Nach der Grachtenfahrt gibt’s Kulinarik
Herengracht, Keizersgracht und die inneren Grachten Amsterdams
Gegen 15:15 / 15:20 Uhr lassen wir die Magere Brug 100 Meter weit links in der Amstel und die Einmündung der Nieuwe Keizersgracht in die Amstel – und das meine ich jetzt wörtlich – achtern hinter uns liegen und fahren in die Keizersgracht.
Bei der Grachtenrundfahrt ist unser Plüschdelfin Finn natürlich auch mit an Bord. Ab und an wird er von Susanne „umgesetzt“, damit er auch die beste Aussicht hat. Die anderen Gäste nehmen das mit einem Lächeln zur Kenntnis – und Finn scheint die Fahrt durch Amsterdam sichtlich zu genießen.
- Auch Finn genießt die Grachtenfahrt.
- Vier Heemskinderenbrug
Nach 1½ km Keizers- und anschließend 100 Meter – rechts weg – Leidsegracht passieren wir eine der vielen hübschen Steinbrücken Amsterdams, die Vier Heemskinderenbrug. Sie verdankt ihren Namen einem Giebelstein an einem Haus neben der Brücke. Aus diesem ist das Pferd Bayard zu sehen, das so stark gewesen sein soll, dass es die vier Brüder Reinout, Writsaert, Adelhard und Ritsaert bei ihrer Flucht gleichzeitig tragen und damit retten konnte. Bei uns kennt man diese Geschichte nicht, dafür aber umso mehr in den Niederlanden und in Belgien.
Kurz nach der Wijde Heisteeg kommen wir am Haus Herengracht 388 vorbei. In diesem Haus, im Atelier Amsterdam Offline, treffen sich kleine Gruppen mit nur einer Prämisse: raus aus dem digitalen Alltag, rein ins analoge Erleben sowie gemeinsam kreativ sein anstatt zu scrollen. Hier werden Zeichen- und Malkurse angeboten, kreative Workshops (z. B. Schmuck, Kunsthandwerk) oder Spaziergänge durch die Stadt, wobei die Stadt nicht fotografiert, sondern auf Skizzenblöcken festhalten wird. Dass die Teilnehmer überwiegend mit dem Fahrrad da sind, ist dann für mich keine Frage mehr.
- Herengracht 348
- Herengracht 126
In Höhe der Raadhuisstraat – wir sind jetzt mit unserer Grachtenrundfahrt fast rum – will Finn auch mal kreativ sein. Malen kann er mit seinen Flossen schlecht, außerdem hat er weder Stifte noch Pinsel dabei, aber aufs Knöpfchen von Rüdigers Canon 750 D drücken kann er. So entsteht eben dieses Foto von uns. Das Haus Herengracht 81 rechts neben dem braunen Haus mit der Regenbogen-Fahne, hat die Jahreszahl 1590 am Giebel stehen. Es soll eines der ältesten erhaltenen Wohnhäuser am Amsterdamer Grachtengürtel sein. 1590 ist aber nicht das Erstelldatum der heutigen Fassade, sondern weist auf ein viel älteres Vorgängerhaus bzw. die erste Bebauung des Grundstücks hin. Das heutige Haus wurde im Wesentlichen 1626 neu aufgebaut.
- Herengracht , Ecke Korsjesportsteg
- Haus 59 bis 61
Ein paar Meter weiter (an den Häusern Herengracht 59 bis 61) sieht man oben an den Giebeln zwar keine Jahreszahl, aber auffällige weiße Balken – sogenannte Hijsbalken (Hebebalken) – aus dem Giebel ragen, typische Elemente der Amsterdamer Kaufmannshäuser. Diese haben heute zwar keine Funktion mehr, sind aber Teil der historischen Fassade, rekonstruiert und denkmalgeschützt. Daran wurden die auf den Grachten angelieferten Waren hochgezogen und in die riesigen Lagerräume oben unterm Dach gezogen. Da der Platz an der „Warenanlieferungs-Seite“ extrem teuer war, wurden die Häuser sehr schmal, aber nach hinten „unendlich“ lang gebaut. Da war seitlich dann einfach kein Platz und so wurden die Waren außen hochgezogen und dann nach hinten verschoben. Nach 53 Minuten Grachten-Rundfahrt kommen wir an die West-Indische Huisbrug, wo es von der Herengracht aus links in die Brouwersgracht geht. Wir lassen die Brücke aber hinter uns und fahren rechts.
