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Heimfahrt nach Skiathos

Rückfahrt


Zurück nach Skiathos sind wir schon extra früh wieder an Bord, weil Susanne sich unbedingt jetzt die Bugspitze reservieren will. Das ist die letzte Chance, eventuell doch noch Delfine zu sehen. Aber das englische Pärchen von heute Vormittag glaubt, mittels Handtuch-Markierung, den Bug für sich gepachtet zu haben. Dafür gibt´s von Susanne ein deutliches Daumen runter.

Wie schon am Samstag fahren wir auch heute wieder um die Südküste von Skopelos herum – der nördliche Teil scheint wetterbedingt erneut nicht befahrbar zu sein. Natürlich passieren wir wieder die Drachenschlucht und nur wenige Minuten später die Drei-Pinien-Insel. Obwohl es jetzt erst das zweite Mal ist, wirkt alles bereits erstaunlich vertraut.

Kurz nach der Drei-Pinien-Insel sieht man im Süden – obwohl rund 60 Kilometer entfernt – den höchsten Berg Euböas, den 1745 m hohen Dirphys.

Unsere Rundfahrt neigt sich dem Ende zu. Vor genau acht Stunden waren wir schon einmal hier am Leuchtturm von Repi. Noch ein kleines Stück steuerbord, dann ist es so weit: Backbord liegt Skiathos bereits vor uns, daneben das winzige Inselchen Δασκαλονήσι (Daskalonisi). Steuerbord zieht sich die Landebahn des Flughafens Αλέξανδρος Παπαδιαμάντης (Alexandros Papadiamantis) durchs Bild.

Kurz nach 18:00 Uhr winkt uns von der Halbinsel Bourtsi eine offenbar frisch verheiratete junge Frau zu. Sie scheint ein Stück ihres Glücks mit uns teilen zu wollen. „Tja“, denke ich mir, „dieses Glück hätten wir gut und gern etwas früher gebrauchen können.“ Und dann passiert etwas, womit wir längst nicht mehr gerechnet hatten.

Kurz vor der Ankunft im Alten Hafen von Skiathos kommt Reiseleiterin Victoria zu uns herüber, bleibt einen Moment stehen, blickt erst auf meine Kamera und dann in mein Gesicht – vielleicht sieht sie dort mehr, als ich selbst wahrhaben wollte. Sie entschuldigt sich, als ob sie persönlich schuld wäre, dass wir keine Delfine gesehen haben. „Das schlechte Wetter“, sagt sie und dann: „Wie lange sind Sie noch auf Skiathos?“ „Bis Freitag.“ Sie strahlt und plötzlich wird alles wieder leichter. „Wenn Sie möchten, fahren Sie doch am Donnerstag einfach noch mal mit. Sie und ihre Frau sind herzlich eingeladen.“ Da finde ich jetzt keine Worte mehr. Dabei hätten wir die Fahrt am Donnerstag ja ohnehin gemacht. Total perplex und nochmal „Danke“ stammelnd, gehen wir von Bord. Ob sie das am Donnerstag noch weiß?

Souvlaki Strike


In Skiathos geht es – ich bestehe darauf – wieder zum Souvlaki Strike. Besser essen kann man sonst nirgendwo. Da wir zu dieser Zeit die einzigen Gäste sind, entwickelt sich schnell ein Gespräch mit Wirt Athanasius. „Habt ihr die Delfine gesehen?“ „Leider nein – aber wir fahren am Donnerstag noch mal!“ 

Heimweg


Etwa eine Stunde sitzen wir noch dort, reden und lassen den Tag nachklingen, bevor wir uns auf den Rückweg machen. Zwei Kilometer sind es noch bis zum Irida Aegean View Hotel.

Die Straßen sind überraschend ruhig. Es ist kaum etwas los. Die sonst lebendige Atmosphäre der Insel ist verschwunden. Wir sind praktisch die einzigen unterwegs. Nur vereinzelt sind noch geöffnete Tavernen zu sehen, ansonsten liegt ein stiller, entspannter Abend über dem Ort – ganz anders als an den belebten Tagen zuvor. Das liegt wohl daran, dass die Touristen am Wochenende „auf den Putz hauen“ und Montag dann irgendwie so ein Zwischenruhetag ist.

Statt Menschen begegnen uns aber Tiere: In einem kleinen Laden hängen Fußballtrikots der Nationalmannschaften von Argentinien und Deutschland ordentlich aufgereiht. Auf einigen Kleiderbügeln haben sich Rauchschwalben niedergelassen, als gehörten sie ganz selbstverständlich zum Inventar.

An anderen Stellen sehen wir mit ΔΗΜΟΣ ΣΚΙΑΘΟΥ beschriftete Futterstellen für Katzen. Da es auf Skiathos deutlich mehr streunende Katzen gibt, als private Haushalte jemals versorgen können, kümmert sich die Gemeinde um die Tiere. Die Futterstellen helfen den Tieren besonders in den heißen Sommermonaten und sind ein sichtbares Zeichen dieser lokalen Fürsorge, die vielen Besuchern im Gedächtnis bleibt.

Weiter draußen, etwa auf halbem Weg zum Hotel, entdecken wir schließlich ein Pferd und einen Esel. Fast überrascht stellen wir fest, dass wir bisher noch keinen Esel gesehen hatten – obwohl wir dachten, dass sie doch irgendwie so selbstverständlich zu Griechenland dazugehören.

Gedanken über wahren Luxus


Gleich sind wir wieder zurück im Hotel. Die Superjacht ACE und ihr Versorgungsschiff Garçon mit dem Helikopter an Bord liegen noch immer unverändert vor Anker. Nee, doch nicht ganz: Heute Morgen sahen wir ihre jeweiligen Backbordseiten – jetzt zeigen sie uns die Steuerbordseite. Vielleicht haben sie sich aber auch nur gedreht, damit wir sehen, dass das keine Mock-ups für irgendwelche Filme sind.

Auch wenn wir heute keine Delfine gesehen haben, war es dennoch ein rundum gelungener Tag. Wir waren bei stürmischer See auf dem Meer unterwegs, haben Thunfisch-Spaghetti gegessen, Theodoros’ Begeisterung erlebt, das Vrachos in Skopelos fast für uns allein gehabt, wurden von Victoria angenehm überrascht, haben bei Saikis das vermutlich beste Bifteki der Welt gegessen – und alles mitgenommen, was einen echten Urlaubstag ausmacht: ungeplant, lebendig, voller Eindrücke und Gespräche.

Ich stell‘ mir die Frage: Was haben die auf der Superjacht eigentlich heute gemacht?  – Ihren Reichtum demonstrativ zur Schau gestellt?? Auf gekühlten Decks gelegen, das Meer als Kulisse konsumiert, vielleicht ein Glas in der Hand, vielleicht ein weiterer Sonnenuntergang im Abonnement? Und genau jetzt kippt mein Gedanke ins Zynische: Während denen dort drüben das Leben arrangiert, poliert, klimatisiert und von Personal in weißen Handschuhen serviert wird, haben wir es einfach gelebt.

Primator bis zum Dunkelwerden


Auf der Terrasse des Irida trinken wir zum Abschluss noch ein tschechisches Primator. Das soll zwar ein Weizenbier sein, für mich schmeckt es aber irgendwie bananig. Trotzdem verweilen wir auf der Terrasse, bis gegen zehn die Nacht langsam über die Insel fällt.


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