Der Morgen vor der Heimfahrt
Ein Frühstück wie kein anderes
Morgens dann der Hammer! Das Frühstück hat Frau Beinker extra so früh für uns gemacht. Direkt auf den Tisch, ohne Buffet. So üppig war noch keines in diesem Urlaub: Marmelade, Nutella, Butter, Käse, Wurst, Gurke, Tomate, Weckle, Joghurt, Orangensaft. Man kann gar nicht mehr aufhören mit Aufzählen. Leberwurst gibt’s auch noch. Das alles für 8 €.
- Herzhaftes Frühstück
- Typischer Frühstücksbrötchen-Korb
Wir fühlen uns in diesem Hotel wie die Könige mit Preisen, wie sie vor 10, 15 Jahren üblich waren. Ein Frühstück für 8 € war damals schon günstig – heute ist es fast ein Auslaufmodell und offenbar nur noch in Familienbetrieben und Landgasthöfe möglich. Um 7:45 Uhr checken wir aus. Dabei stellen wir fest, dass wir auf der ganzen Tour, bei allen vier Übernachtungen, nur Hotels mit Schlüssel hatten. Keine Karten, kein Code.
Jetzt heißt es nur noch „Kilometer fressen“
Vom Osnabrücker Land bis Habichtswald
Komisch: Wo gestern alles bumsvoll war auf dem Parkplatz, steht „Katzabärle“ nun mutterseelenallein. Um genau 8:00 Uhr fahren wir los. 76773 km – 23°C. Es fängt jetzt leicht an zu regnen.
- Kaum zu glauben nach dem Trubel gestern
- Landstraße unter alten Bäumen.
Heute heißt es wirklich nur noch „Kilometer machen“. 650 Kilometer sind es bis nach Hause. Sieben Stunden sagt das Navi, neun Stunden fünfzehn sagt mein gesunder Menschenverstand. Ohne Pausen sind 650 Kilometer für uns einfach nicht machbar. Deshalb habe ich vor, nach rund 180 Kilometern (Navi sagt, nach 1:59 h, ich nach 2½ h) – also so gegen Halb elf – bei Habichtswald eine Pause einzulegen, um dort eventuell im „Klein Istanbul“ einen Döner zu essen. Wir könnten auch dort schon tanken, wenn es nicht zu teuer ist.
Auf der Straße nach Süden
Der Alte Damm – die Straße vom Hotel weg – ist eine wunderschöne Lindenallee. Ganz abseits auf dem Land. Praktisch niemand unterwegs. Rechts im Feld läuft ein Reh. Nach 5 km geht’s dann auf die B 218 Richtung Venne und Osnabrück. Die Landschaft zeigt sich typisch norddeutsch: weite Felder, dazwischen immer mal wieder urige Landgasthäuser. An den Rändern der Getreidefelder leuchtet roter Mohn. Auffällig ist auch der Marktkauf entlang der Strecke mit seinen erstaunlich langen Öffnungszeiten von 08:00 bis 21:30 Uhr.
Vom Teutoburger Wald bis zum Habichtswald
Östlich von Osnabrück wechseln wir auf die A 33. Am Rastplatz Teutoburger Wald legen wir dann eine Pause ein. Der Stopp verläuft gemischt – die Unisex-Sanitäreinrichtungen, ohne klare Trennung, ohne Pissoir und auch ohne Toilettenpapier, stoßen nicht bei allen auf Begeisterung. Mein Klo war okay, das von Susanne offenbar nicht. Mit 76.809 Kilometern auf dem Tacho geht es weiter. Die Autobahn ist erstaunlich leer, und die Fahrt ist entsprechend entspannt. Kurz darauf überqueren wir die Grenze nach Nordrhein-Westfalen und folgen anschließend der B 476 Richtung Borgholzhausen. Später passieren wir die Lippe und wenig danach den Rastplatz „Letzter Heller“. Schließlich verlassen wir die Autobahn an der Ausfahrt 67 Zierenberg und fahren auf die B 251. Unser nächster geplanter Halt ist ein Dönerstand in Habichtswald – verbunden mit einem kurzen Tankstopp.
