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Für ein gutes Vogelbild muss man sich schon was anhören



Ab ins Getöse


Bisher war es angenehm ruhig im Park. Fast schon ungewohnt ruhig. Doch jetzt holt uns – ähnlich wie gestern auf der Schifffahrt – die unvermeidliche „Schulklassen-machen-jetzt-einen-Ausflug-Zeit“ ein.

Plötzlich ist Schluss mit der morgendlichen Idylle. Wo gerade noch Vogelgezwitscher und leises Rascheln im Mittelpunkt standen, kündigt sich nun eine deutlich lebhaftere Geräuschkulisse an. Der Wildpark bekommt Besuch – und zwar nicht zu knapp.

Wenn selbst High-Tech den Vogel nicht mehr einholen kann


Wenn wir die Greifvögel sehen wollen, müssen wir – obwohl mir das Geschrei der Kinder zuwider ist – rüber in den Tumult.

Die Schulklassen haben sich bereits lautstark am Treffpunkt der morgendlichen Tierparkführung versammelt. Dazwischen steht die Tierparkführerin, die routiniert ihr Programm abspult: „Als erstes sehen wir nun unsere Gänsegeier. Gänsegeier sind reine Aasfresser. In der Natur übernehmen sie eine ganz wichtige Aufgabe. Weil sie tote Tiere beseitigen, verhindern sie, dass sich Krankheiten ausbreiten. Mit ihrer Magensäure können sie viele Krankheitserreger unschädlich machen. Man nennt sie deshalb auch die Gesundheitspolizei der Natur. Gleich wird ein Gänsegeier zu uns herüberfliegen. Wenn ihr genau hinseht, könnt ihr sehen, dass er mit seiner Spannweite von bis zu drei Metern fast ohne einen einzigen Flügelschlag bis zu uns herübergleitet. Aber keine Sorge: Gänsegeier jagen keine lebenden Tiere und auch für uns Menschen sind sie völlig ungefährlich.“

Dann passiert endlich das, worauf alle gewartet haben. Auf der gegenüberliegenden Seite des Rotwildgeheges, genau dort, wo Susanne eben noch die Hirschkühe gefüttert hat, startet einer der Gänsegeier. Mit fast drei Metern Spannweite wirkt der riesige Vogel beeindruckend, wie er so langsam auf uns zugleitet.

Eigentlich habe ich ihn perfekt im Sucher. Die Kamera steht auf Serienbild, der Autofokus arbeitet – zumindest theoretisch. Klack, klack, klack: Die Kamera feuert eine ganze Serie von Bildern durch, doch der Vogel bleibt hartnäckig unscharf. Es ist schon erstaunlich, wie schwierig es ist, selbst ein so langsames und majestätisch dahingleitendes Tier zu fotografieren. Die Technik kann viel, aber zaubern kann sie offenbar auch nicht.

Erst als der Gänsegeier landet und kurz stillhält, bekomme ich meine Chance und es gelingen mir dann doch noch ein paar brauchbare Aufnahmen.

Das ging jetzt alles doch etwas zu schnell. Vögel, die direkt auf einen zufliegen, bringen den Autofokus meiner Canon 750D offenbar an seine Grenzen. Obwohl der Geier sauber im Sucher ist, schafft es die Kamera nicht, die sich ständig verändernde Entfernung schnell genug nachzuführen. Die Folge: viele Bilder, auf denen der Vogel zwar perfekt im Bild sitzt, aber die Schärfe nicht dort ist, wo sie sein sollte.

Besser ist es vermutlich, die Flugbahn nicht frontal, sondern etwas von der Seite zu fotografieren. Dadurch verändert sich die Entfernung zum Motiv nicht so schnell und der Autofokus hat deutlich bessere Chancen.

Als zweite Möglichkeit bietet sich an, ganz auf den Autofokus zu verzichten, einen festen Schärfepunkt zu wählen und den Moment abzupassen, in dem der Vogel genau diesen Punkt erreicht. Bei schnellen Motiven könnte diese altmodische Methode am Ende sogar erfolgreicher sein als die vermeintliche Supertechnik. Mal sehen, ob es bei den Steinadlern klappt.

Der König der Lüfte und sein Bodenpersonal


Nach dem Gänsegeier ist nun der Steinadler an der Reihe. Die Tierpflegerin spult auch hier ihr Programm routiniert ab – sachlich, korrekt und mit der Begeisterung einer Nachrichtensprecherin, die denselben Text bereits zum hundertsten Mal vorgetragen hat.

„Der Steinadler ist deutlich kleiner als der eben gezeigte Gänsegeier, aber keineswegs weniger beeindruckend“, erklärt sie. Während der Gänsegeier als Aasfresser die Rolle der Gesundheitspolizei übernimmt, ist der Steinadler ein aktiver Jäger. Er kommt vor allem in den Gebirgsregionen Europas, Asiens und Nordamerikas vor und ist perfekt an das Leben in den Bergen angepasst.

Natürlich darf der Hinweis auf seine außergewöhnliche Sehkraft nicht fehlen. Ein Steinadler kann kleinste Bewegungen noch aus großer Entfernung wahrnehmen – mehrere Kilometer weit. Mit seinen scharfen Augen entdeckt er Beutetiere wie Murmeltiere, Hasen oder kleinere Säugetiere und schlägt dann blitzschnell zu. Dabei nutzt er seine enorme Geschwindigkeit, seine kräftigen Fänge und die Fähigkeit, nahezu lautlos aus der Höhe anzugreifen.

Soweit die Theorie. Jetzt soll die Praxis folgen: Der Steinadler startet zu seinem Flug durch die Arena. Im Gegensatz zum schwer wirkenden Gänsegeier kommt er deutlich wendiger und kraftvoller daher, mit schnellen Flügelschlägen und präzisen Richtungswechseln.

Doch beim Rückflug passiert es. Unser Steinadler verliert offenbar die Kontrolle und stürzt ab. Für einen Moment sieht das überhaupt nicht gut aus. Statt elegant zurückzukehren, bleibt der Vogel am Boden liegen. Ein zweiter Falkner eilt in die Arena und trägt ihn schließlich aus dem Vorführbereich. Die Stimmung kippt kurz – aus der routinierten Vorführung wird plötzlich eine kleine Rettungsaktion.

Ob der Adler nur einen unglücklichen Moment hatte oder ob mehr dahintersteckte, bleibt für uns unklar. Jedenfalls war das nicht der majestätische Abschluss, den man von einem König der Lüfte erwartet hätte.


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