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Auf Mamma-Mia-Tour – Zwischen Vorbehalt und Staunen

Mamma-Mia-Tour

Aus dem Hafen heraus


Anschließend gehen wir an Bord der „Poseidon“. Laut Prospekt soll uns Mamma-Mia-Tour zu verschiedenen Drehorten bringen, an denen 2008 Außenaufnahmen für den Musical-Film „Mamma Mia“ mit Amanda Seyfried, Meryl Streep, Colin Firth und Pierce Brosnan entstanden sind. Wir sind gespannt, was uns erwartet – in erster Linie hoffen wir aber, Delfine zu sehen.

Die „Poseidon“ ist etwa 25 Meter lang, zweistöckig, und ich positioniere mich oben auf dem zweiten Deck, während Susanne wie selbstverständlich vorne am Bug hockt.

Doch der Platz ist auch von anderen heiß begehrt: Schon bald wuseln zahlreiche weitere Touristinnen um Susanne herum, darunter auffallend viele junge Osteuropäerinnen, sehr hübsch und stark gestylt. Eine nach der anderen wird von einem – ich nenn ihn mal – „Model Pose Coach“ mit Ausdrücken wie „Chin down slightly, eyes up“, „Drop your shoulders“, „Shift your weight to the back leg” positioniert, von einem professionellen Fotografen abgelichtet, dann folgt auch schon das „next please“. Dann beginnt die Party an Bord. Ein ABBA-Hit folgt dem nächsten: „Dancing Queen“, „Don’t go wasting your emotion / Lay all your love on me“, „Super Trooper“ und viele mehr.

Ákra Gouroúni


Die Stimmung an Bord ist ausgelassen. Nach etwa einer Stunde auf See umrunden wir das Kap Gouroúni mit dem 1889 erbauten Leuchtturm Ákra Gouroúni.

Ekklisia Agios Ioannis Chapel


Etwa eine weitere halbe Stunde später befinden wir uns direkt unter einem Felsen namens „Palouki“, auf dessen Gipfel eine Kapelle steht, die Johannes dem Täufer gewidmet ist. Sie wurde 1612 von einem Mönch namens Simeon gegründet, doch das spielt heute nur noch eine Nebenrolle. Bekannt ist die Kapelle heute vor allem durch den Film „Mamma Mia“: Dort haben Donna (Meryl Streep) und Sam Carmichael (Pierce Brosnan) 2008 geheiratet. Seitdem ist die Location zu einem echten Kult-Ort geworden.

Die „Poseidon“ ankert in einer Bucht etwa 200 Meter südlich des Felsens. Laut Reiseführer sollen es von hier aus 200 Stufen hinauf zur Kapelle sein – doch in Büchern steht bekanntlich vieles. Wie viele Stufen es tatsächlich sind, möchte ich lieber selbst herausfinden.

Vom Strand aus beginnt der Aufstieg mit zunächst 51 Stufen hinauf zu einem Trampelpfad, gefolgt von einem kurzen Stück asphaltierter Straße. Danach geht es wieder hinunter: 19 Stufen und anschließend noch eine einzelne Stufe hinauf, sodass man eine Art Terrasse erreicht.

Von dort führt der Weg weiter mit 31 Stufen nach oben, gefolgt von einem kurzen ebenen Abschnitt zum Verschnaufen. Danach folgen noch einmal 30 Stufen, erneut ein Stück ebener Weg und schließlich 6 weitere Stufen. Oben angekommen, wird man mit einem fantastischen Ausblick sowohl nach Norden als auch nach Süden belohnt.

Die Pause tut gut. Danach geht es weitere 19 Stufen hinauf und anschließend wieder 8 Stufen hinunter. Man fragt sich unwillkürlich, ob der Treppenbauer eigentlich genau wusste, was er wollte. Es folgt noch eine einzelne Stufe nach oben und dann wieder ein kurzes ebenes Stück.

Aber jetzt kommt´s. Im letzten Anstieg sind es nochmal 113 Stufen am Stück Ich keuche wie das berühmt gewordene „Halb-acht-Zügle“. Ohne meine Strichliste hätte ich mich bei der Anstrengung sicher verzählt. Insgesamt komme ich somit auf 278 Stufen hinauf und zwischendurch mal irgendwo 27 Stufen hinunter. Also nichts mit 200 Stufen. Da haben sich die Reiseführer-Autoren – oder ich? – verzählt.

