Auf einer Bogenbrücke überqueren wir die Breggia, fahren auf der SS 340 Richtung Norden und erkennen schnell: Hier sind wir irgendwie falsch. Dennoch: In Montrasio hat man einen herrlichen Blick auf den Comer See Richtung Torno.

Trotz allem: Wir müssen nicht am Comer See entlang, sondern Richtung Luganer See, Richtung Schweiz. Also drehen wir um und fahren wieder zurück. Die Straße schlängelt sich direkt am Wasser entlang, links der glitzernde See, rechts die steilen Felsen.

Wir fahren durch mehrere Tunnel – zuerst durch den Durino-Tunnel, der 1147 Meter lang ist. Danach kommen zwei kurze: der Costa Sarone mit nur 63 Metern und gleich darauf der Riccacio-Tunnel mit 59 Metern. Die letzten beiden sind so schnell durchfahren, dass man kaum merkt, dass es überhaupt Tunnel waren!

Dann kommt der große, der Cernobbio-Tunnel – 2377 Meter lang! Susanne meint während wir durchfahren, das sei der längste 2,3-Kilometer-Tunnel, durch den sie je gefahren sei.

Weiter geht die Fahrt auf der SS 340. Die Straße schlängelt sich durch das elegante Cernobbio, wo prächtige Villen und gepflegte Gärten direkt am See liegen. Kurz darauf rollen wir durch San Bartolomeo, einen kleinen Ort mit engen Kurven und steilen Hängen. Die Straße wird ruhiger, der Verkehr nimmt ab, und die Landschaft wirkt plötzlich wie eine Landstraße im hintersten Bayern, Wiesen, Bäume, nichts – fast wie ein Geheimtipp für Abenteurer. Dann rechts am Hang Maslianico.

Viertel zehn (9:15 Uhr). An einem Kreisverkehr, der als solcher gar nicht zu erkennen ist – in der Mitte der Straße ist nur ein gepflasterter Kreis mit vielleicht 1½ m Durchmesser – geht’s scharf rechts auf eine Brücke über die Breggia. 44 to. Okay, das passt für den Panda. Dann im Kreisverkehr die dritte Abfahrt, links um ein gelbes Haus herum und plötzlich stehen wir in einer Art Lagerhalle. „Dogana“, klingt fast wie „Do gang no!“, also „Hier lang!“ steht am Dach.

Dogana


„Dogana“ ist aber kein Hinweis darauf, irgendwohin zu gehen, sondern das italienische Wort für Grenze. Ein einzelner Grenzposten steht da, wie aus einem Actionfilm, vollkonzentriert: Ein echter Macho-Typ in Uniform halt – breitschultrig, muskulös, Sonnenbrille, Maschinenpistole umgehängt, als wäre „Dogana“ ein Hochsicherheitsbereich. Wie festbetoniert verharrt der Typ an seinem Platz, kerzengerade. Dabei sieht er uns streng an. Und dann – nichts. Kein Stopp, keine Fragen, kein Pass, nichts. Susanne meint hinterher: „Der wollte doch bloß Eindruck schinden.“

Vom Fahren auf Schweizer Autobahnen


Zehn Minuten später, bei Mendrisio haben wir einen kleinen Stau, aber kein Vergleich zu denen in Italien. Hier erleben wir eindrücklich, wie unterschiedlich Autofahren in zwei benachbarten Ländern sein kann. In der Schweiz gleiten wir über geradezu perfekt ausgebaute Autobahnen. Alles ist sauber, klar ausgeschildert, und die anderen Verkehrsteilnehmer fahren diszipliniert – fast wie in einem Lehrbuch für sicheres Fahren. Selbst in engen Baustellen spürt man den schweizerischen Hang zur Ordnung und Präzision. Hier könnten wir ewig weiterfahren – ein Traum auf Asphalt.

Ganz anders in Italien. Ein ganz anderes Universum. Spurwechsel? Meist instinktiv und ohne Blinker. Sicherheitsabstand? Reine Theorie. Und der Fahrstil? Irgendwo zwischen Rallye und Rodeo. Überholen rechts, links, hupen ohne Grund. Dort scheint jeder für sich zu kämpfen. Besonders die Gegend rund um Genua fühlt sich an wie eine Rennstrecke, nur ohne Regeln.

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