Homepage / Suche / Gästebuch / Impressum

Wenn die Umleitung nervt und die Klimaanlage streikt



Verkehrsirrsinn …


Hab‘ ich eben noch über die Umleitungen von Susannes Verwandtschaft gelästert, kommt‘ nun auch bei uns knüppeldicke. In Baden-Württemberg ist „Über-Land-Fahren“ wahrlich kein Vergnügen. Kaum unterwegs, beginnt auch für uns das große Spiel: „Finde die richtige Umleitung.“ Es scheint, als gäbe es hier mehr Umleitungsschilder als freie Straßen.

Und als wären Umleitungen noch nicht genug, wartet danach häufig die nächste Überraschung: 30er-Zonen. Inzwischen hat man den Eindruck, dass kaum eine Ortsstraße ohne sie auskommt. Man fährt von Baustelle zu Baustelle und von Tempo-30-Schild zu Tempo-30-Schild – entschleunigtes Reisen bekommt hier eine ganz neue Bedeutung.

Natürlich hat die Ba-Wü-Landesregierung eine gute Begründung: Mit der Aktion „Straßenverkehr soll leiser werden“ will sie die Bevölkerung besser vor krankmachendem Verkehrslärm schützen. Ein ehrenwertes Ziel. Trotzdem stellt sich die Frage: „Ist ein Auto wirklich leiser, wenn es im zweiten Gang mit 3.000 Umdrehungen durch den Ort röhrt, statt mit niedriger Drehzahl im fünften Gang entspannt dahingleitet?“

Aber Zahlen sind bekanntlich geduldig – und Verkehrsschilder noch geduldiger. Also schleichen wir weiter. 30 km/h. Immerhin bleibt genug Zeit, die örtliche Architektur zu bewundern, Speisekarten von Gaststätten zu studieren und herauszufinden, welcher Nachbar gerade seine Hecke schneidet.

Besonders spannend wird es, wenn dieses Erlebnis nicht einmalig ist, sondern sich alle paar Kilometer wiederholt. Ortsdurchfahrt um Ortsdurchfahrt: abbremsen, Gang wechseln, Blick auf den Tacho, warten. Man beginnt, eine persönliche Beziehung zu jeder einzelnen 30er-Zone aufzubauen.  Am Ende bleibt die Frage: Wiegt eine fragwürdige Lärmreduzierung wirklich die strapazierten Nerven der Reisenden auf?

… und heiße Luft


Inzwischen ist es merklich heißer geworden. Das Thermometer zeigt 36 °C. Im Panda selbst ist es sicher noch ein paar Grad wärmer – aber wir haben ja eine Klimaanlage. Problem: Die kühlt heute keinen Fatz.

Sofort sind meine Gedanken beim Fährtle vor fünf Wochen. Wir wollten nach Holland fahren, und plötzlich war am Tag vor der Fahrt im Kühlwasserbehälter des Pandas kein Tropfen Kühlmittel mehr. Die schlimmsten Gedanken schossen uns damals durch den Kopf: Zylinderkopfdichtung, undichter Kühler oder irgendein anderer teurer Motorschaden. Die Reise scheint in letzter Minute zu platzen.

Unsere Werkstatt rettet damals sprichwörtlich unsere Urlaub. Obwohl es schon später Nachmittag war, nahm man sich noch Zeit für den Panda. Das Kühlsystem wurde sorgfältig abgedrückt – und zu unserer Erleichterung ließ sich keinerlei Undichtigkeit feststellen. Anschließend wurde das Kühlmittel wieder aufgefüllt. Das Beste daran: Für die Druckprüfung und die Arbeitszeit verlangte die Werkstatt keinen einzigen Cent. Der Meister sagt nur: „Schönen Urlaub!“

Und heute? Unser „Katzabärle“ war erst vorgestern beim TÜV und hat die Plakette „ohne Mängel“ bekommen. Eigentlich sollte jetzt doch alles bestens sein. Wir waren sowas von überzeugt, dass der Panda nach der Hauptuntersuchung fitter sei denn je – und jetzt ist alles nur noch „heiße Luft“. Ausgerechnet die Klimaanlage gibt ihren Geist auf.

Also: Fenster runter. Doch der Fahrtwind ist ein schlechter Scherz. Statt angenehmer Kühlung bekommen wir die warme Luft nun mit voller Wucht ins Gesicht. Mit jedem Kilometer wird die Stimmung gereizter. Susanne hängt an der Wasserflasche, während ich mich gleichzeitig auf die 30er-Zonen konzentrieren muss, damit wir nicht auch noch geblitzt werden.

Die wildesten Theorien machen die Runde: Hat der TÜV irgendetwas beschädigt? Wurde eine Leitung geknickt oder ein Kabel abgerissen? Und ist es nicht ein Naturgesetz, dass technische Geräte bevorzugt kurz nach Ablauf der Garantie kaputtgehen? Je länger wir darüber nachdenken, desto sicherer sind wir: Das muss ein größerer Defekt sein.

Also quälen wir uns schwitzend weiter durch die Landschaft – mit offenen Fenstern, trockenen Kehlen und stetig sinkender Laune.

Dabei sind es vom Wildpark Bad Mergentheim nach Dinkelsbühl über die B 290 eigentlich nur 81 Kilometer, eine Strecke von etwa 1:32 Stunden, aber wir brauchen 2:11 Stunden – gefühlt noch viel, viel länger.

Am frühen Abend kommen wir zu Hause an.

Am Ende ist alles eine Frage der Einstellung


Heute, fünf Tage nach dem Fährtle – eher habe ich keinen Termin bekommen – war ich mit dem Panda in der Werkstatt. Nach all den kleinen Ärgernissen des Ausflugs war ich überzeugt: Jetzt kommt bestimmt noch einer weitere Überraschung – eine teure! Nach dem Kühlwasser-Schreck vom Juni und jetzt, nur wenige Tage nach dem TÜV, befürchtete ich das Schlimmste. Was, wenn der Klimakompressor den Geist aufgegeben hat? Was, wenn dann noch eine undichte Leitung, ein defekter Kondensator oder ein weiterer versteckter Schaden dazukommt? Dann bin ich mit ein- oder zweitausend Euro locker dabei. Okay, dann müssten wir in den sauren Apfel beißen. Für 2.000 € bekommen wir kein „neues“ Katzabärle. Je länger wir darüber nachdenken, desto mehr waren wir überzeugt: Da kommt bestimmt etwas Großes auf uns zu.

Um 15:00 Uhr haben wir Abholtermin. Ich gehe in die Halle und mache fragend das Daumen-hoch, Daumen-runter-Zeichen. Der Mechaniker lacht und meint: „Da war nichts. Kein Defekt, kein Kältemittelverlust und auch kein Schaden nach dem TÜV. Ihr hättet nur auf den Drehregler fürs Gebläse drücken müssen.“  Ein Druck auf den Drehknopf schaltet die Klimaanlage ein – dann leuchtet ein kleines gelbes Kontrolllämpchen. Ein erneuter Druck schaltet sie wieder aus, und das gelbe Licht erlischt. Und genau dieses kleine gelbe Lämpchen war am Ende der Schlüssel zur ganzen Geschichte. Die Klimaanlage war nicht kaputt. Sie war einfach nur nicht eingestellt.

So hatte unser Fährtle, bei dem sich Höhen und Tiefen abwechselten, doch noch zu einem Happy End geführt.

< zurück Inhaltsverzeichnis
Reiseberichte aus Deutschland
Reiseberichte aus Europa