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Von Mering nach Aschaffenburg



Start in den Urlaub

Frühstück


Wie bei jedem „Fährtle“, auch heute wieder das gleiche Ritual: während Susanne zu Hause Kaffee vorbereitet und den Tisch deckt, fahre ich in die Stadt, Brezeln holen. Dabei – das Navi hat inzwischen genügend „Saft“ – gebe ich im TomTom schon mal da erste heutige Fahrziel ein: „Schönbusch-Park bei Aschaffenburg mit Zwischenstopp in Dinkelsbühl“. 3:36 h sagt das Navi.

Aber aufgrund meiner langjährigen „Fährtles-Erfahrung“ weiß ich: „Das haut nie hin.“ Wir sind – wenn wir zwischendurch auch mal „Pause machen“ oder fotografieren wollen (Staus, Unfälle, Umleitungen mit eingerechnet) mit der Formel

Effektive Fahrzeit = Navi-Zeit mal 1,3

immer bestens gefahren, d.h. dass wir, wenn wir um 8:00 oder 8:15 Uhr loskommen, so zwischen dreiviertel eins und eins am Schönbusch-Park bei Aschaffenburg sein sollten.

Von Mering bis Dinkelsbühl


Perfekt! Um 8:08 Uhr kommen wir los. Im Heimatsender BR 1, der immer läuft, wenn wir losfahren, singt ABBA  „Knowing me, knowing you, aha…“, das macht doch schon gleich Laune.

Früher haben wir unsere Fährtle immer ganz klassisch dokumentiert: Anhalten, Kugelschreiber suchen, Notizblock herauskramen und alles möglichst leserlich festhalten. Seit Weihnachten gibt es dafür einen neuen Reisebegleiter: den Sony ICD-PX470 Voice Recorder. Der hat einen entscheidenden Vorteil: Gedanken lassen sich genau in dem Moment festhalten, in dem sie entstehen. Ein Knopfdruck genügt, und schon sind spontane Beobachtungen, kuriose Dialoge oder Geistesblitze gespeichert – ganz ohne anzuhalten oder erst nach einem Stift zu suchen. Auch Ortsnamen, Uhrzeiten oder spontane Einfälle gehen nicht mehr verloren. Die sind ganz einfach im File-Namen mit dabei. Vor allem aber hält der Recorder etwas fest, was kein Notizblock kann: die Originalstimmen. Das Lachen zwischendurch, ein schwäbischer Spruch von Susanne, oder das Knirschen der Chips zum Feierabendbier – all das gehört später genauso zur Erinnerung wie die eigentlichen Sehenswürdigkeiten.

Am RAN-Tankstopp in Kissing machen wir bereits die erste kleine Tankpause. Danach geht es zügig weiter über die A8 Richtung Augsburg und Gersthofen, raus auf die B 2, wo wir kurz vor Donauwörth einen Dixi-Stopp einlegen.

Anschließend wechseln wir auf die B 25, die sich angenehm flüssig fahren lässt und überraschend wenig Verkehr aufweist. Die Strecke ist so typisch schwäbisch-bayerisch: viele kleine Parkplätze, und immer wieder einfache Toilettenlösungen am Rand der Route. Doch was ist das? Bei Ebermergen werden einzelne Fahrzeuge von der Polizei aus dem Verkehr gewunken – offenbar eine Routinekontrolle. Wir bleiben unkontrolliert. In Möttingen entdeckt Susanne dann ein Storchennest mit zwei Störchen drin. Und genau das ist es, was ich meine, wenn ich immer sage: „und gerade unterwegs passieren schließlich die Dinge, an die man sich später erinnert.“ Gegen 10:12 Uhr erreichen wir den Parkplatz in Dinkelsbühl. Der ist gerammelt voll. Dennoch haben wir – man muss ja auch mal Glück haben – den aller-, allerletzten Platz bekommen.

Von Dinkelsbühl zum Schönbusch-Park


Bisher lief es deutlich besser als geplant, sodass wir schon um 10:15 Uhr weiterfahren können. Damit wären wir – wenn’s so weitergeht – bereit ½ Stunde früher im Schönbusch-Park. Gegen halb elf  geht es bei der Auffahrt Dinkelsbühl/Fichtenau (112) auf die A 7. Wir fahren noch keine zehn Minuten, dann kommt wegen „Fahrbahnerneuerungen“ eine Baustelle, die wir aber dank der fast leeren Autobahn schnell hinter uns lassen.

Etwa 30 Kilometer vor Biebelried gießt es dann wie ab. Fast so abrupt, wie er gekommen ist, ist der Spuk 10 km später auch schon wieder vorbei, so schnell, dass die Technik vom „Katzabärle“ gar nicht mehr hinterherkommt. Noch wenige Sekunden bleiben die Wischer im alten Rhythmus und ziehen dann quietschend und kratzend über die plötzlich trockene Scheibe. Kaum habe ich die Wischer ausgemacht, beginnt es erneut zu tröpfeln, nur um kurz darauf am Kreuz Biebelried wieder in strahlenden Sonnenschein umzuschlagen.

Am Parkplatz Sandgraben Nord legen wir eine Pause ein. Während ich noch erfreut über ein relativ sauberes Autobahn-Klo berichte, hat Susanne eine ganz andere Erfahrung gemacht: Klo verstopft und übergelaufen. Die A 3 wird zunehmend unangenehmer: dreispurig, dichter Verkehr und auffällig viele LKW – vor allem aus Osteuropa. Susanne meint nur trocken: „So ist halt eine Autobahn.“ Meine Antwort fällt weniger diplomatisch aus: „Da fahr‘ ich aber nicht gern.“ 

Draußen liegen angenehme 20°C an. Am Dreieck Würzburg-West verdichtet sich das Geschehen zunehmend. „Was macht der LKW da denn für ‘n Scheiß? Zieht in meine Spur ohne zu blinken. Hat der mich nicht gesehen?“ Gegen Mittag erreichen wir den Raum Aschaffenburg. Wir sind jetzt in der dortigen Schillerstraße. Der Zustand mancher Häuser – teils verlassen, teils sichtbar heruntergekommen, aber fast alle in einem insgesamt desolaten Zustand – nicht gerade vertrauenserweckend. „Hier möchte ich auf keinen Fall wohnen. Ich freu mich jeden Tag in Mering, wenn ich vom Balkon in die Natur gucke, dass wir dort wohnen können.“


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