Hügeliges Skiathos – mit Auto erreichbar – zu Fuß fast nicht
Morgens am Meer
Das war gestern so klasse am Meer, dass wir auch heute – noch vor dem Frühstück – runtergehen. Diesmal hat Susanne ihre D10 dabei. Die Kamera ist wasserdicht, sodass wir endlich auch ein paar Aufnahmen direkt aus dem Wasser mitbringen können.
- Kristallklares Wasser
- Die Luxusjacht ACE liegt noch immer da.
Das Meer ist erneut traumhaft. Nur die Luxusjacht ACE, die seit Tagen unbeweglich vor der Bucht liegt, beginnt mich langsam zu nerven. Anfangs war der riesige Koloss ja noch beeindruckend, inzwischen wirkt er eher wie ein Fremdkörper in der ansonsten perfekten Postkartenkulisse. Nachdem wir uns frisch gemacht haben, geht’s wieder hoch ins Hotel, duschen und dann frühstücken. Dabei überlegen wir, was wir mit dem Tag anfangen könnten. Mittwochs werden auf Skiathos keine Bootsausflüge angeboten, also ist schnell klar: Heute erkunden wir die Insel auf dem Landweg.
Eigentlich hatten wir schon länger vor, zum Restaurant Platanos zu wandern. Luftlinie sind es gerade einmal 2,2 Kilometer, tatsächlich jedoch über die Straßen rund 5,2 Kilometer. Google Maps veranschlagt dafür eine Stunde und fünfundzwanzig Minuten. Doch so wie wir das vor 22 Jahren auf Skopelos angegangen sind, zu Fuß, ist das wohl nicht mehr machbar. Auf der Karte wirkt Skiathos klein und überschaubar – kaum elf Kilometer breit und nicht einmal zehn Kilometer hoch. Doch der Eindruck täuscht. Die Insel ist erstaunlich bergig. Der höchste Gipfel, der Karafiltzanaka, erreicht 433 Meter, und selbst zum Platanos geht’s rund 320 Höhenmeter rauf.
Spätestens nach unserem Ausflug zum Flughafenspot beim Anatolie am Sonntag wird uns klar: Solche Steigungen sind zu Fuß deutlich anspruchsvoller, als sie auf der Karte aussehen. Vor 22 Jahren hätten wir das vermutlich noch gemacht. Heute überlegen wir uns das zweimal. Kristina meint, wir könnten uns doch einen Leihwagen nehmen. Die gibt es zum Festpreis, und das Auto wird sogar direkt zum Hotel gebracht. „Okay, dann mach mal.“
Leihwagen
Um kurz vor zehn ist es dann so weit. Die Dirent-Angestellten Alex und Antonio stellen und einen silberfarbenen Aygo direkt vor die Tür.
- Der Leihwagen steht schon da.
- Die Schramme war aber schon.
Da die gesamte Übergabe auf Englisch läuft, hält sich Susanne vornehm zurück. Mein Englisch ist zwar auch nicht perfekt, aber das ist mir egal – Hauptsache, wir verstehen uns und kommen zum Ziel. Zusammen mit Alex checke ich den Wagen, gehe drum herum und schon entdecke ich eine Schramme hinten rechts. „This is a known intern, so returning won’t cause any problems.“ – Schriftlich hab‘ ich das allerdings nicht! Die Tankanzeige zeigt noch zwei Striche und mit dem gleichen Füllstand sollen wir den Wagen heute Abend hier am Hotel wieder abstellen und den Schlüssel einfach an der Rezeption abgeben. Dass scheint soweit alles perfekt zu sein. Ich zahle 30 €! Nochmal: 30 €, das glaubt dir in Deutschland keiner. Dann überreicht mir Alex mit einem „Καλό ταξίδι και καλή διασκέδαση“ (Kaló taxídi ke kalí diaskédasi“ → „Gute Fahrt und viel Spaß!“) den Schlüssel. Stell dir das mal in Deutschland vor!
