Im Regen, in der Sonne und bei „guten Freunden“
Verregneter Morgen
Nach dem gestrigen Mega-Urlaubstag beginnt der Sonntagmorgen heute eher düster: Es regnet. Schon der Weg zur Frühstücksterrasse fühlt sich heute daher absolut sinnlos an. Es ist, als würde man durch eine graue Wand aus Nässe und Kälte laufen, die jede Lust auf draußen im Keim erstickt und alles ausbremst. Normalerweise wird hier ja auf der Terrasse neben dem Pool gefrühstückt. Heute jedoch sind die Tische – wegen des Regens – unter eine ausfahrbare Überdachung an der Hauswand zusammengeschoben worden. Dort drängen sich dann alle zusammen.
- Frühstück unterm Dach
- Grau in Grau
Das Frühstück holen wir uns wie gestern drinnen vom Buffet. So richtig überzeugen will das Angebot heute aber nicht: überwiegend Süßes, kaum Herzhaftes wie Wurst, Speck oder Ei – alles, worauf ich eigentlich Lust hätte, fehlt. Dazu läuft im Radio ein düsterer Flügelhorn-Blues, der einen noch weiter runterzieht. Ich seh‘ jetztschon: Der Tag heute wird nichts.
Mit dem Wenigen auf dem Teller – es gab ja nichts Passendes – gehen wir zurück nach draußen unter das schützende Dach. Auf den Tischen, für die kein Platz mehr war, sammeln sich bereits große Wasserlachen. Selbst die Tischdeko-Rose wirkt darauf fehl am Platz.
- Rose wird von oben gewässert.
- Die Nässe mögen wir gar nicht.
An Nebentisch beginnt sich der Zucker in den Tütchen langsam aufzulösen – auch er hat wohl jede Hoffnung auf einen trockenen Tag verloren.
- Trostloser Morgen
- Der Zucker löst sich langsam auf.
Alles ist so trostlos, dass selbst das Frühstück an Bedeutung verliert. Spazierengehen ist bei diesem Wetter nicht drin – nicht einmal bis zur Bushaltestelle würde man es heute schaffen ohne völlig durchnässt zu sein. Die einzig vernünftige Entscheidung ist, wieder ins Bett zu gehen und zu hoffen, dass sich das Wetter bis zum Aufwachen bessert. Susanne sitzt derweil unter dem überdachten Bereich unserer Terrasse, liest und löst Kreuzworträtsel.
- Nur die Pflanzen freuen sich über den Regen
- Alles ist düster.
Der halbe Tag schon vorbei
Gegen halb zwölf wache ich wieder auf. Es ist zwar noch alles nass, aber immerhin kommt von oben kein weiterer Regen mehr nach. Wir beschließen, unser Glück zu versuchen, und gehen hinunter zur Straße, in der Hoffnung, dass sonntags irgendwann ein Bus nach Skiathos-Stadt fährt.
Laut Plan soll das angeblich alle halbe Stunde der Fall sein – ganz sicher sind wir uns da aber nicht. Ein österreichisch-englisches Paar wartet nämlich bereits seit einiger Zeit, wir stellen uns dazu und warten auch. Gefühlt: Stunden.
- Nässe von oben und unten
- Der Regen hat aufgehört.
Dann, endlich, taucht in der Ferne tatsächlich ein Bus auf. Man richtet sich darauf ein, gleich einsteigen zu können – doch dann fährt der einfach durch. Was war das jetzt?
Taxi
Noch während wir versuchen zu begreifen, was da gerade passiert ist, hält auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein Taxifahrer in Richtung Koukounaries. Er winkt uns herüber und sagt trocken: „Das mit dem Bus könnt ihr vergessen! Bei diesem Wetter haben alle dieselbe Idee“, erklärt er weiter, und wenn der Bus voll sei, fahre er einfach durch. Die Linie 1 habe 27 Haltestellen – wir stehen an der sechsten. Da könne man sich leicht ausrechnen, wie voll der Bus schon sei, wenn er aus Koukounaries kommt. Unsere Chancen, noch mitzukommen, seien entsprechend gering.
