Zwischen Stau und Startbahn
Anfahrt zum Flughafen
Freitag, 9. Juni 2017, Flug Condor 1604 um 17:15 Uhr ab München: Da der Rückflug nächste Woche erst spät am Abend in München ankommt und unklar ist, wie schnell wir aus dem Flughafen herauskommen und ob wir dann überhaupt noch einen Zug nach Mering erwischen, entscheiden wir uns dieses Mal, mit dem Auto zu fahren und es auf dem Urlauberparkplatz P41 abzustellen.
Die Anfahrt zum Flughafen haben wir zuvor in Google Maps und im Navi geprüft: „Eine Stunde“ hieß es dort. Wenn wir also um halb eins losfahren, bleibt genug Zeit, um am Flughafen noch in Ruhe einen Cappuccino oder ein Weißbier zu trinken, dachten wir, aber DENKSTE! Auf der B2 zwischen Mering und Fürstenfeldbruck sowie auf der B471 Richtung Autobahn läuft es zunächst noch richtig gut, aber kurz nach eins beginnt das Chaos: dichter Stau ohne Ausweichmöglichkeit. Sollte aber locker reichen – über vier Stunden noch bis zum Abflug und nur noch 42 km bis zum Parkplatz. Geplante Ankunft laut Navi: 13:32 Uhr.
Sobald wir uns aber in den Stau eingefädelt haben, geht überhaupt nichts mehr. Nur die Uhr im Navi bewegt sich noch. 14:13 Uhr – in 41 Minuten haben wir gerade mal 8 km geschafft. Aus diesem Grund verlasse ich bei München-Ludwigsfeld die Autobahn in der Hoffnung auf Besserung: noch 30 km und drei Stunden Zeit, das reicht doch locker. Aber Pustekuchen! Der erhoffte Vorteil bleibt aus. Auch die Ausweichstrecke ist gnadenlos verstopft.
Über die B304 und B471 geht es auch nicht weiter, der Stau zieht sich bis zur A92 bei Unterschleißheim und weiter Richtung Flughafen. Am Kreuz Neufahrn angekommen, stehen wir nun seit über 2½ Stunden im Stau. Die Stimmung kippt, kaum noch ein Wort wird gesprochen – der Urlaub scheint schon verloren, bevor er beginnt. Erst hinter der A9 löst sich der Verkehr plötzlich. Ich gebe alles, was der Panda hergibt, und kurz nach 16:00 Uhr. 1:15 h vor dem Abflug, erreichen wir endlich den Parkplatz P41 Nord, wo wir einen Stellplatz in Reihe 14 bekommen. Aber wir müssen ja noch zum Terminal, einchecken, Sicherheitskontrolle und, und, und. Wie das gehen soll?
Flughafen München
Wir müssen es versuchen, es bleibt gar nichts anderes übrig. Um 16:16 Uhr geht der Bus, und um 16:22 Uhr sind wir am Terminal 1. Jetzt nur noch zum Bereich D. Das dauert weitere 5 Minuten! In 48 Minuten geht der Flug!
Am Condor-Schalter stehen kaum noch Leute – wir können die Koffer also sehr schnell abgeben und dann direkt weiter zum Gate D15, wo das Boarding gerade eben begonnen hat. Ein paar Meter vor mir rollen die Handgepäckstücke gleichmäßig Richtung Sicherheitsschleuse, das leise Piepen der Scanner mischt sich mit Stimmen, die irgendwo zwischen Routine und Eile hängen. Ich schiebe meinen Fotorucksack ein Stück weiter auf dem Band nach vorne, dann der nächste Stress: Ausgerechnet ich werde aus der Schlange gezogen.
„Bitte kurz hier entlang.“
Nicht laut, nicht dramatisch. Ich nehme den Rucksack und folge dem Uniformierten seitlich in einen Bereich, der ruhiger ist. Kein Durchlaufband mehr, kein gleichmäßiges Rattern der Koffer. Nur eine kleine Station mit einem grauen Tisch, Bildschirm und diesem typischen Flughafenlicht, das alles noch ein bisschen farbloser wirken lässt.
„Können Sie dem Rucksack bitte öffnen?“ Ich öffne ihn. Drin Kameras, Objektive, Kabel – alles so ordentlich, wie es eben sein kann, wenn man versucht, Chaos in gepolsterte Fächer zu zwingen. Der Beamte zieht Handschuhe an, nimmt ein kleines Tuch und fährt über die Reißverschlüsse, über den Griff, kurz über die Außenseite. Dann wandert der Lappen in ein Gerät. Ein leises Surren, ein kurzer Moment Stillstand. Ich fühl mich wie ein Verbrecher, dabei hab‘ ich doch gar nichts getan!
Dann endlich die Erlösung: „Alles in Ordnung!“, sagt der „Handschuh-Mann“ nach wenigen Sekunden. Der Rucksack wird wieder zugemacht, ein kurzer Blick noch, dann darf ich gehen. Ich bin komplett am Ende und will nur noch in den Flieger und endlich Ruhe haben. Doch daraus wird nichts: Der Flieger aus Lanzarote, der später nach Skiathos weiterfliegen soll, hat eine halbe Stunde Verspätung – und wir haben uns abgehetzt! Jetzt sitzen wir am Gate D15 und warten.
Flug
Inzwischen ist der Flieger gekommen und rollt endlich – mit uns an Bord um 17:45 Uhr auf die südliche Startbahn. Der Urlaub, den wir schon abgeschrieben hatten, kann nun also doch noch beginnen. Und jetzt im ganzen Stress auch noch was Positives: Der Sitzabstand vor unseren Sitzen 20 E und F ist für meine Verhältnisse hervorragend …
- Die Condor Airbus A 320 auf dem Rollfeld
- Gleich geht´s los
… und die Verspätung spielt offenbar auch kaum eine Rolle. Aufgrund des extremen Rückenwindes – so der Kapitän – wurde unsere Flugzeit mit nur 1:50 Std. berechnet, sodass wir wohl schon um 20:39 Uhr Ortszeit in Skiathos sein werden.
Was mich total fasziniert, sind die Monitore über uns. Während draußen nur Wolken und Himmel vorbeiziehen, zeigt die Karte auf den Bildschirmen genau, wo wir gerade sind. Das kleine Flugzeugsymbol bewegt sich langsam Richtung Griechenland – fast wie in einem Videospiel. Dadurch hat man irgendwann gar nicht mehr das Gefühl, selbst in einem herunterfallbaren Flugzeug zu sitzen, sondern eher entspannt ein Game zu beobachten.
- Simulation: So soll der ganze Flug ablaufen
- Überflug über das Šar Planina (Scharr-Gebirge)
19:00 Uhr MEZ: Die mazedonische Hauptstadt Skopje liegt nun kurz vor uns und eine weitere Viertelstunde später sind wir bereits über dem Olymp.
- Über Skopje
- Rechts unter uns der Olymp
| < zurück | Inhaltsverzeichnis | umblättern > |
| Reiseberichte aus Griechenland |
| Reiseberichte aus Europa |