Das Navi sagt: Vertrau mir
Wenn schon, denn schon. Ich geb‘ 39.190, 23.468 ins Navi ein, dort etwa soll die höchste Erhebung von Skiathos sein, der Mitikas Peak, exakt 3 ½ Kilometer nördlich des Hotels, dann fahren wir los. Da es hinter dem Irida View nicht geht, dann eben zunächst Richtung Koukounaries Strand, bis dann das Navi nach rund 400 Metern sagt „scharf rechts abbiegen“. Also fahr‘ ich auch rechts. Es geht steil bergauf (18% Steigung). Susanne meint, dass das unmöglich sein kann, weil der Weg immer unwirtlicher wird. Aber ich vertraue dem Navi. Susanne muss da wohl noch einiges lernen. Doch der Weg wird enger und enger und steiler und steiler und endet schließlich kurz nach der Villa Melia am unteren Ende einer Treppe.
Susanne kann sich ein gewisses Maß an Schadenfreude nicht verkneifen. Rückwärts fahre ich den Weg wieder runter, bis ich dann irgendwo drehen kann. Damit wir diese „Sackgasse“ und Susannes Triumph später auch immer wiederfinden, tippe ich im Navi „Anwendungen – Position merken – Treppe“ ein. Sucht man dann später bei „Meine Lieblingsplätze“ (Lieblingsplätze, welcher Hohn!) nach „Treppe“, wird automatisch 39.158300, 23.470652 angezeigt. Dann geht’s wieder runter auf die Küstenstraße. Der Abstecher hier hoch war wohl nichts. Kurz vor Katsarou – etwa einen Kilometer weiter – gibt’s dann endlich eine „richtige“ Möglichkeit rechts hoch zu fahren – dieses Mal den Straßenschildern nach. Das scheint nun wirklich besser zu sein. An den Studios Panorama Skiathos vorbei, der Villa Axiothea und dem SkySea Resort geht’s etwa fünf Kilometer hoch bis zur Anhöhe „Skiathos Firewatch“. So benannt, weil dort angeblich mal zur Waldbrandüberwachung ein Feuerwachturm war.
Auf dem Höhenweg
Von hier aus hat man einen Wahnsinns-Blick zum Flughafen, nach Skopelos und – wenn man beim linken Gipfel, der keinen Namen hat, genauer hinsieht – sogar bis zur im Dunst verschwindenden Insel Alonnisos. Wer noch mehr wissen will, der höchste Gipfel von Skopelos, der direkt hinter dem Südende der Landebahn des Flughafens Skiathos (rechts) zu sehen ist, ist der 681 Meter hohe Delphi Peak.
- Skiathos mit Maragos, Akros und Tsoukrias
- Blick Richtung Osten
Nach Osten hin tu‘ ich mir deutlich schwerer, etwas genau zuzuordnen. Dort sind nur Wälder und ein einzelnes Haus. Aber manchmal ist es ja ohnehin schöner, einfach nur zu gucken, anstatt immer alles benennen zu können.
Beim Platanos
Etwa anderthalb Kilometer später taucht plötzlich rechts das Restaurant Platanos vor uns auf. „Mensch, da ist es ja.” Eigentlich hatten wir ja vorgehabt, hierher zu wandern. Doch nachdem der Japaner sich die letzten Steigungen nur mit Mühe hochgekämpft hat, wird schnell klar, dass das bei über 30 Grad zu Fuß der pure Wahnsinn gewesen wäre. Durchschnittlich ging es nämlich rund sechs Prozent bergauf, wie man mittels „Höhe“ und „zurückgelegte Strecke“ leicht nachrechen kann. Dazu muss man am Navi nur die Einstellung „Bordcomputer“ drücken. Durchschnittlich, okay, dann war´s stellenweise sicher noch deutlich mehr.
- Hiwer kann man wenigstens parken.
- Susanne
Rund 250 Meter hinter dem Restaurant entdecken wir in einer Kurve eine kleine Haltebucht, in der man das Auto abstellen kann, ohne gleich die ganze Straße zu blockieren. Von dort laufen wir zurück.
| < zurück | Inhaltsverzeichnis | umblättern > |
| Reiseberichte aus Griechenland |
| Reiseberichte aus Europa |