Stattdessen bietet er uns an, dass er uns nach Skiathos-Stadt fährt. Auch wenn es im ersten Moment sehr danach aussieht, als wolle er einfach ein Geschäft machen, bleibt uns wohl nicht viel anderes übrig. Zehn Euro will er für uns vier haben. Der Bus hätte uns insgesamt 6,40 Euro gekostet – ein Unterschied, der zwar da ist, aber in der Situation nicht entscheidend ist. Trotzdem versuchen wir – eher halb im Scherz – noch ein wenig zu handeln. Der Fahrer zeigt allerdings keinerlei Humor und bleibt bei seinem Preis.
- Mit dem Taxi in die Stadt
- Skiathos-Stadt
Keine drei Minuten später setzt er uns an der Papadiamanti-Straße ab – am Beginn der Fußgängerzone und damit im touristischen Zentrum von Skiathos-Stadt. Cafés, Bars, Boutiquen, Restaurants und Tavernen reihen sich hier dicht aneinander. Wir laufen 150 Meter, da stoßen wir zufällig auf einen kleinen Laden mit Eselprodukten. Das passt gut, denn eigentlich wollten wir auf Skiathos eine Eselstation besuchen. Laut Reiseführer soll es dort einmal eine solche Farm gegeben haben – da ich Esel mag, stand das fest auf unserer Liste. Leider existiert diese Station nicht mehr. Offenbar gab es Probleme mit dem Grundstück, und die Tiere wurden auf verschiedene Orte verteilt. Vielleicht auch kein Wunder – angesichts anderer Herausforderungen hat Griechenland vermutlich gerade andere Prioritäten. So fügt sich auch das irgendwie in diesen Tag: Warum sollte ausgerechnet jetzt etwas problemlos funktionieren?
Souvlaki Strike
Direkt gegenüber entdecken wir dann ein kleines Lokal – eher eine größere Pommesbude – mit dem Namen „Souvlaki Strike“. Nachdem ich heute früh kaum gefrühstückt hatte – es gab ja nur Süßes – habe ich jetzt richtig Kohldampf. Etwas Herzhaftes, ein Hackfleischküchle, wäre jetzt genau richtig, und tatsächlich passt hier alles: kleine Menüs inklusive Getränk für 5,90 Euro, einfach, unkompliziert und genau das, was wir brauchen.
- Im „Souvlaki Strike“
- Das Angebot verlockt.
Ich bestelle Menü 3 mit „Burger“ (also Bifteki), Susanne nimmt Menü 2 mit Souvlaki. Es sind kaum Gäste da, aber das stört uns nicht. Athanasius, der sehr gut Deutsch spricht, scheint uns als Deutsche zu erkennen: „Willkommen meine sehr guten Freunde!“ Klar meint er das nicht wörtlich, aber es zeigt doch, dass wir hier ganz offensichtlich „sehr willkommen“ sind. Er erzählt, er habe lange in Rosenheim gearbeitet und die Bayern sehr schätzen gelernt. Im Hintergrund läuft griechische Musik, irgendwo zwischen „Alexis Sorbas“ und Vicky Leandros – deutlich angenehmer als das depressiv-machende Flügelhorngedudel heute Morgen beim Frühstück im Hotel.
- Susannes Souvlaki
- Rüdigers Bifteki
Es dauert nicht lange, dann wird das Essen serviert. Und das ist der Hammer. Ich war schon oft griechisch essen und das beste griechische Restaurant war für mich immer der „Kamin“ in Birkenheide in der Pfalz. Seit meinem Praktikum bei der BASF vor 40 Jahren schon! Aber das hier ist einfach unglaublich! In diesem unscheinbaren Grill- und Streetfood-Lokal habe ich eben die besten Bifteki meines Lebens gegessen.
Vom Holzkohlegrill, außen leicht knusprig, innen unglaublich saftig und voller Aroma, dazu dieser typische Rauchgeschmack, der sich in idealer Weise mit dem Oregano und Knoblauch verbindet. Das ist es einfach! Manche werden sagen: „Fastfood“. Ich aber sage: „In seiner Ehrlichkeit und Intensität dermaßen perfekt, dass es sich mit jedem Sterne-Restaurant messen kann.“ Ein unerwartetes Highlight des Tages. Da muss ich unbedingt noch mal her.
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