Aber egal: Jedenfalls sind wir jetzt nach einer halben Stunde Kletterei oben. Susanne hat mich, obwohl sie sich das zunächst nicht zutraute, bis ganz nach oben begleitet. Beim Betreten der Kirche stellt sich jedoch eine gewisse Ernüchterung ein: Man sieht zwar viele schöne Ikonen und alte kirchliche Gegenstände, aber war die Kirche im Film nicht irgendwie deutlich größer?

Das liegt sicher daran, dass die Innenaufnahmen nicht hier entstanden sind. Manche sagen, diese seien in der kleinen Kirche „Agion Panton“ vor der Panagitsa tou Pirgou am Rand des Hafens von Skopelos entstanden, andere wiederum behaupten, sie seien in den Pinewood-Studios gedreht worden –  eines aber ist sicher: Nicht hier!

Am Ende ist jeder Film ohnehin Fiktion und man lässt sich als Zuschauer darauf einfach ein – oder eben nicht. Sicher ist jedenfalls: Hier auf dem Felsen bei der Ekklisia Agios Ioannis Chapel wurden nur die Außenaufnahmen gedreht. Und so außer Atem wie wir jetzt waren die Figuren im Film bestimmt auch nicht – Donna konnte dort sogar noch voller Inbrunst The winner takes it allträllern. Film eben.

Wenn schon mal da, trägt sich Susanne noch ins Gästebuch der Kapelle ein: „Mamma Mia, der Aufstieg ist ganz schön steil. Aber es lohnt sich. 10. Juni 2017, meeresakrobaten.de“ und zündet zum Gedenken an Menschen, die nicht mehr bei uns sein können, eine Kerze an.

Bevor wir wieder hinuntergehen, ist es offenbar für alle ein Muss, die Glocke zu läuten, die draußen an einem Ölbaum hängt. Irgendwie gehört sie längst schon genauso zum Ort wie die steilen Felsen und der Blick aufs Meer. Einer nach dem anderen tritt heran, greift nach der Glocke und lässt sie klingen. Kein großes Ritual, eher ein kurzer Moment nur. Auch ich bleibe kurz stehen, greife die Kordel, höre das Klingen des Metalls und weiß, dass hier längst mehr mitschwingt als Religion. Ich wünsch mir was und vielleicht geht mein Wunsch ja irgendwann in Erfüllung? Aber niemandem erzählen, was Du dir gewünscht hast, sonst klappt’s nicht.

Während man fürs Hinaufkraxeln lediglich eine halbwegs gute Kondition braucht, ist es herunter – konditionsmäßig – deutlich einfacher – aber nur, wenn man schwindelfrei ist.

Schließlich haben wir es dann doch geschafft. Um 12:00 Uhr sind wir wieder unten …

… und um 12:20 geht es dann weiter.

Finns Interview


Wir wären jedoch nicht die „Meeresakrobaten“, wenn wir nicht versuchen würden, auch die Besatzung zum Thema Delfine auszufragen. Wer täglich auf dem Meer unterwegs ist, bekommt schließlich Dinge zu sehen, von denen normale Urlauber nur träumen können.

Die Rolle des Reporters übernimmt dabei wie immer Finn. Unser Plüschdelfin kennt keinerlei Berührungsängste und verwickelt Kapitäne und Besatzungsmitglieder oft viel schneller in Gespräche, als wir das könnten. Dass er anschließend auf seiner eigenen Homepage über das Treffen berichten wird, versteht sich für ihn natürlich von selbst.

Die beiden Männer an Bord sind von ihm völlig begeistert. Besonders Dimitrios Kantarakis im blauen T-Shirt schließt ihn sofort ins Herz und will ihn am liebsten gar nicht mehr hergeben. Am Ende ist Finn dann aber doch wieder bei seiner „Mamma“, und wir können in Ruhe die nächste Mamma-Mia-Destination ansteuern.ür Donnas und Sams Hochzeit aus „Mamma Mia!“ entstanden sein. Ob das stimmt? Keine Ahnung. Aber das lässt sich ja sicher leicht herausfinden. Wir müssen nur hingehen und nachsehen.


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