Vom Habichtswald bis nach Marktbreit
Eigentlich hatte ich ja geplant, hier einen Döner zu essen. Bei der Planung vor sechs Monaten konnte ich aber nicht ahnen, welch opulentes Frühstück es im Beinker gibt. Also lassen wir das. So bekommt eben nur „Katzabärle“ was. Während der Kilometerzähler 76959 zeigt (ich brauch das wegen der Verbrauchsrechnung,) tanken wir für 33,61 € 19,33 Liter. So vollgetankt reicht es jetzt aber auch bis nach Hause. Es sind noch 441 km.
Wenige Minuten später rollen wir auf die A 44 Richtung Kassel und wechseln anschließend auf die A 7 Richtung Süden. Mit HR 4 „Musik für dich“ im Ohr beginnt die Rückreise jetzt endgültig – es ist dieser typische Moment, in dem aus der letzten Etappe langsam wieder Alltag wird. „… du bist mein Glücksmoment, der sich nie mehr von mir trennt.“ Oh Mann, Semino Rossi in voller Dröhnung – Schmalz pur, aber seit wir ihn am 15. August 2019 bei einem anderen Fährtle im 3.500-Seelen-Ort Kranichfeld live gesehen haben, ist er akustisch offenbar dauerhaft in unserem Repertoire verankert. Und irgendwie passt es genau jetzt: gleichmäßig rollend auf der Autobahn, entspannte Stimmung, dazu diese leicht überzogenen Schlager, welche die Kilometer einfach nur schwinden lassen.
Das Thermometer zeigt 26°C, der Himmel ist wolkenlos blau. Auf unserer Fahrspur ist die A 7 erstaunlich frei, fast schon ungewohnt entspannt. Ganz anders die Gegenrichtung: Dort steht der Verkehr in Richtung Kirchheimer Dreieck offenbar komplett still. Ein langer Rückstau zieht sich sichtbar über alle Fahrbahnen. Offenbar hat es dort . wie wir im Radio hören einen LKW-Unfall gegeben.
- Auf der Gegenfahrbahn: Stau
- Bei uns: frei
War Semino Rossi noch nicht genug, kommt es jetzt Schlag auf Schlag: Andrea Berg: „Ich schieß dich auf den Mond.“, Paul Anka: „Put your head on my shoulder“ usw., usw. Bei der Raststätte Großenmoor West machen wir wieder mal eine Pause. Um Punkt 12:00 Uhr geht’s weiter. Aus dem Radio klingt „Marina, Marina, Marina – dein Chic und dein Charme, der gefällt“. Ich werfe sofort trocken ein: „Rocco Granata.“ Kurze Pause, dann die Korrektur aus dem Radio: „Damiano Maiolini“. „Auf nichts ist mehr Verlass!“
- Verschnaufpause in Großenmoor West
- Stau voraus
Eine halbe Stunde später überqueren wir die Grenzwaldbrücke nach Bayern. Kaum 100 Meter im neuen Bundesland, stehen wir dann im Stau. Als wäre das das Empfangskomitee. Im Radio läuft „One Way Wind“ von den Cats. Ja, so ist das halt im Leben: immer nur in eine Richtung. Es geht weiter – aber das, was war, bleibt als Erinnerung zurück.
Die Temperaturen steigen jetzt spürbar an. Am Kreuz Schweinfurt-Werneck zeigt das Thermometer bereits 32°C. Susanne ist durch den Fahrtag inzwischen so gezeichnet, dass sie statt ins Sony-Diktiergerät jetzt in die Ixus-Kamera spricht. Am Gramschatzer Wald bekommen wir endlich wieder Bayern 1 rein. Chris de Burgh begrüßt uns mit „The Getaway“ aus dem gleichnamigen Album. Die Rückreise hat jetzt endgültig den richtigen Soundtrack gefunden.
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