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Ankunft im Sommerglück – erster Abend auf Skiathos


Gelandet in Skiathos


20:30 Uhr (19:30 Uhr MEZ – Griechenland ist im Sommer eine Stunde voraus). Rechts unter uns sehen wir die Landebahn von Skiathos, genauer gesagt: das Südende der Landebahn. Links daneben ganz deutlich das St.-Georgs-Feuchtgebiet (Υδροβιότοπος Λίμνης Αγίου Γεωργίου) und dahinter die Koukounaries-Halbinsel und das Χερσόνησος Κουκουναριών / Στροφυλιά (Strofilia-Küstengebiet). Jetzt nur noch im Uhrzeigersinn eine 180°-Kehre und wir sind da.

Mir ist ein bisschen mulmig, denn ich erinnere mich noch gut an die Landung vor 22 Jahren, als der Flieger so stark abbremste, dass einem fast der „erste Kindlesbrei“ wieder hochkam. Nicht umsonst zählt der Insel-Flughafen Alexandros Papadiamantis zu den irrsten Flughäfen der Welt. Bereiten wir uns also auch heute auf eine Landung mit extremer Abbremsung vor. Auch wenn ich weiß, dass dar gar nichts nützt, kralle ich mich mit beiden Händen an der Rückenlehne des Vordersitzes fest.

20:43 Uhr. Das Hauptfahrwerk hat Bodenkontakt. Genau zeitgleich werden an den Flügeloberseiten Klappen ausgefahren, die den Auftrieb zusammenbrechen lassen und den Luftwiderstand erheblich erhöhen. Als schließlich das Bugrad den Boden berührt, wird dann auch tatsächlich der Umkehrschub aktiviert, die Radbremsen erledigen dann den Rest.

Puh, geschafft! Für die Verhältnisse auf Skiathos war das heute eine butterweiche Landung – na ja, vielleicht eher butterweich mit Butter direkt aus dem Kühlschrank. Aber was die Technik heute schon vermag, ist schon ein Wahnsinn: die 93 Tonnen der A320 einfach so dermaßen weich runter zu bremsen – Wahnsinn! Wir bleiben noch eine Weile sitzen und dann: „Guck mal, da draußen!“ Unser Koffer ist schon auf dem Weg zum Terminal.

Am Flugzeug werden wir von Bussen abgeholt, dabei hätte man die 200 m bis zum Terminal locker auch zu Fuß geschafft. Der Flughafen ist so klein, dass auch die Kofferausgabe ruck-zuck erledigt ist.

Eigentlich käme jetzt die Passkontrolle, doch das Kabäuschen steht leer. Kein Beamter, kein Blick in den Pass, nichts. Die Situation wirkt fast schon surreal. Man geht einfach durch – als hätte man diesen Schritt im Reiseablauf einfach übersprungen.

Fahrt zum Hotel


Am Ausgang wartet ein Mann mit einem Schild „Susanne-Gugeler“. Das ist sehr praktisch, denn vom Flughafen Alexandros Papadiamantis gibt es – zumindest um diese Uhrzeit – keine öffentlichen Busse mehr in die Stadt.

Wir ziehen unsere Rollkoffer zu einem schwarzen Van, in den zunächst das Gepäck und anschließend wir eingeladen werden. Für acht Erwachsene und zwei Kinder reichen die acht Sitzplätze jedoch nicht aus, sodass es eng wird. Eine Frau schlägt vor: „Denise, du kannst ja bei mir auf den Schoß sitzen“, worauf die Kindermund-Antwort sofort kommt: „Ich sitz lieber auf dem Schoß von Tante Bettina, der ist breiter und die sitzt schon direkt neben mir.“ Ich kann mir ein Schmunzeln nicht verkneifen.

Das mit dem „Auf-dem-Schoß-Sitzen“ lässt der Fahrer allerdings nicht zu, also muss eine andere Lösung her: Susanne und ich werden wieder ausgeladen. Wichtig ist nur, dass auch unser Gepäck mit aussteigt. „Es kommt gleich jemand“, sagt der Fahrer.

Kurz darauf kommt auch tatsächlich einer, ein schwarzer Golf, der uns exklusiv übernimmt, und Vasilis – offenbar der Geschäftsführer unseres Hotels – fährt uns schließlich höchstpersönlich zum Irida Aegean View.

Irida Aegean View


Vom Flughafen zum Hotel sind es zwar nur 5 km (das habe ich zu Hause gegoogelt), aber dennoch brauchen wir bei den engen Straßen und dem Verkehr über eine halbe Stunde. Im Irida Aegean View werden wir von einer jungen Frau willkommen geheißen. Inzwischen ist es dreiviertel zehn und schon Kuhnacht.

So spät sind wir selten in einem Hotel angekommen. Wir bringen unsere Sachen ins Zimmer, schauen uns nur kurz um und packen die Klamotten noch nicht einmal aus. Dann gehen wir wieder raus auf die Terrasse. Wir müssen diesen Sommerabend unbedingt noch genießen. Der Vollmond steht groß über der Ägäis. Was wir – bei Dunkelheit – vom Hotel sehen, begeistert uns. Kaum vorstellbar, dass wir vor fünf Stunden vor München noch im Stau standen und den Urlaub schon schwinden sahen.

Ich erkundige mich, ob ich noch ein Bier bestellen könnte. „Of course, you’re very welcome. Please take a seat.“ Wir setzen uns als einzige Gäste in dieser Nacht auf die Terrasse. Es ist herrlich. Ich schau‘ auf die Speisekarte und habe Lust auf einen Salat, doch leider hat die Küche schon zu. „Schade“. „What, do you think I can’t make you a salad?“ reagiert die nette Hotelfrau auf mein sorgenvolles Gesicht. So lernen wir Kristina kennen.

Wir sitzen auf der Terrasse am Pool, genießen ein eisgekühltes άλφα (Alpha-Bier) und dazu den von Kristina exklusiv für uns zubereiteten griechischen Salat mit Tomaten, Zwiebeln, Gurke und reichlich Schafskäse. Der Urlaub hat – nach dem Fehlstart auf der bundesdeutschen Autobahn – nun endlich richtig begonnen.

Wir sitzen noch lange mit Kristina zusammen und kommen im Gespräch wieder auf die Anfänge unserer Reisen in die Nördlichen Sporaden zurück, dass wir hier 1995 zum letzten Mal waren und damals unseren ersten freilebenden Delfin gesehen haben.


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