- Eine der vielen Brücken Amsterdams
- Coffeeshop an der Gracht
Dabei kommen wir am Coffeeshop Siberië vorbei. Coffeeshops gehören zum besonderen Stadtbild Amsterdams und zur besonderen Drogenpolitik der Niederlande. Hier wird mir erneut bewusst, wie unterschiedlich Menschen mit dem Thema Rauschmittel umgehen. Dennoch: Angeblich soll es in Holland – anteilig – nicht mehr Drogentote geben als in Deutschland, trotzdem beschleicht mich ein blödes Gefühl. Auf der Fahrt zurück zum Platz, wo wir vor einer Stunde losgefahren sind, sehen wir dann hinter uns die markante Kuppel der Ronde Lutherse Kerk (auch Koepelkerk). Heute ist das aber keine Kirche mehr, sondern ein Veranstaltungszentrum für Kongresse, Konzerte und Hochzeiten des benachbarten Renaissance Amsterdam Hotels.
- Koepelkerk
- Patrouillenboot
Die Grachten-Tour war toll. Kanäle voller Touristenboote, Fahrräder an jeder Ecke, ein ständiges Kommen und Gehen zwischen Cafés, Brücken und Wasser und, und , und …
Und obwohl hier vieles rund um Cannabis toleriert wird, und ich bewusst nichts davon genutzt oder gekauft habe, stellt sich bei mir doch kurz ein unangenehmes Gefühl ein, als uns ein Patrouillenboot der Amsterdamer Hafenpolizei entgegenkommt. Links neben der Anlegestelle der Grachten-Tourboote begrüßt uns ein regelrechtes Gewirr aus „tausenden“ geparkter Fahrräder. Rad an Rad, Lenker an Lenker. Daran haben wir uns inzwischen gewöhnt.
- Lenker an Lenker
- Smokeboat
Woran ich mich aber gar nicht gewöhnen kann, ist, dass Smokeboat® Amsterdam z.B. Grachtenfahrten anbietet, bei denen – begleitet von Musik und entsprechend lockerer Stimmung – Cannabis-Konsum ausdrücklich Teil des Erlebnisses ist. Das wird für mich durch die möglicherweise bewusst provokant und humorvoll überzeichnete bekiffte Comic-Ente auf dem Sticker nicht besser. Damit klar ist: Ich will jetzt niemandem den Spaß verderben, und Amsterdam lebt ja gerade auch von seiner Offenheit und der Vielfalt an Freizeitangeboten. Für mich persönlich käme so etwas allerdings nie infrage. Ich finde die Vorstellung, eine Stadt und ihre Grachten auf diese Weise zu erleben, eher befremdlich – ich ziehe es vor, sie klar und aufmerksam wahrzunehmen, ohne die bewusst berauschenden Einflüsse.
Kulinarik in der Innenstadt – Pizzeria La Madonna
Es ist schon nach vier Uhr, und das Frühstück liegt schon lange hinter uns. Langsam macht sich Hunger breit. Was essen wäre jetzt nicht schlecht, wenigstens eine Kleinigkeit. Wir laufen an den Straßenbahngleisen entlang die Martelaarsgracht hinunter. Viele Leute sind hier unterwegs, es ist laut und überaus belebt.
Wir schauen uns das eine oder andere Lokal kurz an, aber nichts entspricht unseren Vorstellungn. Also gehen wir weiter und biegen bald rechts ab in die Nieuwendijk. Dort ist noch mehr los, viele kleine Läden, Fastfood, Touristen, alles eng beieinander. Hier scheint alles auf Touristen ausgerichtet zu sein, auch die Bistros, Kneipen oder Restaurants. Das La Madonna sagt uns zu und wir gehen rein. Susanne bestellt sich Spaghetti Napolitana, ich mir Pizza Salame.
- Spaghetti Napolitana
- Pizza Salame
Dazu gibt es Insalata Mista und zwei winzige, aber ausgesprochen leckere Orangensäftle, die durchaus mit dem gequirlten frischgepressten Saft heute früh im Hotel mithalten können.
- Knackiger Salat
- Orangensäftle
Bei abschließendem Cappuccino schreiben wir noch die Postkarten am Frank und Margit.
- Postkarten müssen einfach sein.
- Postkarten-Motiv
Auch wenn’s nicht ganz billig war – die normale Pasta kostet 12,90, weil aber Susanne extra Spaghetti will und nicht die Pasta auf der Karte, kostet das Ganze 1 € Zuschlag. Meine Pizza hat 15,70 gekostet, der Insalata Mista 8,90, die zwei winzigen Orangensäftle je 3,70 und der Cappuccino 3,90 – war’s voll okay.
| < zurück | Inhaltsverzeichnis | umblättern > |
| Reiseberichte aus den Niederlanden |
| Reiseberichte aus Europa |

















